Geben beim Kampftanz Capoeira den Tankt an: Sascha Chatman am Barimbau (links) und Hagen Carranca Hall am Schellentamburin (rechts). Morelli
Pforzheim
Ein Kampftanz, der zusammenführt: Capoeira hat auch in Pforzheim viele Anhänge
  • Sofia Morelli

Eine Gruppe von Männern und Frauen in weißen Trainingsanzügen steht dicht im Kreis zusammen. Einige von ihnen spielen auf Rhythmus-Instrumenten, die anderen singen und klatschen in die Hände.

Ihre Aufmerksamkeit ist auf das Geschehen im Mittelpunkt gerichtet, denn dort bewegen sich zwei Capoeira-Tänzer zu der Musik. In fließenden Bewegungen greifen sie ihr Gegenüber an und weichen den Schlägen des Anderen aus. Bei einer solchen „Roda“ (portugiesisch für Kreis) können die Schüler des brasilianischen Kampftanzes zeigen, was sie im Training des Vereins Jogo da Capoeira Pforzheim gelernt haben.

Gürtel zeigt Leistungsklasse

Unter der Leitung von Capoeira-Professor Saci bietet der Verein das ganze Jahr über unterschiedliche Kurse für Kinder und Erwachsene an. An diesem Wochenende sind seine Mitglieder sowie zahlreiche internationale Freunde unter anderem in den Vereinsräumen sowie in der Pestalozzischule zusammengekommen, um die sogenannten „Kordelwechsel“ im Rahmen der viertägigen „Berimbalada“ zu feiern. Wie beim Judo und Taekwondo, erklärt Vereinsmitglied Hagen Carranca Hall, zeigt die Farbe des Gürtels beziehungsweise der Kordel eines Capoeira an, wie weit dieser fortgeschritten ist. Die erste Kordel bedeutet außerdem die „Taufe“ von neuen Mitgliedern, bei der sie einen Spitznamen erhalten – eine Tradition, die von den zeitweisen Verboten in Brasilien herrührt. Dort entstand die Capoeira vor etwa 300 Jahren und diente den afrikanischen Sklaven als Tanz getarnter Kampfunterricht.

Befreiung aus der Sklaverei

Die Geschichten von der Befreiung aus der Sklaverei sowie legendären Capoeira-Kämpfern finden sich bis heute in den gesungenen Versen wieder, die fester Bestandteil des Kampfritus sind, erzählt Capoeira-Lehrer Sascha Chatman. Er zeigt den jüngeren Capoeiras, wie sie die Lieder auf Trommeln und dem typischen Saiteninstrument Berimbau begleiten können. Das Berimbau besteht aus einem Klangkörper aus Biriba-Holz an einer auf einen Bogen gespannten Metallsaite, die der Spieler mit einem Schlagstock in Schwingung versetzt. Sein Rhythmus mache den Capoeiras Vorgaben und nehme damit eine zentrale Rolle ein. In jedem Fall ergebe sich daraus eine Art nonverbales Gespräch zwischen den Kontrahenten. Kulturelle und soziale Unterschiede werden dabei überwunden.