Pforzheim/St. Sigmund. Seit dem Wochenende weht die Fahne der Stadt Pforzheim wieder hoch oben in den Tiroler Alpen: Eine kleine Gruppe unter Führung von Baubürgermeister Tobias Volle brachte die Stadtfahne gemeinsam mit Bruno Kohl, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Sektion Pforzheim des Deutschen Alpenvereins (DAV), zur auf 2308 Metern gelegenen Pforzheimer Hütte im Sellrain in Tirol. Am Sonntagmorgen wurde dort die Fahne des Deutschen Alpenvereins eingeholt und die Pforzheimer Fahne gehisst.
„Die Pforzheimer Hütte trägt den Namen unserer Stadt seit nunmehr einem Jahrhundert weit über die Stadtgrenzen hinaus. Deshalb war es für uns etwas ganz Besonderes, im Jubiläumsjahr die Pforzheimer Fahne auf 2308 Metern Höhe zu bringen und dort zu hissen. Die Hütte ist ein beeindruckendes Stück Pforzheimer Geschichte inmitten der Tiroler Bergwelt – und zugleich ein sichtbares Zeichen, was ehrenamtliches Engagement über Generationen hinweg schaffen und bewahren kann“, so Bürgermeister Volle.

Die Verbindung zwischen Pforzheim und den Alpen reicht weit zurück. Schon 1891 wurde die Sektion Pforzheim des Deutschen Alpenvereins gegründet. Nachdem die erste Pforzheimer Hütte am Schlinigpass infolge des Ersten Weltkriegs verlorengegangen war, suchte die Sektion einen neuen Standort. In den Jahren 1925 und 1926 entstand schließlich hoch über dem Gleirschtal die heutige Pforzheimer Hütte, die den Beinamen Adolf-Witzenmann-Haus trägt. Am 5. September 1926 wurde das neue Berghaus feierlich eingeweiht. Damit besteht die Hütte nun seit 100 Jahren.

Auf Mountainbikes gewechselt
Für die Pforzheimer Gruppe führte die Tour am Samstag von Pforzheim aus zunächst über den Fernpass nach St. Sigmund im Sellrain. Dort wechselte man auf Mountainbikes und legte 6,5 Kilometer durch das Gleirschtal zurück. Bis zur Materialseilbahn waren dabei etwa 600 Höhenmeter zu überwinden. Die Fahrräder blieben dann an der Talstation zurück, bevor die letzten 200 Höhenmeter zu Fuß bis zur Pforzheimer Hütte bewältigt wurden. Dort empfing Bruno Kohl vom DAV Pforzheim die Bergwanderer. Für die Bewirtung sorgte das Hüttenteam um Nora und Sara, das die Pforzheimer Gäste während ihres Aufenthalts bestens versorgte.

Neben Geschichte und Lage der Hütte stand auch ein Blick hinter die Kulissen auf dem Programm. Bruno Kohl führte die Delegation durch die Haustechnik und erläuterte die moderne Energie- und Abwasserinfrastruktur. Die Sektion Pforzheim hat in den vergangenen Jahren nahezu eine Million Euro investiert, um die Hütte möglichst autark zu betreiben.
Zum technischen Konzept gehören unter anderem Wasserkraft, Photovoltaik, Batteriespeicher, ein mit Pflanzenöl betriebenes Blockheizkraftwerk sowie eine biologische Kläranlage. „Eine Berghütte auf 2308 Metern zuverlässig und möglichst nachhaltig zu betreiben, ist technisch eine besondere Herausforderung. Mit unserem Energiemix und der modernen Abwassertechnik haben wir dafür aber eine sehr gute Lösung gefunden“, erläuterte Kohl.
Der symbolische Höhepunkt des Besuchs folgte am Sonntagmorgen, als kurz nach Sonnenaufgang zunächst die bis dato gehisste DAV-Fahne eingeholt und durch die Fahne der Stadt Pforzheim ersetzt wurde. Musikalisch umrahmt wurde der besondere Moment durch das Tiroler Lied und das Badnerlied. „Mitten in den Tiroler Bergen die Stadtfahne über der Pforzheimer Hütte wehen zu sehen, schafft eine ganz unmittelbare Verbindung zu diesem speziellen Ort“, betonte Volle.
Anschließend stand eine Wanderung zum 2829 Meter hohen Samerschlag auf dem Programm, der als Hausberg der Pforzheimer Hütte gilt und dessen Gipfelkreuz von der Hütte aus sichtbar ist. Die Tour führte zunächst entlang des Walfesbachs in Richtung Walfestal und weiter zum Gleirschjöchl. Über die Nordflanke des Samerschlags ging es anschließend in Serpentinen bergauf. Die letzten Meter zum Gipfel führten über einen schmalen Pfad und eine Rinne mit leichter Kletterei.
Danach folgte der Abstieg von der Pforzheimer Hütte, die in der Sommersaison wohl noch bis zum 20. September geöffnet ist, zurück nach St. Sigmund. Vom 4. bis 6. September feiert die DAV-Sektion Pforzheim das 100-jährige Bestehen der Hütte mit einem großen Jubiläumsfest.

