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Claus Kuge arbeitete auch seit 2001 die Geschichte der Löblichen auf.  Foto: Privat 

Große Trauer um Claus Kuge - Obermeister der Löblichen Singer gestorben

Pforzheim. Im Alter von 71 Jahren ist Claus Kuge, der langjährige Obermeister der Löblichen Singergesellschaft, einem Herzleiden erlegen. Weggefährten würdigen Kuges Klugheit und Liebe zu seiner Wahlheimat Pforzheim.

Wer auch immer erfuhr, dass Claus Kuge am Sonntag im Alter von 71 Jahren gestorben ist, der konnte es kaum glauben. Man habe doch erst kürzlich noch miteinander gesprochen, so lautete regelmäßig die Reaktion. Sie besagt zweierlei: Wie überraschend es trotz eines Infarkts vor einigen Jahren kam, dass das Herz nicht mehr mitmachte beim langjährigen Obermeister (seit 2004) der Löblichen Singergesellschaft. Und mit wie vielen Menschen er im Gespräch, in Kontakt war – Claus Kuge, der gelernte Journalist, später angestellte Werbeleiter und seit über 40 Jahren Inhaber einer Agentur, lebte Kommunikation.

Als Worte wie „vernetzt“ und „Netzwerken“ erfunden wurden, hätte er Pate stehen können dafür – und dann auch wieder nicht, denn während Netzwerken nach heutigem Verständnis etwas Beliebiges hat, gehörte bei Kuge Haltung dazu. Vor zwei Wochen erst war Kuge der SPD beigetreten. Er hätte sich nicht für jedermann ins Zeug gelegt, aber große Namen sind dabei. Zu seinen Kunden zählten L’Oreal, Birkel Nudeln, Klingel, Salamander, Südzucker, der Deutsche Uhrenverband, Pierre Cardin und Rowi, um nur einige zu nennen, auch viele Pforzheimer Betriebe und Institutionen, zuletzt häufig der Politikbetrieb. Ein reger, umtriebiger Geist half ihm dabei, dazu profundeste kulturelle, historische und politische Bildung – und eben persönliche Kenntnis vieler, die etwas bewegten.

Fähig auch zum Konflikt

Der gebürtige Kornwestheimer hatte 1970 die Stadt zu seiner Heimat gemacht, an der er wie viele Zugezogene oft mehr als die gebürtigen Pforzheimer mit großer Zuneigung hing und für die er sich intensiv engagierte, mit vielfachen Veranstaltungen, Lesungen, Führungen zu zahlreichen Epochen der Stadtgeschichte, jüngerer wie älterer, und etwa auch mit der Förderung des Stadtarchivs. Große Trauer herrscht bei den Löblichen, 1501 aus der Bestattung der Pesttoten entstanden und seit vielen Jahren der Wohlfahrt und Heimatpflege verpflichtet: „Claus Kuge war ein guter, verlässlicher Freund, der aber auch Konflikte austragen und aushalten konnte“, formuliert Christoph Mährlein, der andere Obermeister der Löblichen, im Nachruf auf den Partner in der Doppelspitze. „Für die Löbliche Singergesellschaft ist sein Weggang eine große Herausforderung.“ Mit ihm geht der Motor, Organisator und Gestalter vieler Aktivitäten. „So wie er aus dem vollen Leben geholt wurde, wird die Lücke, die er zurücklässt, schmerzlich sein. Wir trauern um einen wichtigen Menschen.“

Erschüttert zeigt sich OB Peter Boch angesichts der Nachricht von Claus Kuges Tod. Zum einen wisse er, wie gut dieser die Löblichen Singer geleitet habe. Zum zweiten: „Claus Kuge war ein politisch denkender Kopf, mit dem man sich gerne ausgetauscht hat.“ Erst vor wenigen Tagen habe er mit Kuge gesprochen, sie hätten dabei gemeinsame Vorhaben ins Auge gefasst, berichtet Boch. „Mein Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen.“ Bochs Vorgänger Gert Hager blickt auf viele Jahre persönlicher Verbundenheit mit dem Verstorbenen zurück. Kuge habe sich stets in großer Heimatliebe dafür eingesetzt, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verbinden. „Ich selbst verliere einen treuen Weggefährten“, sagt Hager. „In Gedanken sind wir alle bei seiner Familie.“

„Toller Mensch, toller Mann“

Der Vater zweier erwachsener Kinder hatte mit Mitte 60 wieder das Glück einer Beziehung gefunden. „Ich bin für jede Sekunde mit ihm dankbar“, sagt seine Lebensgefährtin Rosa Zimmermann.„Es waren wunderschöne fünf Jahre, ob bei der Arbeit oder im Urlaub.“ Claus Kuge sei ein toller Mensch und ein toller Mann gewesen, interessant, hochgebildet und mit vielen Talenten versehen. „Er war so stolz auf sein Haus, seinen Garten, das gemeinsame Leben. Wir waren einfach glücklich.“ Er habe das Dasein genossen und geliebt, habe sehr intensiv gelebt, bis zum letzten Tag. „Er hat sich mit einem Lächeln von mir verabschiedet.“

Christoph Mährlein, auch er ein Zugezogener, der sich für Pforzheim engagiert, war mit Kuges Partnerin und den Kindern bis zum Schluss im Krankenhaus an der Seite des Freundes und Weggefährten, nachdem das Herz infolge eines Infarkts am Freitag schwächer und schwächer wurde und am Sonntag im Krankenhaus aufhörte zu schlagen. Er sei friedlich gestorben, sagt Mährlein. „Ich kann es noch gar nicht glauben, dass er tot ist.“ So vieles gelte es jetzt deshalb zu tun und vorzubereiten. „Ich denke die ganze Zeit, dazu muss ich jetzt Claus Kuge anrufen und es mit ihm besprechen.“ Aber er ist nicht mehr da.

Die Trauerfeier findet am Freitag, 19. Juli, um 14.30 Uhr in der Auferstehungskirche, Goebenstraße 2, statt.

Marek Klimanski

Marek Klimanski

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