Pforzheim. So haben die Pforzheimer ihre Flüsse schon länger nicht mehr gesehen: Die sonst so beschaulichen Enz, Nagold und Würm verwandeln sich in reißende Ströme. In der Nacht zum Freitag schwellen sie immer weiter an, bis am frühen Morgen der Peak erreicht ist. Vielerorts ist das Flachland am Ufer überspült, mittig überschlagen sich Wellen.
„Es kam höher, als gedacht“, sagt Jürgen Metzger vom Grünflächen- und Tiefbauamt (GTA). Der stellvertretende Feuerwehrkommandant Guido Lobermann bestätigt: „Das Wasser ist doch stärker angestiegen, als von der Hochwasser-Vorhersage-Zentrale berechnet.“ Dennoch: Beide Experten bleiben ruhig. „Alles Routine“, so Metzger, „keine Gefahr.“ Zu tun haben er und sein Team trotzdem.
Pegelstand verdoppelt
Steht der Pegel an der Messstation am Enzauenpark bei 2,08 Metern, spricht man von einem zweijährigen Hochwasser, bei 2,76 Meter von einem zehnjährigen Hochwasser. Am Freitag um 4.15 Uhr sind es dort 2,42 Meter. Bei Eutingen werden zu dieser Zeit gar 3,38 Meter gemessen – am 2. Januar waren es noch nur 1,57 Meter. Die Nagold schwillt bei Dillweißenstein auf 2,30 Meter an, auch die Würm ist bei Pforzheim mit 79 Zentimetern gut doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn.
„Wenn ich aus dem Büro schaue, sieht das schon gewaltig aus“, sagt Feuerwehr-Vize Lobermann, doch die Lage sei „relativ unproblematisch“. Schon am Freitagvormittag sinken die Pegel langsam wieder, die Prognosen gehen für die kommenden Tage von einem weiteren deutlichen Rückgang aus. Einsätze, etwa wegen vollgelaufener Keller, habe es für die Feuerwehr nicht gegeben, berichtet Lobermann und betont: „Wir sind jeden Tag gut vorbereitet.“ Es gebe ein Lager mit Sandsäcken, eine Sandsackfüllanlage und natürlich auch Sand. All das muss nicht genutzt, wohl aber ein Maßnahmenkatalog abgearbeitet werden, den das Grünflächen- und Tiefbauamt für solche Fälle parat hat.
Wie Jürgen Metzger berichtet, waren Mitarbeiter des GTA und der Technischen Dienste von Donnerstag auf Freitag bis weit nach Mitternacht in Eutingen aktiv, um Schieber zuzumachen und Durchlässe zu schließen. Beim Rattach war der Weg überspült. Dort wie an weiteren überfluteten Bereichen, etwa am Davosweg, wurden die Schranken geschlossen.
Gleiches gilt für die Rad- und Fußwege in Unterführungen bei Brücken an der Enz, die laut Metzger schon ab einem Pegelstand von 1,10 Meter gesperrt werden. Kein Durchkommen gab es bis auf Weiteres etwa unter der Jahnstraße von der Jörg-Ratgeb- zur Steubenstraße. Künftig, sagt Metzger, sollen möglichst alle Schranken beleuchtet sein, damit Passanten auch nachts die potenzielle Gefahrenstelle gleich ins Auge sticht. „Unsere Mitarbeiter wissen durchaus um die Gefahr, die da dahintersteht“, betont Metzger mit Blick auf die teils reißenden Wassermassen, die gerade an Brücken wie beim Turnplatz Engpässe passieren müssen. Sind dann noch, wie jüngst beim Sturm „Burglind“, Bäume umgeknickt und in den Fluss gestürzt, droht verkeiltes Gehölz den Durchfluss zu blockieren. „Wenn nötig, muss man es mit dem Bagger wegräumen“, sagt Metzger, der wie alle Beteiligten froh über die sinkenden Pegel ist. Doch auch für dramatischeres Hochwasser gibt es exakte Pläne zum Katastrophenschutz.
Alle größeren Flüsse im Südwesten führen am Sonntag zwar noch Hochwasser, wie die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg mitteilt. Die Behörde stellt aber an den meisten kleineren Gewässern fallende Wasserstände und vorläufige Höchstwerte in größeren Flüssen fest.





