Hoch hinaus: Dr. Kai Siedler, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin, ermutigt eine „Fit mit PAT“-Teilnehmerin, über ihren Schatten zu springen und weiter zu klettern. Foto: Schwara/Helios Klinikum Pforzheim
Pforzheim
Fachleute registrieren mehr übergewichtige Kinder durch Corona in Pforzheim
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Pforzheim. Corona macht dick: Durch Kindergarten- und Schulschließungen, Kontaktbeschränkungen und entfallende Freizeitangebote fehlte vielen Kindern- und Jugendlichen eine feste Alltagsstruktur und ein gesundes Sozialleben. Freunde treffen und sportliche Aktivitäten wurden in der Pandemie ersetzt durch Medienkonsum.

Bewegungsmangel und soziale Vereinsamung waren die Folge. Manche Eltern waren zudem mit der Doppelbelastung – Kinderbetreuung im Homeoffice – überfordert. Ungesunde Fertiggerichte wurden zur Regel. „Kinder sind die Leidtragenden der Pandemie. Sie übernehmen die schlechten Angewohnheiten, werden träge und nehmen dadurch an Gewicht zu“, heißt es in einer Pressemitteilung des Helios Klinikums Pforzheim, das seit zwölf Jahren Schulungsmaßnahmen für übergewichtige Kinder anbietet. Denn Helios zufolge hat eine Studie des RKI zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat ergeben, dass zwei Millionen Kinder in Deutschland übergewichtig sind, immerhin 20 Prozent der Kinder. Während der Corona-Pandemie ist der Anteil übergewichtiger Kinder weiter gestiegen. Kinder mit Übergewicht haben jedoch laut Helios ein hohes Risiko für eine Adipositas im Erwachsenenalter, verbunden mit chronischen Erkrankungen, vermehrtem Diabetes-Typ-2, Herzproblemen, eingeschränkter Lebensqualität und nachweisbar geringerer Lebenserwartung. „Deshalb sollten Eltern, die eine auffällige Gewichtszunahmen ihrer Kinder beobachten, unbedingt handeln“, betont Dr. Kai Siedler, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Helios Klinikum Pforzheim. Bei Kindern spricht man ab einem Body-Maß-Index (BMI) von 25 bis 29,9 von Übergewicht, ab 30 von Adipositas. Alternativ gibt es im Internet verschiedene BMI-Rechner. Für übergewichtige und adipöse junge Heranwachsende von acht bis 16 Jahren und deren Eltern bietet das Helios Klinikum Pforzheim den Kurs „Fit mit PAT“ an. Durch Schulung, Beratung und Training unterstützt ein zertifiziertes Team aus Ärzten, Ernährungsfachkräften, Psychologen sowie Sport- und Physiotherapeuten die Familien dabei, ihren Lebensstil langfristig und nachhaltig zu verändern. Das Team stellt Grundlagen ausgewogener Ernährung vor und zeigt, worauf es beim Einkaufen und Zubereiten der Mahlzeiten ankommt. Ziel ist jedoch nicht nur die Ernährung umzustellen, sondern auch das Bewegungsverhalten zu verändern. Ein aktiver Alltag ist dabei genauso wichtig wie ein regelmäßiges Sportprogramm. Zudem sollen sowohl die Persönlichkeit als auch Selbstwertgefühl der Kinder gestärkt werden. Den letzten Kurs haben alle elf teilnehmenden Kinder erfolgreich abgeschlossen. Ein besonderes Highlight zum Abschluss war der Besuch im Kletterpark. „Das Klettern macht den Kindern Spaß, kostet sie aber sichtlich Überwindung. Aber die Kinder motivieren sich gegenseitig. Diese Gruppendynamik ist der höchste Gewinn. Davon profitieren Eltern und Kinder am meisten“, erzählt Ulrike Germer, zertifizierte Adipositas-Trainerin am Helios Klinikum Pforzheim. Genau dieser Kontakt zu Freunden sowie der Spaß an Bewegung ist bei vielen Kindern- und Jugendlichen während der vielen Lockdowns verloren gegangen. Deshalb hat sich das Helios Klinikum Pforzheim dazu entschlossen, das Kursprogramm „Fit mit PAT“, trotz steigender Infektionszahlen, mit bestimmten Abstands- und Hygienemaßnahmen anzubieten.

Der nächste Kurs startet im Oktober, Anmeldungen sind noch möglich.