Bereits eine geraume Zeit ist der Zwölfjährige in ein Spiel auf seinem Smartphone versunken. Seine Mutter schaut sich das Ganze eine Weile an, allerdings mit skeptischem und sorgevollem Blick. Irgendwann sagt sie dann genervt: „Mach das Ding aus“. Handelt sie richtig?
Um diese und weitere Fragen drehte sich am Dienstagabend die Veranstaltung „Jugend im Netz – Eine Herausforderung für Familie und Schule“ anlässlich des „Safer Internet Day“ im PZ-Forum. Veranstalter waren die „Pforzheimer Zeitung“, „Clemens hilft!“, die „Aktion Jugendschutz“, die Stadt Pforzheim, „Goldader Bildung“ und der Enzkreis.
Das Thema stieß auf enormes Interesse, das Forum war bis auf den letzten Platz belegt. Sozialbürgermeisterin Monika Müller sagte zu Beginn: „Es ist ein Thema, das uns als Stadt sehr beschäftigt.“ Man müsse kritisch mit den Dingen umgehen, ohne sie jedoch zu verteufeln. PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht hob die Bedeutung der sozialen Medien für die „Pforzheimer Zeitung“ hervor: „Für uns als PZ sind soziale Medien nicht der Teufel, sondern ein elementarer Bestandteil der Kommunikation.“
In seinem Vortrag versuchte Georg Milzner, Psychologe und Psychotherapeut, einige Vorurteile über Handys und Computer zu entkräften. Zum Beispiel, dass Zocken gewalttätig macht. Falsch, so die Schlussfolgerung des 54-Jährigen: Die Gewaltrate im öffentlichen Raum sinke sogar, seitdem Gewaltspiele öffentlich zugänglich seien. Beim Thema Sucht wurde Milzner deutlich: Man könne eine Sucht nicht allein über die Dosis definieren, es gehöre noch ein Gewöhnungseffekt – und dadurch eine Steigerung der Dosis – sowie eine Vernachlässigung anderer Lebensweisen dazu. Auch den Vorwurf, dass Videospiele dumm machen, wollte der Psychologe nicht so stehenlassen: Der IQ von Jugendlichen gehe seit Jahren nach oben. In allen Spielen würden außerdem räumliche Orientierung, Systemüberblick und strategisches Denken gefördert.
Warum also die Angst vor den neuen Medien? Milzner brachte die eigenen Referenzerfahrungen der Eltern ins Spiel. Den ersten Rausch des Kindes assoziiere man mehr mit der eigenen Jugend als das stundenlange „Daddeln“ vor dem Computer. Daher die Unsicherheiten. In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von den PZ-Online-Redakteuren Nina Giesecke und Johannes Röckinger, rückten die Gefahren des Internets in den Vordergrund. Smartphonecoach Clemens Beisel warnte vor Fake News und Hassreden im Netz, ein Thema, welches er als Medienreferent in Schulklassen behandele. Dirk Schäfer vom Polizeipräsidium Karlsruhe ging auf das Thema Mobbing ein: Das finde heutzutage meistens digital statt, da es durch das Internet Möglichkeiten gibt, die im echten Leben nicht vorhanden sind.
Wichtig bei diesem Thema sei Prävention, betonte Kai-Friedrich Adam, Schulleiter des Reuchlin-Gymnasiums. Dass die Schulen bei der digitalen Entwicklung meilenweit hinterherhinken, stritt Adam nicht ab. Doch spiele die Digitalisierung im neuen Bildungsplan eine wesentlich größere Rolle als zuvor. Wichtig für einen verantwortungsvollen Umgang sei die Selbstkompetenz, so Georg Milzner. Aus diesem Grund riet er auch davon ab, eine Software zu installieren, die das Gerät nach einer gewissen Zeit automatisch abschaltet. Das Kind müsse selbst spüren, wann genug ist. Was bei der zweistündigen Veranstaltung herausstach: Erwachsene haben noch Nachholbedarf auf dem Gebiet der Online-Kompetenz. Und die ist dringend nötig, denn, wie Magnus Schlecht appellierte: „Die Eltern dürfen sich der Verantwortung nicht entziehen. Aber auch die Schulen sind dringend gefordert, den Schülern mehr digitale Kompetenz zu vermitteln.“


