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Schüler des Hildagymnasiums veranstalteten die Gedenkveranstaltung im Atrium des VolksbankHauses.  Foto: Moritz 
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Sie setzen Zeichen der Erinnerung – und gegen den Hass: Rami Suliman (links) und OB Peter Boch legen Kränze nieder. 
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„Es liegt nicht in unserer Verantwortung, was damals geschehen ist. Aber es liegt an uns, dafür zu sorgen, dass so etwas nie mehr passiert" - Stadt und Schüler gedenken den Opfern der Reichspogromnacht

Pforzheim. Die Erinnerungen an den NS-Terror wach halten: Das ist das erklärte Ziel der Stadt Pforzheim, der jüdischen Gemeinde, aber auch der Jugend. Bei der Gedenkveranstaltung anlässlich des 81. Jahrestags der Reichspogromnacht am Freitagvormittag im VolksbankHaus diskutierten Schüler des Hilda-Gymnasiums darüber, wieso es an ihnen ist, die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und welche Wege man gehen sollte, um Antisemitismus die Stirn zu bieten.

1938 zündeten die Nationalsozialisten in der Nacht vom 9. auf den 10.November in ganz Deutschland Synagogen an, verwüsteten jüdische Geschäfte, verhafteten, misshandelten oder töteten deutsche Juden. Auch in Pforzheim brannte das Gotteshaus an der Zerrennerstraße, 23 Männer jüdischen Glaubens wurden ins KZ Dachau verschleppt. Der Terror der Reichspogromnacht bildete den Auftakt des Massenmords an den europäischen Juden, dem sechs Millionen Menschen zum Opfer fielen.

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Gedenkfeier für die Pforzheimer Opfer der Reichspogromnacht

81 Jahre später sind diese Verbrechen nicht vergessen – doch der Bezug dazu geht den nachfolgenden Generationen zunehmend verloren. Das macht nicht nur den Erwachsenen Sorgen, sondern auch der Jugend selbst, wie bei Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Reichspogromnacht am Freitagvormittag im Atrium des VolksbankHauses deutlich wurde. Denn diese gestalteten in weiten Teilen Schüler des Hilda-Gymnasiums, die sich schon länger intensiv mit der Aufarbeitung von Pforzheims NS-Vergangenheit beschäftigen.

„Es liegt nicht in unserer Verantwortung, was damals geschehen ist. Aber es liegt an uns, dafür zu sorgen, dass so etwas nie mehr passiert“, erklärte Celina Zürcher, die mit ihren Mitschülern Tamara Benhamo und Leon Michel in der von Boris Karasik moderierten Runde mit Sami Wedde von „Likrat“, einem interreligiösen Projekt des Zentralrats der Juden, über Antisemitismus und Erinnerungskultur diskutierte.

Die Verbrechen von damals nicht zu vergessen, aber auch dem Antisemitismus von heute die Stirn zu bieten, sei dabei nicht nur die Aufgabe von Politik und Jüdischen Gemeinden, sondern die aller, „denn das Thema betrifft uns alle, die ganze Gesellschaft“, unterstrich Benhamo. Das fange schon im Kleinen an, wie nicht wegzuschauen, wenn antisemitische Parolen verbreitet würden. Um auch die jungen Menschen ins Boot zu holen, müsse man Kanäle wählen, auf denen diese auch erreicht würden – und verstärkt auf soziale Medien setzen. Nicht zuletzt, um „diesen Raum nicht jenen zu überlassen, die ihn missbrauchen, um Hass und Hetze zu verbreiten“, wie Hilda-Schülersprecher Michel sagte.

Mehr über die Gedenkveranstaltung lesen Sie am Samstag, 9. November, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Jeanne Lutz

Jeanne Lutz

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