Pforzheim. Emil Strauß (1866–1960) war ein angesehener Literat. Emil Strauß war aber auch Mitglied der NSDAP und Verfechter nationalsozialistischer Ziele. Dieses Dilemma treibt die Stadt und ihre Verwaltung bis heute um. Wiederholt hat es Diskussionen zum Umgang mit diesem Sohn Pforzheims gegeben. Am Dienstag, 30. Januar, wird die Stadtverwaltung ab 16 Uhr im Kulturausschuss einen Vorschlag unterbreiten, der den Namen Emil Strauß präsent hält, ihn aber einordnet – für jedermann sichtbar.
Das bei der Erarbeitung der Sitzungsvorlage federführende Kulturamt – genauer: Claudia Baumbusch, die stellvertretende Leiterin dieser Behörde – hat es sich nicht leicht gemacht. Fünf eng beschriebene Seiten weist die Vorlage auf. Sie beinhaltet eine Kurzbiografie. Darin ist etwa festgehalten, dass Strauß am 31. Januar in Pforzheim als Sohn eines Kaufmanns und Schmuckfabrikanten geboren wurde und nach bewegten jungen Jahren und bereichernden Begegnungen, etwa mit Hermann Hesse, in literarischer wie akademischer Hinsicht hohen Rang erreichte. 1937 wurde er zu Pforzheims Ehrenbürger ernannt.
Sich selbst als „Nazi“ tituliert
Bereits 1930 war Emil Strauß aber in die NSDAP eingetreten. 1936 ehrte ihn Hitler mit der Goethe-Medaille, in jenem Jahr berief ihn Goebbels in den Reichskulturrat. Als Schriftsteller habe er die nationalsozialistische Gesinnung „aktiv propagiert“, heißt es in der Biografie. Er habe sich selbst als „alten Nazi“ tituliert.
Wie üblich, war die Ehrenbürgerwürde mit Strauß’ Tod erloschen – auf der städtischen Internetseite wurde sein Name bereits aus der Ehemaligen-Liste gestrichen. Bis heute sei Emil Strauß überwiegend als Schriftsteller bekannt, konstatiert das Kulturamt und empfiehlt Schritte, die sensibilisieren, aufklären und einen öffentlichen Diskurs ermöglichen sollen. Deshalb solle, so der Vorschlag, der Name der 1931 nach ihm umbenannten Hachelstraße erhalten bleiben, das Schild aber durch einen Kommentar ergänzt werden. Ein ähnliches Vorgehen hält das Kulturamt für das 1960 angelegte Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof zumindest für diskussionswürdig.
Es liegt im Ermessen der Stadträte, ob Straße und Ehrengrab folgenden Hinweis erhalten: „Emil Strauß (1866-1960), Romancier, Dramatiker, Erzähler. Verarbeitete seine Geburtsstadt Pforzheim literarisch in dem Roman ,Der nackte Mann‘ und in der Novelle ,Euphemia‘. Strauß trat 1930, also Jahre vor der ,Machtergreifung‘, in die NSDAP ein und agitierte für den nationalsozialistischen ,Kampfbund für deutsche Kultur‘. 1936 wurde er in den Reichskultursenat berufen. Für sein literarisches Wirken erhielt er im Sinne der NS-Ideologie bis Kriegsende zahlreiche Preise und Ehrungen. Er wurde zum Ehrenbürger von Freiburg (1936, 1946 aberkannt) und Pforzheim (1937) ernannt.“

