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Hinten ganz frühe „Bay-Leaf“-Plakate und ein Poster der Mega-Band „Iron Maiden“, davor Jutta und Manfred Mikonya an Keyboards und Tonreglern. Im Keller ihres Hauses werden sie in den eigenen „Jupiter-Studios“ zu Soundtüftlern. Fotos. Moritz 

Ein Pforzheimer Ehepaar, eine Leidenschaft, ein Genre – Heavy Metal

Pforzheim. Wer Jutta und Manfred Mikonya in ihrem Pforzheimer Wohnhaus besucht, macht große Ohren. Das Ehepaar teilt die Leidenschaft für ein Genre, bei dem es zur Sache geht: den Heavy Metal. Erneut haben sie eine CD eingespielt und fühlen sich wohl pudelwohl im musikalischen Untergrund – weit abseits von Kommerz und großen Bühnen.

Heavy-Metal-Freunde tun nichts lieber, als auf Festivals wie „Wacken“ von Schlammpfütze zu Schlammpfütze zu hüpfen. Bei Heavy-Metal-Freunden gilt die Devise: bloß nicht zu viel Tiefgang – schnell und laut muss es sein. Vorurteile, die sich umgehend zerstreuen, wenn Jutta und Manfred Mikonya die Tür zu ihrem Eigenheim im Stadtteil Buckenberg-Haidach öffnen. Blitzblank ist dort alles, und wer etwas über die Leidenschaft des Ehepaars für dieses Musikgenre erfahren will, sollte genau hinhören und am besten auch noch in den Keller hinabsteigen. Akribisch haben sie dort gut vier Jahre lang an der aktuellen CD ihrer Formation „Bay Leaf“ gefeilt, die sich mit einem sagenumwobenen Gott der Azteken befasst. Die Scheibe trägt den Titel „The Return Of Quetzalcoatl“. So viel zum Thema Tiefgang. Gehirnjogging und Zungenakrobatik sind vom Rezipienten gefragt.

Er habe nun mal ein Faible für historische Themen, sagt Manfred Mikonya (52). Früher hat er sich musikalisch etwa mit Ramses befasst. Nun also der Gedankensprung von Ägypten nach Mexiko. Ein Mythos lebt auf – und das in richtig gutem Powermetal. So heißt diese Unterart des Heavy Metal, die von treibenden Gitarrenriffs, harten Trommelschlägen und rauem Gesang lebt. Mastermind Manfred Mikonya (Gitarre, Gesang) setzt auf komplexe Songstrukturen, die durch Jutta Mikonyas Keyboardklänge zusätzlich an Raffinesse gewinnen. Eigentlich ein Brecher. Zehn von zehn Punkten hat „The Return Of Quetzalcoatl“ etwa im Online-Magazin „Crossfire“ erhalten. Bringt „Bay Leaf“ die siebte CD doch noch den Durchbruch? Manfred Mikonya winkt ab. Zwei seiner früheren Scheiben habe er noch an etliche Plattenfirmen geschickt: „Die Hälfte schickte Absagen zurück, von der anderen Hälfte kam keine Reaktion. Inzwischen habe ich die Hoffnung aufgegeben.“

Was aber treibt den in Pforzheim geborenen und in Mühlacker aufgewachsenen CNC-Fräser und seine Frau, gebürtige Pforzheimerin und gelernte Steuerfachwirtin, Eltern eines 16-jährigen Sohnes, immer weiter an? Es ist die schiere Freude an der Musik. „Ich will nichts dran verdienen“, sagt Manfred Mikonya, „man freut sich einfach, wenn sich jemand dafür interessiert.“ Bereits in der Schulzeit habe ihn die Begeisterung für den Metal erfasst und nicht mehr losgelassen. Im Alter von 17 Jahren kaufte er sich eine Gitarre und brachte sich das Spielen selbst bei. Er musizierte mit Freunden, die „Bay Leaf“ gründeten und Anfang der 1990er-Jahre auch einige Gigs hatten, beim Straßenfest in Mühlacker etwa oder im dortigen Mühlehof. Das Band-Projekt zerschlug sich. Mit seiner Frau Jutta – beide lernten sich in der Ludwigsburger „Rockfabrik“ kennen – und jeweiligen Gastmusikern machte er weiter, quasi als Studio-Hobby-Band. „Ich bin noch nie auf einer Bühne gestanden und weiß gar nicht, ob mir das liegen würde“, gesteht Jutta Mikonya, die musikalisch auf jeden Fall das Zeug dazu hätte. Im Untergeschoss ihres Hauses, in einem kaum 15 Quadratmeter großen Raum, werden aus den einzeln eingespielten Instrumental- und Gesangslinien schließlich diese Gesamtkunstwerke, die man dann extern auf Silberlinge pressen lässt. Manfred Mikonya ist nicht nur Komponist, sondern auch ein Soundtüftler. Kamen in den 1980ern noch vierspurige Kassettenrekorder zum Einsatz, brütet er nun über einem digitalen 18-Spur-Gerät – umringt von akustischen und elektronischen Gitarren, an den Wänden Poster von „Bay Leaf“, aber auch ein Plakat seiner geliebten Band „Iron Maiden“. „Jupiter-Studios“ hat er diesen Kellerraum getauft – und das kommt nicht von ungefähr.

Denn Manfred Mikonya ist auch ein begnadeter Tischfußballer und hatte früher in der Szene den Spitznamen „Fred vom Jupiter“. Im Nebenzimmer steht sein Trainingsgerät, dahinter eine Glasvitrine voller Pokale. Elf Jahre hat er in der Bundesliga gekickert, heute noch steht er regelmäßig in einem Senioren-Team am Tisch. Eine echte Nummer war und ist er bei den Karlsruher Südstadt-Kickers und beim Tischfußballclub St. Leon-Rot. Auch so ein Hobby, das in einer überschaubaren Community allenfalls ein wenig Ruhm einbringt. Die Mikonyas scheinen eben eher stille Genießer und Idealisten zu sein. Aufmerksame PZ-Leser dürften den Namen Jutta Mikonya noch von Berichten über eine andere kreative Passion kennen: Die 45-Jährige hat sich auch als Autorin von Kriminalgeschichten eine kleine, erlesene Fangemeinde erarbeitet.

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