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Hoffen auf ein Wiedersehen … Wem dieser Grabstein wohl einmal gehört hat?
Hoffen auf ein Wiedersehen … Wem dieser Grabstein wohl einmal gehört hat? © Frei
30.08.2013

Grabstein in Mauer auf Hauptfriedhof eingebaut

Pforzheim. Besonders aufmerksamen Besuchern des Hauptfriedhofs in Pforzheim ist es vielleicht schon einmal aufgefallen: An einer kleinen Mauer am Nebeneingang oberhalb der Bernhardstraße befindet sich eine Inschrift –¨von einem Grabstein.

Wenn Thomas Küntzler, der Leiter der archäologischen Grabungen auf dem Rathausparkplatz, davon spricht, dass er eine interessante „Spolie“ entdeckt habe, mag er bei seinem unbefangenen Zuhörer sicher oftmals die Frage hören: „Spolie“, was ist das? Eigentlich auf das lateinische „spolium“ zurückgehend, was „Beute, Raub, dem Feind Abgenommenes“ bedeutet, sind es im Falle der Ausgrabungen Steine von Vorgängerbauten, die nach Abriss und Wiederaufbau für ein neues Haus oder auch an anderer Stelle wieder verwendet wurden – beispielsweise auch Teile einer Türbogen-Inschrift, die so in einem späteren Mauerwerk wieder auftaucht.

Ein solcher Fund wurde in dieser Woche aus Schorndorf gemeldet. Beim Buddeln auf seinem Grundstück war ein Gärtlesbesitzer auf einen Stein gestoßen, der als Treppenabsatz für eine Gerätehütte diente. Als er ihn herumdrehte, entdeckte er eine eingemeißelte Inschrift: Es ist der Grabstein von Johannes Daimler (1832– 1921), Gottliebs ältester Bruder. Neben dem Geburtshaus der Brüder, das vor Jahren beinahe einer Flächensanierung hätte weichen müssen, ist es bisher die einzige Daimler-Spur in der Stadt des Kraftfahrzeug-Konstrukteurs und damaligen Konkurrenten von Carl Benz beim Erfinder-Wettstreit.

Wer wachen Auges über den Pforzheimer Hauptfriedhof geht, kann auf der Ostseite, am Seiteneingang über der Bernhardstraße, ebenfalls ein Spolie in einem kleinen Mauerwerk entdecken. Auch hier war offensichtlich der Teil eines Grabsteins mit verwendet worden, wie die etwas verwitterte Inschrift unschwer erkennen lässt. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich weitere Hinweise auf frühere Grabmale auf nicht sichtbaren Stellen der hier verarbeiteten Sandsteine befinden.