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Kurz nicht aufgepasst, schon landen einige K.o.-Tropfen im Glas der ahnungslosen jungen Frau.  Scheidemann
Kurz nicht aufgepasst, schon landen einige K.o.-Tropfen im Glas der ahnungslosen jungen Frau. Scheidemann
15.01.2016

Gefahr im Glas: Wurde junge Frau in Pforzheim Opfer von K.o.-Tropfen?

Pforzheim. Wurden einer jungen Frau in Pforzheim K.o.-Tropfen verabreicht? Dies befürchtet deren Mutter, die die junge Frau an dem fraglichen Abend auf einer Feier begleitet hatte. Zwar haben Polizei und Krankenhäusern noch keinen Anstieg der Fälle registriert. Doch aus Scham und wegen der Schwierigkeit, die Substanzen nachzuweisen, suchen sich nur die wenigsten Opfer Hilfe. Dass die Gefahr real ist, zeigte vor einer Woche ein Fall im Landkreis Tübingen.

Dort wurden nach einer Faschingsparty K.o.-Tropfen im Blut zweier Frauen nachgewiesen. Und in Wuppertal besteht ein entsprechender Verdacht bei einer vergewaltigten 16-Jährigen. Als K.o.-Tropfen werden viele verschiedenen Substanzen bezeichnet. Meist sind es farb- und geruchslose Narkose- und Beruhigungsmittel oder Partydrogen. Besonders häufig wird Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB) – besser bekannt als „Liquid Ecstasy – eingesetzt. Besitz, Kauf, Abgabe und Verabreichung von GHB ist strafbar. Die Verabreichung gilt als gefährliche Körperverletzung, bei sexuellem Missbrauch widerstandsunfähiger Personen drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Doch: Angezeigt werden Verdachtsfälle fast nie. „Uns ist kein einziger Fall in den letzten Monaten bekannt“, sagt Dieter Werner, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe. Monika Bulin, Sozialarbeiterin des Aachener Frauennotrufs, der bis Herbst 2015 in einer deutschlandweiten Kampagne vor den Tropfen warnte, sieht dafür zwei Gründe: Scham und fehlende Beweise. „Der Nachweis ist meist nur sechs bis sieben Stunden nach der Einnahme im Blut und maximal zwölf Stunden im Urin möglich“, sagt sie.„Bei K.o.-Tropfen ist die Scham oft noch größer, weil diese die Betroffenen zunächst hyperaktiv und kontaktfreudig werden lassen.“ Das heißt: Sie tanzen ausgelassen, werfen sich Menschen an den Hals – kriegen davon aber nichts mit und können sich später allenfalls bruchstückhaft erinnern. Dies bestätigt die Polizeiliche Kriminalprävention: „10 bis 20 Minuten nach der Einnahme beginnt die Wirkung, die bis zu vier Stunden, zum Teil auch erheblich länger anhält“, heißt es dort. Dabei verlangsamten die Stoffe Aktivitäten des Gehirns und des zentralen Nervensystems: „Nach anfänglicher Euphorie folgen Übelkeit, Schwindel und plötzliche Schläfrigkeit“, so die Polizei, die jedes Jahr zur Faschingszeit vor K.o.-Tropfen warnt – und den Veranstaltern im Netz unter pzlink.de/ko Warn-Plakate anbietet.

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