Sie halten sich oft hartnäckig und können junge Mütter verunsichern: Über das Stillen kursieren zahlreiche Weisheiten – nicht alle davon entsprechen der Wahrheit. Die Stillberaterinnen am Helios Klinikum Pforzheim, Stephanie Staffe und Stephanie Kunzmann, schaffen anlässlich der aktuellen Weltstillwoche Klarheit.
- Brustwarzen müssen aufs Stillen vorbereitet werden
Die Brustwarzen bereiten sich selbst auf das Stillen vor. Sie verändern sich bereits in der Schwangerschaft: Die Vorhöfe werden größer und dunkler pigmentiert und die Haut wird widerstandsfähiger. Zudem gibt es um die Vorhöfe herum die sogenannten Montgomery-Drüsen, die ein antibakterielles und antivirales Sekret absondern. So bleibt die Brustwarzenhaut geschmeidig und intakt. - Mit einem halben Jahr dürfen Säuglinge nachts nicht mehr gestillt werden
Hierzu gibt es keine wissenschaftlichen Studienergebnisse. Weder gewöhnen sich Babys lebenslang an nächtliches Essen, noch werden sie zu dick. Babys regulieren die Nahrungsaufnahme beim Stillen selbst. Außerdem „stillt“ das Stillen im wahrsten Sinne des Wortes auch die Bedürfnisse nach Nähe und Geborgenheit. - Eine Mutter, die raucht, darf nicht stillen
Fest steht: Das Baby wird vor allem durch Passivrauchen über die Atemluft beeinträchtigt. Hier lohnt sich eine ausführliche Beratung noch in der Schwangerschaft. Vor allem ist es wichtig, nicht in der Wohnung und in einem Zeitraum von mindestens zwei Stunden vor dem Stillen nicht zu rauchen. Besser ist: weniger rauchen und stillen, als gar nicht zu stillen. - Krank sollte man nicht stillen
Solange der körperliche Zustand der Mutter es zulässt, darf sie weiter stillen. Das Immunsystem der Mutter setzt sich mit den krankmachenden Erregern auseinander und gibt über die Muttermilch eine Immunantwort an das Baby weiter. Sollte das Kind selbst daran erkranken, ist es dann sogar besser geschützt. Auch dass in der Stillzeit keine Medikamente genommen werden dürfen, stimmt so pauschal nicht. Es gibt viele stillfreundliche Medikamente, die bei Bedarf problemlos eingenommen werden können. Eine Narkose stellt ebenfalls kein Problem dar. Die Mutter kann stillen, sobald sie nach der Narkose in der Lage ist, ihr Kind sicher zu halten. Dann sind in der Regel auch keine Narkotika mehr im Blut der Mutter enthalten und somit ist es auch für die Muttermilch unproblematisch. - Frühchen benötigen Spezialnahrung
„Dies ist faktisch falsch, das erleben wir täglich auf unserer Frühchenstation. Ab dem Zeitpunkt, an dem die Frühgeborenen Saugen, Schlucken und Atmen koordinieren können, unternehmen wir die ersten Stillversuche. Die Muttermilch ist auch bei Frühchen speziell auf die Bedürfnisse des Babys abgestimmt, die sogenannte Prätermilch enthält in der Regel mehr Fette und spezielle Nährstoffe, die die Entwicklung gezielt unterstützen. Gerade für Frühgeborene ist es daher besonders wichtig, Muttermilch zu erhalten“, weiß Stephanie Kunzmann, Stillspezialistin der Kinderklinik. - Zwischen den Stillmahlzeiten sollte ein Abstand von zwei bis drei Stunden liegen
Letztendlich ist dies eine willkürliche Festlegung. Jedes Kind ist individuell und empfindet dementsprechend in ganz unterschiedlichen Abständen das Bedürfnis, gestillt zu werden. - Kleine Brüste geben weniger Milch
Die Größe der Brust ist völligunabhängig vom Drüsengewebe. Eine große Brust hat anteilig mehr Fettgewebe in der Brust, ihr Drüsengewebe unterscheidet sich aber nahezu nicht von dem einer Frau mit kleinerer Brust. Auch die Milchdrüsen kleiner Brüste können daher ausreichend Milch bilden.

