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Glitzer-Schnitzel, das mit 24-karätigem Blattgold überzogen ist. Foto: dpa
Glitzer-Schnitzel, das mit 24-karätigem Blattgold überzogen ist. Foto: dpa
Fußballspieler Franck Ribéry
Fußballspieler Franck Ribéry
Kochbuchautor Sebastian Lege
Kochbuchautor Sebastian Lege
Linke Sahra Wagenknecht
Linke Sahra Wagenknecht
Sozialdemokrat Peer Steinbrück
Sozialdemokrat Peer Steinbrück
09.01.2019

Goldene Geschmacksfragen: Doch Ribéry ist nicht der erste Promi, der so stolpert

Berlin/Pforzheim. Das vergoldete Steak des Star-Fußballers Franck Ribéry ist seit Tagen für viele ein Aufreger. Dabei hat das Überziehen von Lebensmitteln mit Gold Tradition in Europa. „Blattgold gab es schon immer in der kulinarischen Geschichte“, sagt Fernsehkoch Sebastian Lege („Gekauft, gekocht, gewonnen“).

„Gerade die Königshäuser haben sich damit ihr Essen visuell aufwerten lassen, um bei ihrem Gefolge oder Grafen oder Königskollegen Eindruck zu schinden. Um zu sagen: ,Schaut doch mal her – ich trage nicht nur Gold am Körper, sondern ich esse es auch’“, sagt Lege. Das Problem ist also offensichtlich weniger die vermeintliche Delikatesse – eher die Haltung dahinter. Wer so etwas im 21. Jahrhundert ordert, will sich von der Masse abheben, wie Küchenchef Lege erläutert. Nach dem Motto: „Schaut doch mal her, was kann ich mir denn Tolles leisten!“

Hummer reicht schon

Es ist die gefühlte Protzerei, die Ferne zum Normalbürger, die die Öffentlichkeit ihrer politischen und sportlichen Elite besonders übel nimmt. Dabei kann auch schon viel günstigere Feinkost zu Debatten führen. Man denke etwa an die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht. Ausgerechnet die Verfechterin des kommunistischen Flügels sieht sich 2007 wegen eines luxuriösen Hummer-Essens in Erklärungsnot.

Also Wasser gepredigt und Wein getrunken? Im Jahr 2012 gerät auch der damalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wegen seines Geschmacks in die Kritik. Die „Bild“-Zeitung zitiert ihn mit einer Antwort auf die Frage, ob nicht eine Erhöhung des Kindergeldes nötig wäre, damals mit den Worten: „Schon zehn Euro Erhöhung würden den Staat eine Milliarde kosten. Und man weiß dann auch nicht, wo das Geld hingeht.“ Ohnehin reichten diese zehn Euro ohnehin nur für „zwei Schachteln Zigaretten, zweieinhalb Bier oder zwei Pinot Grigio“. Steinbrück habe noch präzisiert: „Also zwei Gläser Pinot Grigio, denn eine Flasche, die nur fünf Euro kostet, würde ich nicht kaufen.“ Nicht nur viele sparsame Weißweintrinker sind daraufhin sauer, auch viele Winzer. Von den Kindergeld-Empfängern mal ganz zu schweigen. Im Jahr 2017 tappt erneut ein SPD-Spitzenkandidat in die Delikatessen-Falle. Diesmal muss sich Martin Schulz rechtfertigen – für seine Leidenschaft für Gänsestopfleber. „Tierquälerei“ schimpft ein SPD-Anhänger. Medien greifen dies auf.

Unnütze Angeberei

Zurück zum Fall Ribéry: Köchin Sarah Wiener hält es für unnütze Angeberei, ein Steak mit Blattgold zu verzieren. „Es ist keine Luxusküche. Es ist eine dekadente Schwachsinnsküche.“

Koch-Kollege Alfons Schuhbeck nimmt Ribéry ein wenig vor in Schutz: „Als Koch des FC Bayern München kann ich zu Franck Ribérys Essverhalten nur sagen, dass er keinerlei merkwürdige Vorlieben hat.“ Aber auch Schuhbeck vermag Glitzerndem auf dem Essen wenig abzugewinnen: „Blattgold in der Küche hat nichts mit kulinarischem Mehrwert oder gutem Geschmack, sondern nur mit schillernden Vorlieben der „Bling-Bling“-Gesellschaft zu tun.“

Nur in der Glitzerwelt

Deshalb gibt es laut Schuhbeck vergoldete Tomahawk-Steaks wie jetzt bei Ribéry nicht in Sterne-Restaurants von München, Paris oder Barcelona, „sondern an extravaganten Schauplätzen der Glitzerwelt. In unseren Breitengraden wird Gold als zugelassene Lebensmittelfarbe mit der Nummer E 175 nach meinem Wissen nur noch zum Überziehen oder Dekorieren von Süßigkeiten und aufgebrezelten Wurstwaren verwendet.“ Schuhbeck kennt also den „Goldstadt-Sekt“ sowie andere Souvenirs aus Pforzheim nicht, die auch Blattgold beinhalten. Und seit Schließung des Lokals „Currygold“ auf der Wilferdinger Höhe vor Jahren, wo die Speise mit Blattgold serviert wurde, müssen Liebhaber der Goldwurst nach Düsseldorf, Hamburg oder Berlin ausweichen.