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Unternehmerin Jessica Hermann betrachtet das Werk von Einbrechern in ihrem Fachgeschäft an der Jörg-Ratgeb-Straße in Pforzheim. Auf den Kleiderbügeln hing einst hochwertige Markenkleidung für Kinder. Foto: Ketterl
Unternehmerin Jessica Hermann betrachtet das Werk von Einbrechern in ihrem Fachgeschäft an der Jörg-Ratgeb-Straße in Pforzheim. Auf den Kleiderbügeln hing einst hochwertige Markenkleidung für Kinder. Foto: Ketterl
23.11.2016

Einbruch trifft Einzelhändlerin schwer: Profis plündern „Kinderstube Pforzheim“

Pforzheim. Seit dem vergangenen Samstag ist für Jessica Hermann nichts mehr so wie es einmal war. Um 10.30 Uhr hatte eine Mitarbeiterin das Fachgeschäft „Kinderstube Pforzheim“ an der Jörg-Ratgeb-Straße in Pforzheim geöffnet und dann schlagartig bemerkt, dass da etwas nicht stimmt. Als Jessica Hermann kurz darauf in ihr Kindermoden-Geschäft geeilt war, traf sie ein Schock: Einbrecher hatten nach erster grober Schätzung etwa die Hälfte ihres Warenbestandes gestohlen.

„Das ist ja meine Existenz“, macht sich Jessica Hermann nun Sorgen um ihre Zukunft. Das sonst im Allgemeinen den Einzelhandel belebende Weihnachtsgeschäft wird deutlich schmaler ausfallen und bis die Versicherung die Schadensregulierung in Gang setzt, werden noch Tage verstreichen, in denen die Einbruchspezialisten der Polizei noch einmal vorbeischauen, in denen Schlosser und Elektriker die Einbruchschäden am Gebäude und im Laden beheben, in denen ein neues Programm für die Kasse installiert wird, damit Jessica Hermann eine exakte Zwischeninventur machen kann. Schließlich muss sie genau belegen können, was die Einbrecher mitgenommen haben.

Viel Mehrarbeit und viel Zeit, die für die Einzelhändlerin umsatzlos verstreicht. Die Folgen des Einbruchs treffen sie also gleich doppelt schwer.

„Dabei muss ich ja noch froh sein, dass sie nicht alles zerschlagen haben und auch keine Computer mitgenommen haben, nur noch ein paar Geldscheine vom Wechselgeld aus der Kasse“, tröstet sich Jessica Hermann. Die Einbrecher seien „höchst professionell“ vorgegangen. „Sie wussten genau, was sie wollten“, so die Einzelhändlerin. Ihr Ziel: Kleidung und Schuhe hochwertiger und entsprechend teurer Marken. So seien zum Beispiel bei den Kinderhosen fast nur „Pepe Jeans“ mitgenommen worden. Ein Einbruch auf Bestellung? Genau kann Jessica Hermann den Schaden noch nicht beziffern, aber es könnte sich um einen Warenwert von 100.000 Euro handeln.

Über den Hintereingang sind die Ganoven ins Geschäft eingedrungen. Wahrscheinlich fuhren sie mit einem Transporter der Sprinter-Klasse über den Hof bis an die Rückseite des Geschäfts, so vermutet es die Ladeninhaberin. Bemerkt hat das offenbar niemand. Über dem Geschäft liegen nur eine Arztpraxis und darüber zwei Wohnungen.

Im Hof wurden alle Drähte zu den Bewegungsmeldern gekappt – so blieb alles im Dunkeln. Die Profis bohrten das Schloss auf, klebten das Loch von außen zu. Im Laden kappten sie alle möglichen Kabel zu Kasse, Computer und anderem mehr. Zuerst räumten sie wohl das rückwärtige Lager leer, weil der Raum durch die Schaufenster von der Straße her nicht einsehbar ist. Im Verkaufsraum selbst ließen sie die Kindermode, die von außen erkennbar war, an den Stangen hängen. In den Schränken darunter, wo die kompletten Größen-Sets der einzelnen Modelle aufbewahrt werden, herrscht dagegen nun Leere.

„Ein Fremder hätte durchs Schaufenster nicht gesehen, dass jemand hier alles ausgeräumt hat“, sagt Jessica Hermann. Gut möglich, dass außen ein Mittäter Schmiere stand. Über ein Fenster zum Hof sollen Ware und Einbrecher das Geschäft verlassen haben.

Das alles erinnert an den scheinbar perfekt geplanten Einbruch bei „Mode Lenk“ in der Pforzheimer Fußgängerzone im März 2015. Blitzschnell und mit ganz bewusstem Blick für teure Marken wurde Damenmode im Wert von rund 80.000 Euro entwendet. Damals war auch von Profiarbeit die Rede. Das ist natürlich kein Trost für Jessica Hermann. Neue Winterware für den Neustart ins Weihnachtsgeschäft bekommt sie, wenn überhaupt, dann nur noch als Restposten. Schon jetzt würde regulär Frühjahrsmode ausgeliefert. Es drohe ein riesiges Umsatzloch. Ein Einbruch ist – leider – immer mehr als nur der Verlust von Eigentum.

Mehr über Profi-Einbrecher mit Vorliebe für Markenkleidung lesen Sie hier:

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Peggy
24.11.2016
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Diese Einbruchserien werden nicht aufhören,im Gegenteil immer mehr.So frei wie wie diese Gauner bei uns schalten und walten gibt es in keinem anderen Land.Die Strafen sind doch lächerlich wenn sie geschnappt werden. mehr...