Der ehemalige Leiter des Puppentheater Aistjonok Andrej Kalinitschenko und die Vorsitzende der Russisch-Deutsche- Gesellschaft Irkutsk Oxana Sobol (rechts). Foto: Sobol
Der Kinderarzt Jurij Kozlov ist an seinem Arbeitsplatz, der Intensiv-Station für Neugeborene im Klinikum in Irkutsk. Foto: Sobol
Pforzheim
Freunde Pforzheims in Irkutsk mit Ehrenwürde ausgezeichnet
  • Katharina Leicht für die Deutsch-Russische-Gesellschaft Pforzheim-Enzkreis

Pforzheim/Irkutsk. Sie beide waren schon in Pforzheim, einer von ihnen legte den Grundstein für die Partnerschaft zwischen der Goldstadt und dem sibirischen Irkutusk: Der international renommierte Chirurg Jurij Kozlov und Künstler Andrej Kalinitschenko sind als Ehrenbürger des Oblast Irkutsk geehrt worden. Die Einweihung des Pforzheim-Platzes muss indes coronabedingt verschoben werden.

Eigentlich sollte heute die Skulptur „Inspiration“ des Künstlers René Dantes auf dem neuen Pforzheim-Platz in Irkutsk eingeweiht werden. Doch auch diese gehört zu den vielen Feiern, die in diesem Jahr wegen der Pandemie verschoben werden müssen. Voran geht es dennoch: „Die Neugestaltung zu einem schönen Platz ist bald fertig. Jeden Tag können die Bürger große Veränderungen feststellen“, berichtet Oksana Sobol als Vorsitzende der Russisch-Deutschen-Gesellschaft Irkutsk. Sie hoffe sehr, dass im nächsten Jahr mit alten und neuen Freunden aus Pforzheim der Platz eingeweiht werden kann.

Zu den alten Freunden zählen auch zwei Männer, die kürzlich vom Gouverneur die Ehrenbürgerwürde des Oblasts Irkutsk erhalten haben: der Kinderarzt Jurij Kozlov und der ehemalige Direktor des Puppentheaters „Aistjonok“, Andrej Kalinitschenko. Beide wurden für ihr Wirken, das zur vielseitigen Entwicklung der Region und zu ihrem internationalen Ansehen beitrug, gewürdigt. Das Puppentheater war vor 31 Jahren der erste offizielle Besuch aus Irkutsk in Pforzheim. Mit der Inszenierung des Märchens „Mascha und der Bär“ legte es den Grundstein für viele persönliche Freundschaften und für die Partnerschaft mit der Marionettenbühne „Mottenkäfig“. Mehrere Male kamen in den folgenden Jahren die Irkutsker Puppenspielerinnen nach Pforzheim und das Mottenkäfig-Ensemble zeigte in Irkutsk seine Inszenierungen. Letzten Endes setzten diese beiden Ensembles mit ihren Leitern Kalinitschenko und Wolfgang Bürger den Auftakt für die Städtepartnerschaft.

Kozlov, der Direktor der Station für Säuglings-Chirurgie wurde ausgezeichnet für seine Entwicklung innovativer Methoden auf dem Gebiet der mikroinvasiven Operationen bei Neugeborenen und sogar bei Babys im Mutterleib. Ihm gelingt es, bei Leistenbruch-Operationen bei Babys die bisher übliche Dauer von 20 Minuten auf ein bis zwei Minuten zu verkürzen. In ganz Russland ist er unterwegs, wenn es darum geht, den Säuglingen den Weg nach Irkutsk zu ersparen – von Jekaterinburg am Ural, wo er im Mutterleib beim Fötus den offenen Rücken erfolgreich operierte bis nach Sachalin am Pazifik. Während des Lockdowns leitete der internationale Spezialist aus der Ferne seine Kollegen bei einer Operation an. Auch Jahre später dnekt Kozlov gerne an die Tage in Pforzheim vor 15 Jahren zurück, als er dort im Krankenhaus hospitierte.

Corona und Erdbeben

Auch in Irkutsk steigt die Zahl mit Corona Infizierten um täglich mehr als 100 Fälle. Die Geschäfte sind jedoch geöffnet, wobei Masken, soziale Distanz und Händewaschen obligatorisch sind.

Im wahrsten Sinn des Wortes erschüttert wurden die Bewohner von Pforzheims russischer Partnerstadt in der Nacht zum 22. September von einem schweren Erdbeben am Baikalsee, das im Epizentrum einen Wert von 8 auf der internationalen Skala erreichte. In Irkutsk war das Beben mit einem Wer von sechs das stärkste seit zwölf Jahren, wobei die Naturgewalt einiges an Sachschäden anrichtete Nach 20 Minuten gab es sogar noch ein zweites, jedoch etwas schwächeres Erdbeben – verletzt wurde niemand.