Pforzheim. Gabriele Krone-Schmalz hat mit ihrem Vortrag im Studium Generale für enormen Andrang gesorgt. Hochkonzentriert verfolgten die Zuhörer die Ausführungen der bekannten Journalistin und Publizistin zum Thema „Russland und der Westen“.
Professorin Christa Wehner stellte den Werdegang von Krone-Schmalz vor. Nach dem Studium der Osteuropäischen, Mittleren und Neueren Geschichte, Slawistik und Politischen Wissenschaften wurde sie in Geschichte und politischen Wissenschaften promoviert. Danach arbeitete Gabriele Krone-Schmalz für Hörfunk- und Fernsehen und kam so auch in den Jahren 1987 bis 1991 als Korrespondentin der ARD nach Moskau. Im Dezember 2000 wurde sie Mitglied des Lenkungsausschusses im Petersburger Dialog. Seit 2011 ist sie Professorin für Fernsehen und Journalistik in Iserlohn. Krone-Schmalz ist mehrfach mit dem Grimme Preis ausgezeichnet worden und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes.
Wehner wies auch auf das Markenzeichen der Rednerin hin – ihr unverwechselbarer Haarschnitt, bei dem schon seit Jahrzehnten ihr Mann die Schere führt. „Mit einem anderen Schnitt würde ich mich im Spiegel wahrscheinlich gar nicht mehr erkennen“, sagte Krone-Schmalz schmunzelnd. Sie stieg sofort ins Thema ein und legte dabei den Zuhörern die unterschiedlichen Sichtweisen aus russischer und aus westlicher Sicht dar. „Was ist denn die Wahrheit, und gibt es die überhaupt?“, stellte sie in den Raum. „Eher nicht“, beantwortete sie die Frage selbst. „Es ist alles eine Sache der Wahrnehmung.“
Das führte sie anhand der Berichterstattung über ein Treffen von Merkel und Putin 2006 vor Augen. Während das ZDF betretene Mienen zeigte, habe die ARD von einer entspannten Atmosphäre berichtet. „Gelogen haben beide nicht“, stellte sie fest. Unterschiedliche Wahrnehmungen machte sie auch beim Thema Krim aus. Während der Westen sage, Russland habe die Krim annektiert, sehe dies Russland ganz anders. „Völkerrechtlich war das eine Abspaltung, die durch das Referendum legalisiert wurde“, so Krone-Schmalz. Beim Thema Blickwinkel streifte sie auch das Verhältnis zu Amerika. „Das Hauptziel der USA ist schon seit 100 Jahren, ein Bündnis zwischen Deutschland und Russland sowie ein vereinigtes Eurasien zu verhindern“, sagte die Journalistin. Eine prosperierende Zusammenarbeit zwischen Russland und der EU sei sicher nicht im amerikanischen Interesse. Hierzu verwies sie auf die Sanktionen gegen Russland, die auch der EU schaden, nicht jedoch der USA. Sie hielt es in diesem Zusammenhang nicht für legitim, demokratische Deckmäntelchen umzuhängen, um Interessen zu verschleiern.
„Sanktionen verschärfen die Lage, weil sich niemand überlegt hat, wie man aus der Nummer ohne Gesichtsverlust wieder rauskommt“, sagte die Referentin. Krone Schmalz sprach sich mehrfach dafür aus, den Dialog zu suchen. „Wenn Menschen direkt miteinander zu tun haben, haben sie die Chance, sich gegenseitig kennenzulernen“, sagte sie und sah dies auch als solide Basis, um Frieden zu erhalten. Jugendaustausch bezeichnete sie deshalb auch als „Impfung gegen Borniertheit“. Im Anschuss an ihren Vortrag beantwortete Krone-Schmalz auch einige Fragen der Zuhörer. Danach erfüllte sie noch Signierwünsche.

