Marianne Schmalz ist tot. Foto: PZ-Archiv
Pforzheim
Ehemalige Stadträtin und Geschäftsfrau Marianne Schmalz verstorben
  • Olaf Lorch-Gerstenmaier

Pforzheim. Temperamentvoll, heimatverbunden, prinzipienstark und keiner inhaltlichen Kontroverse aus dem Weg gehend – so kannte die Stadtgesellschaft Marianne Schmalz, auch der frühere Oberbürgermeister Joachim Becker („meine Lieblings-Pforzheimerin“), mit dem Schmalz vor allem wegen der Bebauung des Bohnenberger Schlössles manch’ harten Strauß ausfocht. Nun ist Marianne Schmalz, die die letzten fast 20 Jahre in einem Hotel gelebt hatte, im Alter von 92 Jahren gestorben. Gestern fand die Beisetzung im engsten Familienkreis statt.

„Hier sind wir geboren und aufgewachsen, auch wenn es einen hinausgezogen hat“, sagt ihre Zwillingsschwester Irmtraut Bürkle-Schmalz. In einem Alter, in dem mancher an die Rente oder Pension denkt, startete die resolute Pforzheimerin noch einmal durch: Mit 62 machte sie als Selbstständige noch ein Reisebüro an der Museumstraße auf (das erste Last-Minute-Reisebüro in der Goldstadt), und zehn Jahre später zog sie für die Unabhängigen Bürger in den Gemeinderat ein, dem sie bis 2004 angehörte (erst bei den UB, dann bei der Grünen Liste, schließlich fraktionslos) und sich unter anderem im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung engagierte. Da war es nur folgerichtig, dass sie alles tat, um die geplante Überbauung des Quartiers vom Industriehaus bis zum Bohnenberger Schlössle durch den Einkaufszentren-Entwickler ECE (Hamburg) zu verhindern.

In unzähligen Diskussionen und Meinungsbeiträgen (unter anderem in Leserbriefen, die in der PZ abgedruckt wurden) wandte sich Marianne Schmalz gegen die aus ihrer Sicht „völlige Verschandelung des Stadt-Innenkerns“. Damit stellte sie sich gegen den Vorstand des Innenstadt-Bürgervereins.

Schmalz, deren Großvater eine gleichnamige Maschinenfabrik an der Leopoldstraße gegründet hatte, besuchte die Hildaschule und anschließend die Höhere Handels- und Dolmetscherschule für Englisch. Später führte sie 17 Jahre lang ein Blumengeschäft bei der Jahnhalle und war anschließend Direktions-Mitarbeiterin der Firma Timex, unter anderem als Betriebsrätin.

Am 23. Februar alles zerstört

Als 18-Jährige hatte sie die Zerstörung Pforzheims miterlebt, bei der sechs Verwandte ums Leben kamen und das elterliche Geschäftshaus zerstört wurde. Mit Mutter, Schwester und dem aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten Vater fand sie Unterschlupf im Büchenbronner „Bären“.