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Von Schirm bis Smartphone: Unter den Fundsachen, die Mitarbeiter Patrick Paré hier zeigt, ist alles, was man verlieren kann. Foto: Seibel
Von Schirm bis Smartphone: Unter den Fundsachen, die Mitarbeiter Patrick Paré hier zeigt, ist alles, was man verlieren kann. Foto: Seibel
Der Verkauf von Gegenständen nach der sechsmonatigen Frist im Fundbüro ist  Vergangenheit. Künftig geht Verwertbares an die GBE.   Foto: Seibel
Der Verkauf von Gegenständen nach der sechsmonatigen Frist im Fundbüro ist Vergangenheit. Künftig geht Verwertbares an die GBE. Foto: Seibel
03.01.2016

Gesucht – gefunden: GBE kooperiert mit Fundbüro

Alles, worüber ehrliche Finder in Pforzheim stolpern, landet im Fundbüro. Sechs Monate lang wartet dort alles auf seinen Besitzer. Was dann folgt, ist eine Neuerung. Inzwischen sind die flohmarktähnlichen Verkäufe passé, bei denen die verschollenen Habseligkeiten angeboten wurden. „Das war ein beträchtlicher Aufwand“, gibt der städtische Pressesprecher Michael Strohmayer als Erklärung. „Und der Erlös war ziemlich gering.“ Mit der Änderung entfalle eine große Belastung für die Mitarbeiter, sagt die zuständige Sachgebietsleiterin Catherine Veil. Nun geht Verwertbares an die Gesellschaft für Beschäftigung und berufliche Eingliederung Pforzheim (GBE).

Die Tochtergesellschaft der Stadt bietet sie im Second-Hand-Palast in der Zeppelinstraße an – solange keine datenrechtlichen Bedenken dagegenstehen. Auch die Diakonie sei eine Anlaufstelle, wenn passende Fundsachen vorlägen, die sich etwa in der Flüchtlingsarbeit verwenden ließen.

Geringe Erfolgsquote

Dass sich die Frage nach dem weiteren Prozedere überhaupt stellt, hat mit der vergleichsweise niedrigen Erfolgsquote zu tun. „Wir sind sehr daran interessier, dass die Funde zu ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgelangen, und nehmen Kontakt auf, wenn dies irgendwie möglich ist.“ Doch sie habe leider die Erfahrung gemacht, „dass die Überschneidung zwischen dem, was gesucht, und dem, was abgegeben wird, nicht sehr groß ist“, sagt Veil. Abgegeben wird viel – und muss es auch werden. Ab einem Wert von zehn Euro sind Finder verpflichtet, den Fund zur Verfügung zu stellen, etwa beim Bürgercentrum im Neuen Rathaus. „Andernfalls begeht man Fundunterschlagung. Das ist eine Straftat“, sagt Veil. Zehn Fundsachen pro Woche seien nicht ungewöhnlich.

Vorsicht, Trickbetrüger!

Nicht nur die Gegenstände, die bei Veil und Kollegen landen, erzählen allerlei Geschichten, auch die Mitarbeiter selbst können einiges berichten – auch Unerfreuliches. Denn nicht jeder, der sich als Besitzer ausgibt, ist es auch. „Es kommt vor, dass Trickbetrüger Menschen auf der Straße ansprechen, ihnen gegen 20 Euro einen angeblich gefundenen Ring mitgeben und sie zu uns schicken.“ Die Ringe, die dabei Verwendung finden, sind selbstverständlich nicht echt. Das Geld ist weg, und für den Übeltäter besteht kaum ein Risiko, geschnappt zu werden. Doch solche Fälschungen fliegen auf, das Fundbüro arbeitet mit Experten zusammen.

Ohnehin geben die Mitarbeiter nicht einfach Gegenstände aus. Wer sich nach einem abhanden gekommenen Smartphone oder Ähnlichem erkundigt, sollte etwa die Pin-Nummer kennen. „Wir schauen sehr genau hin“, sagt Veil, die sich noch gut an ihr kuriosestes Fundstück erinnern kann: ein blutverschmiertes Messer. Auch die Tatwaffe landete im Fundbüro – allerdings erst, nachdem die Ermittlungen abgeschlossen waren.