Pforzheim. Eigentlich liefert die offizielle Eröffnung des Brötzinger Frühlingsfests lediglich die Antwort auf die Frage, mit wie vielen Schlägen der Oberbürgermeister das Freibier zum Fließen bringt. Bei der elften Auflage jedoch ist alles anders. Weil sich die Eingemeindung Brötzingens zum 120. Mal jährt, hat OB Peter Boch eine ausgewachsene Festrede und viele spannende Informationen parat.
So erleben die Besucher das, was Boch schmunzelnd eine „Geschichtsstunde“ nennt. Und die hat es in sich. Hätten Sie gewusst, dass Brötzingen bereits im Jahr 1265 erstmals aktenkundig wurde? Dass es seit 1309 als „badisch“ bezeugt ist? Oder dass dies hier früher ein wohlhabendes Bauerndorf war, weshalb das Wappen bis heute ein silbernes Hufeneisen zeigt? Viele solche Anekdoten hat Boch parat. Er erinnert an mehrere Großbrände, die dem Ort seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wiederholt stark zusetzten und ihm den Beinamen „Brenzlingen“ eintrugen. Er schildert, wie sich Brötzingen nach der Industrialisierung zur Wohngemeinde für Arbeiter wandelte und es großen bürgerlichen Zuspruch zur Eingemeindung gab, die sich zum 1. Januar 1905 vollzog. Als „Mitgift“ habe Brötzingen viel in die „Ehe“ gebracht: mit 400 Hektar fast ein Viertel des Pforzheimer Waldbesitzes, 1300 Hektar Fläche und 6000 Einwohner. Der neue Stadtteil wiederum erhielt ein Wasserleitungsnetz samt Hausanschlüssen, eine Kanalisation und mehr Straßenbeleuchtung. 1911 fuhr hier erstmals die Straßenbahn.
In den 1920er-Jahren entstand der Arlinger – quasi als „Stadtteil vom Stadtteil“, so Boch. Weil Brötzingen den 23. Februar 1945 praktisch unbeschadet überstand, wurde es neben Dillweißenstein zum Sitz städtischer Dienststellen. Seine erste Vorstellung nach Kriegswende gab das Stadttheater in der Brötzinger Turnhalle.
Wegweisend war am 14. April 1975, also vor nun 50 Jahren, der Spatenstich durch den damaligen OB Willi Weigelt für die Sanierung des Stadtteils. Fast 50 Prozent der Wohnungen am dortigen Bereich der Westlichen hätten bis dahin weder über Bäder noch über WCs verfügt. Zur baulichen und sozialen Aufwertung gehörte das Schaffen der Fußgängerzone. Man wollte mehr Einzelhandel etablieren, attraktive Wohnungen sowie Kitas bieten und in Sachen Kultur und Freizeit groß auffahren. Auch wenn etliche Fachwerkhäuser moderneren Bauten weichen mussten: Der historische Ortskern sei auch heute noch „fast eine Art Ersatz-Altstadt für Pforzheim“, betont Boch. Und offenbar weiter eine beliebte Wohngegend. Aktuell lebten 12.000 Menschen in Brötzingen – im Jahr 1550 waren es nur knapp 400 gewesen.
Brötzingen habe sich „seinen ganz eigenen Charakter und Charme“ bewahrt, lobt der Rathauschef, was sich insbesondere auch beim Martini Markt sowie eben beim Frühlingsfest zeige, das nun bis einschließlich Montag Tausende Kirmesfreunde in den wilden Westen locken wird. Ach so, ja: Boch musste übrigens viermal den Hammer schwingen, bis das Fass sprudelte.
Das Begleitprogramm beim 11. Brötzinger Frühlingsfest:
- Freitag, 4. April: „Blue Cats“, 19 Uhr.
- Samstag, 5. April: Leutrum-Garde Würm, 16 Uhr;
- „6th Element“, 19 Uhr.
- Sonntag, 6. April: Musikverein Dillweißenstein, 13.30 Uhr
- Tanja und Ines, 15 Uhr
- Daisiana, 15.45 Uhr
- Damiano Maiolini, 16.30 Uhr
- Jörg Augenstein, 17.15 Uhr
- Zeitflug; 18 Uhr
- Prince Damien, 18.45 Uhr.
- Montag, 7. April: großer Familientag mit vergünstigten Preisen.


