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Gerhard Heinzmanns Zuhause war auf dem Sonnenhof. 1969 war der promovierte Theologe nach dem Studium als Vikar nach Pforzheim gekommen. Unter anderem war er Religionslehrer an der Fritz-Erler-Schule.  Fotos: Seibel/Archiv 
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Bei Führungen durch das Museum Johannes Reuchlin – unter anderem für Schulklassen – war Gerhard Heinzmann (rechts) in seinem Element. 
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Bei der Woche der Brüderlichkeit 2018 in der Auferstehungskirche: Rami Suliman (Juden), Tobias Gfell (Katholiken), Gerhard Heinzmann (Protestanten), Hasan Akbaba (Aleviten) und Tarik Zaffar (Ahmadiyya-Muslime, von links). 
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2017 erhielt Heinzmann die Bürgermedaille der Stadt.  Foto: Ketterl/Archiv 

Ehemaliger Schuldekan Gerhard Heinzmann lebt nicht mehr: Abschied von einem Menschenfreund und Reuchlin-Bewunderer

Pforzheim. „Segensreich“ sei sein Wirken, „nachhaltig“ die fachliche, sprachliche und kulturelle Prägung des Lebens in der Stadt – mit Sätzen wie diesen würdigte der damalige Oberbürgermeister Gerhard Hager (SPD) die Verdienste von Gerhard Heinzmann anlässlich der Überreichung der Bürgermedaille beim Neujahrsempfang der Stadt im Januar 2017. Da war Gerhard Heinzmann 74. Nun, fast drei Jahre später, ist der in Hausach geborene, in Gutach aufgewachsene und 1969 als Vikar nach Pforzheim gekommene prominente Protestant nach kurzer, schwerer Krankheit in einer Pforzheimer Klinik gestorben.

Die Schloßkirche, der interreligiöse Dialog, die Woche der Brüderlichkeit, Ökumene, Reuchlin-Gesellschaft, Löbliche Singergesellschaft – das alles ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. Das evangelische Schuldekanat ohnehin, das er von 1990 bis 2007 leitete. Oder die Fritz-Erler-Schule, wo er als Religionslehrer mit „Tausenden von Berufsschülern Fragen der Ethik, der Religion sowie von Respekt und Toleranz“ erörterte.

Jahrelang wirkte Heinzmann, der frühere leidenschaftliche Handballer, als Bezirksdiakoniepfarrer, arbeitete zehn Jahre lang am religiös-pädagogischen Institut in Karlsruhe, war Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Diakonie.

In den 1990er-Jahren verteidigte er das Kirchanasyl für drei muslimische Serbinnen, die als Angehörige einer Minderheit aus dem Sandschak nach Pforzheim geflohen waren und abgeschoben werden sollten – und handelte sich prompt die Strafanzeige eines damaligen Pforzheimer Republikaner-Landtagsabgeordneten ein (die von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurde).

Heinzmanns Vorbild war der „große Sohn“ der Stadt, der Humanist Johannes Reuchlin. Wie Reuchlin studierte auch Heinzmann Hebräisch, um „ad fontes“ – zu den Quellen – zu gelangen. Immer wieder betonte er die bedeutende Rolle des Judentums, der „großen Schwester“ des Christentums. Nie wurde der promovierte Theologe müde, das Einende zwischen den monotheistischen Religionen über das Trennende zu stellen. Leidenschaft und Standhaftigkeit paarten sich mit Mutterwitz und Bescheidenheit. Der Beruf des Theologen, sagte Heinzmann in einem Gespräch mit der PZ, sei „eine große Chance und die Profession auch Berufung“.

Mehr über Gerhard Heinzmann lesen Sie am Freitag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Olaf Lorch-Gerstenmaier

Olaf Lorch-Gerstenmaier

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