Die Einbrecher hinterließen im Tierheim Pforzheim ein Bild der Verwüstung.
Tierheim Pforzheim
Pforzheim
Einbruch ins Tierheim: Zieht eine organisierte Bande von Sachsen über Bayern bis nach Pforzheim?

Pforzheim. Dass Kriminelle auf der Suche nach Beute nachts in Gaststätten, Spielotheken oder Wohnhäuser einsteigen, ist durchaus nichts Neues. Tierheime als Ziel von Einbrüchen scheinen hingegen bislang eher die Ausnahme gewesen zu sein. Doch das hat sich in den letzten Wochen offenbar geändert.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hat es nun auch das Tierheim Pforzheim erwischt. Über die Dachluke drangen die Täter irgendwann zwischen 22 Uhr und 5.45 Uhr in die Räumlichkeiten Hinter der Warte in der Nordstadt ein und hinterließen ein Bild der Verwüstung.

Mit einem großen Metallstück hebelten die Täter den Tresor aus der Wand.
Tierheim Pforzheim

Mit einem großen Metallstück hebelten sie einen kleinen Tresor aus der Wand, zudem wurden unter anderem auch die Kaffeekasse sowie die Tierflohmarktkasse geplündert. Insgesamt erbeuteten die Ganoven somit rund 1.500 Euro, wie Kristin Hinze gegenüber PZ-news erklärt.

Für die Leiterin des Tierheims war es bereits der dritte Einbruch seit sie vor sieben Jahren in Pforzheim übernahm. Beim letzten Mal kamen die Täter noch durch das Küchenfenster, weshalb damals im Anschluss die Rollläden mit einem Einbruchschutz ausgestattet wurden. Doch auch das konnte den neuerlichen Einbruch nicht verhindern, der sich nahtlos in eine inzwischen lange Liste von Taten in mehreren Bundesländern einreiht.

 Täterspur zieht sich von Sachsen über Bayern bis nach Baden-Württemberg

Bereits Ende Juli wurden innerhalb von nicht einmal zwei Wochen gleich fünf Tierheime in Sachsen ausgeraubt. Besonders hart erwischte es damals die Stollberger Einrichtung, in welche zwei Nächten infolge eingebrochen wurde. Die Stadt Stollberg veröffentlichte daraufhin ein Überwachungskamerabild von einem der Täter und setzte zudem eine Belohnung von 200 Euro aus.

Auch in Annaberg-Buchholz, Langenberg, Chemnitz und Reinsdorf wurden in den darauffolgenden Tagen Einbrüche vermeldet, zwischen dem 11. und 14. August stiegen Unbekannte dann in Tierheime im benachbarten Bayern in Hof, Lichtenfels und Bayreuth ein.

Die Stadt Stollberg hat nach dem Einbruch ins örtliche Tierheim eine Belohnung auf die Ergreifung des Täters ausgesetzt.
facebook.com/stadtverwaltung.stollberg

Nur zwei Tage danach wurden auch in Baden-Württemberg vermehrt Einbrüche in Tierheime vermeldet, darunter unter anderem in Reutlingen, Türkheim (Geislingen), Rottweil, Tailfingen, Ulm, Tübingen, Ettlingen und nun eben auch in Pforzheim. Ein weiterer Einbruchsversuch in Esslingen schlug hingegen fehl.

An allen Tatorten machten die Einbrecher lediglich geringe Beute, zumeist nur von wenigen Hundert Euro, was in keinem Verhältnis zu den entstandenen Sachschäden stehen dürfte.

 Tierheimleiterin will Serie nicht ausschließen

Auch wenn der Polizei Pforzheim bislang zumindest noch keine Beweise auf eine organisierte Bande vorliegen, glaubt Kristin Hinze dennoch an eine Serie. "Wir wussten schon seit zwei, drei Tagen davon. Daher lag es nahe, dass auch bei uns eingebrochen wird", sagt sie im Gespräch mit PZ-News. Ob es eventuell sogar dieselben Täter wie vor ein paar Jahren waren, will sie zumindest nicht ausschließen, da diese gezielt das Büro aufsuchten und offenbar wussten, "wo Geld ist".

Die Karte zeigt: Seit einem Monat häufen sich die Einbrüche in Tierheime in Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg.
dpa/PZ

Erleichtert ist sie hingegen darüber, dass bei den bisherigen Einbrüchen lediglich materieller Schaden entstanden ist. "Ich bin ganz froh, dass es keine Tiere betrifft", meint sie. Denn wenn die Täter keine Beute finden, könnte dies auch schon einmal in Gewalt gegen Tiere ausarten, wie sie vor Jahren selbst einmal erleben musste.

Als Konsequenz aus dem neuerlichen Einbruch will Hinze in Zukunft "so gut wie kein Geld mehr dalassen". Auch Überwachungskameras und eine Alarmanlage würden in den Überlegungen eine Rolle spielen, ebenso gebe es "Safe-technisch sicher noch ganz andere Möglichkeiten".

Tierheim Pforzheim hofft auf Spenden

Auch wenn die entwendete Beute diesmal geringer ist, als dies noch beim letzten Einbruch der Fall war, wiegt der Verlust der 1.500 Euro doch schwer. Umso mehr würde sich das Tierheim daher über Spenden freuen. "Wir hoffen, dass das ein oder andere reinkommt", erklärt Hinze.

Die Einbrecher in Pforzheim plünderten unter anderem auch die Kaffeekasse sowie die Tierflohmarktkasse.
Tierheim Pforzheim

Dass dies durchaus von Erfolg gekrönt sein kann, zeigt das Beispiel aus Ulm. Das dortige Tierheim wurde nach dem Einbruch am vergangenen Freitag, bei dem neben 2.000 Euro Beute auch ein Sachschaden von mehr als 1.000 Euro entstand, mit Spenden überhäuft. Innerhalb von nur einem Tag kamen dort rund 14.000 Euro zusammen.

Verantwortlich für die hohe Summe war hauptsächlich die verschworene Gemeinschaft des Imageboards "pr0gramm". Registrierte Nutzer können dort Bilder und Videos hochladen, mit Tags strukturieren und kommentieren. So kamen bereits in der Vergangenheit mehrfach Spendenaktionen mit teilweise sechsstelligen Beträgen aus dem Nichts zu Stande.

Alle Informationen, wie Sie dem Tierheim Pforzheim mit Spenden weiterhelfen können, finden Sie unter tierheim-pforzheim.de/mitgliedschaft_spende.html.