Markus und Susanna Nierth. Foto: Falk
Pforzheim
Ehemaliger Tröglitzer Bürgermeister im DDR-Museum – Morddrohungen nach Versuch, Flüchtlinge aufzunehmen
  • Julia Falk

Pforzheim. Eines Morgens kam ein Brief ohne Absender. Susanna Nierth öffnete ihn nichtsahnend. Darin: Eine Morddrohung gegen ihren Mann und Fäkalien. Die Frau des ehemaligen Ortsbürgermeisters der Gemeinde Tröglitz in Sachsen-Anhalt ist heute noch fassungslos, wenn sie an das Erlebte zurückdenkt. Am Sonntag sprachen Markus und Susanna Nierth im DDR-Museum ganz offen über das, was seit gut drei Jahren ihr Leben erheblich mitbestimmt.

Der parteilose Ortsbürgermeister Markus Nierth, ein gelernter evangelischer Theologe, machte Anfang 2015 Schlagzeilen. Nachdem er sich offen für die Unterbringung von 40 Flüchtlingen in Tröglitz eingesetzt hatte, ging eine Welle des Widerstands durch die Gemeinde, angezettelt von Rechtsextremen aus dem Ort. Markus Nierth ist für Offenheit und Transparenz. Er wollte die Bürger so früh wie möglich in die Pläne zur Aufnahme von Flüchtlingen einweihen. Stattdessen wurden die Pläne in nichtöffentlicher Sitzung bekannt gegeben und eine Bürgerinformationsveranstaltung zwei Monate nach hinten verschoben. Durch zwei Ortschaftsräte der NPD machte die Information dennoch die Runde – und die Hetze ging los. Zunächst auf sozialen Netzwerken, dann mit Demonstrationen durch die Gemeinde. „Ich habe die Tröglitzer nicht mehr wiedererkannt“, erinnerte sich Nierth. Schnell wurde Nierth zum einzigen Feindbild der Rechten und entschied sich, von seinem Amt zurückzutreten. Die Rechtsextremen zogen trotzdem vor sein Haus, die Familie wurde über Monate vom Landeskriminalamt betreut und beschützt. Hassmails und Morddrohungen erreichten sie. Im April 2015 brennt es in der geplanten Flüchtlingsunterkunft.

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