Die Fundstelle der Weltkriegsbombe am Quartierspark in der Oststadt.
Feuerwehr Pforzheim/Steven Müller
Pforzheim
Es war kein Zufall: Wie wurde die Bombe im Pforzheimer Oststadtpark eigentlich gefunden?

Pforzheim. Der Bombenfund im Oststadtpark war kein Zufall. Das hat die PZ von der Feuerwehr erfahren. Bevor die Bagger auf dem Gelände anrückten, haben Experten des Kampfmittelräumdienstes alte Luftaufnahmen aus der Zeit kurz nach den Bombardierungen analysiert. Sie suchten nach auffälligen Einschlagkratern – nach Spuren von Bomben, die einschlugen, aber nicht explodierten. Einen solchen Krater fanden sie im Oststadtpark. Und tatsächlich: Dort lag sie, etwa drei Meter lang, rund 1,8 Tonnen schwer – eine britische Luftmine vom Typ HC 4000. Im Volksmund auch „Cookie" oder „Blockbuster" genannt. Auf Deutsch: Wohnblockknacker.

Wie man die Bombe findet

Laut dem Merkblatt „Kampfmittelfrei Bauen" analysieren Spezialisten vor großen Bauprojekten alte Luftaufnahmen, Einsatzkarten und historische Akten. Besonders tückisch: Blindgänger können noch in Tiefen von bis zu acht Metern liegen, in Ausnahmefällen bis zu 20 Metern. Die technische Suche erfolgt mit geophysikalischen Verfahren – Magnetsonden, elektromagnetische Messungen, Georadar. Doch selbst modernste Technik stößt an Grenzen. Alte Leitungen, Metallteile oder Kriegsschutt im Boden verfälschen die Ergebnisse. Blindgänger vollständig ausschließen kann niemand.

In Deutschland werden jedes Jahr rund 5.000 Bomben entschärft. Auf Baustellen gelten strenge Regeln: Bei jedem Verdacht müssen die Arbeiten sofort eingestellt, die Baustelle geräumt, die Polizei informiert werden. Verdächtige Gegenstände dürfen Bauarbeiter niemals selbst freilegen oder bewegen. Sogar sogenannte Baggerwachen – bei denen Arbeiter einfach beobachten, ob etwas auftaucht – sind ausdrücklich verboten. Die Räumung darf ausschließlich von Kampfmittelräumern mit sprengstoffrechtlicher Zulassung durchgeführt werden.

Wenige Tage vor dem 81. Jahrestag der Zerstörung Pforzheims durch ebenjene Bomben aus britischen Flugzeugen hatten hier Bundestagsabgeordnete, Gemeinderäte und der Oberbürgermeister im Februar den Spatenstich für den neuen Quartierspark in der Oststadt gefeiert. Der Bund fördert das Projekt. Etwa drei Monate später stieß man bei analysien auf die Bombe. 

Was diese Bombe ist

Die HC 4000 gehörte zu den größten Bomben des Zweiten Weltkriegs. Anders als klassische Bomben besitzt sie keinen Splittermantel. Ihre Wirkung entsteht fast ausschließlich durch eine enorme Druckwelle. Sie deckt Dächer ab, zerstört Fenster noch in zwei Kilometern Entfernung, tötet Menschen durch schwere innere Verletzungen. Rund 1,35 Tonnen des Gesamtgewichts entfallen auf den Sprengstoff – ein Gemisch aus Ammoniumnitrat und TNT. Die Royal Air Force setzte diesen Typ ab 1941 ein, rund 68.000 Mal. Häufig wurden die Bomben als Vorbereitung für Brandbomben eingesetzt: Erst die Druckwelle, dann das Feuer in den offenen Häusern.

Blindgänger dieses Typs gelten bis heute als gefährlich. Nicht weil sie von allein explodieren – laut dem Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags ist bislang keine dokumentierte Selbstzündung einer Luftmine bekannt. Gefährlich wird es, wenn sie mechanisch belastet oder bewegt werden. Bei einer Explosion in Euskirchen wurde 2014 ein Baggerfahrer auf einem Recyclinggelände getötet, über 200 Gebäude beschädigt.

Deshalb gilt in Pforzheim ein Evakuierungsradius von 1,5 Kilometern. Rund 27.000 Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen.

Was danach kommt

Was mit der Pforzheimer Bombe nach der Entschärfung passiert, ist noch offen. Ein Blick nach Frankfurt zeigt eine Möglichkeit: Dort sorgte eine HC 4000 im Jahr 2017 für die größte Evakuierung der Nachkriegsgeschichte – rund 65.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Nach erfolgreicher Entschärfung wurde die Bombe in fünf Teile zersägt, vollständig von Sprengstoff befreit und in das Historische Museum Frankfurt gebracht.

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