Am Fuße der Schloßkirche auf exklusiver mittelalterlicher Tour mit der „Pforzheimer Zeitung“: Nico und Markus Weiner mit Marktmeister Richard Röser (hinten, von links) und Simone Lehnus, Werner Bangert, Sonja und Alina Porth sowie Nicky und Norbert Wipfler (vorne, von links). Foto: Moritz
Pforzheim
Gut gelaunte PZ-Leser tauchen tief ins Mittelalter ein
  • Claudius Erb

Pforzheim. Die dritte Auflage der exklusiven PZ-Führung über den Mittelaltermarkt ist in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich. Die Teilnehmer sind besonders wissbegierig und gut aufgelegt, der mittelalterliche Marktmeister Richard Röser und seine Kollegen deshalb ausgesprochen auskunftsfreudig. Und dann gibt es einen weiteren Überraschungseffekt: Alina Porth, die Tochter der Gewinnerin Sonja Porth, feiert just an diesem Donnerstag ihren 25. Geburtstag und hat erst Minuten vor Beginn der Führung erfahren, wohin sie ihre Mutter da entführt. Ausgefallener kann ein Geschenk kaum sein.

Mit den Porths tauchen die glücklichen Gewinnspielteilnehmer Nico Weiner und Vater Markus Weiner, das Ehepaar Norbert und Nicky Wipfler sowie Werner Bangert mit Tochter Simone Lehnus tief ins Mittelalter ein – und sind begeistert von der offenen und freundlichen Art des Marktmeisters. „Für ihn sollte ein dickes Lob in der Zeitung stehen“, findet Norbert Wipfler, „und zwar mittendrin im Artikel, nicht erst klein ganz am Ende.“ Bitteschön, schon geschehen!

Ähnlich aufgeweckt sind alle im Tross. Und so erfahren sie etwa, dass sich „Dinnede“ vom Wort „dünn“ ableitet und es das Rezept für diese „schwäbische Pizza“ schon seit Jahrhunderten gibt. Dass Schafe von der schwedischen Insel Gotland ganz kleine Löckchen haben – „Das ist keine Dauerwelle“, erläutert Fell-Verkäuferin Marina Kröninger schmunzelnd. Und dass sich im Mittelalter längst nicht alle Menschen Kerzen leisten konnten und auf Kienspäne setzten, wenn sie sich nicht einfach bereits mit Einbruch der Dunkelheit zur Ruhe betteten.

Experte René Kuckling zeigt, wie beim Filzen tierisches Haar mit Seife und Wasser verdichtet wird. Kannengießer und Brandmaler lassen sich über die Schulter schauen. Und dann lassen die Leser Messer und Äxte fliegen. Das Werfen auf die große Zielscheibe macht allen sichtlich Laune. „So eine möchte ich zu Hause haben“, sagt Wipfler. Angst um Leib und Leben wegen etwaiger Fehlwürfe zeigt seine Frau Nicky nicht: „Mit etwas Schwund muss ja immer gerechnet werden“, meint sie lapidar. Nicht nur den legendären Hypocras-Glühwein nach einer Rezeptur der Hildegard von Bingen kosten die Teilnehmer, sondern auch anderes Geistreiches. Erdbeerwein gelte als Liebeselixier, verrät Marktmeister Röser, um augenzwinkernd zu ergänzen: „Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen: Es wirkt!“ Am Ende kennt jeder den urigen Trinkspruch von einst: „All’ voll!“

Vollauf begeistert zeigt sich beim abschließenden Treffen im Badehaus Sonja Porth davon, wie viel Herzblut der Verein „Lebendiges Mittelalter“ in dieses Spectaculum im Blumenhof steckt. Sie gehe nun mit ganz anderen Augen über den Mittelaltermarkt. „Die leben das!“, ist auch Markus Weiner beeindruckt. Und Alina Porth wird diese Tour nie vergessen – nicht zuletzt dank der Naturperlenkette mit einem dunklen Amethysten aus der Perlenweberei, die ihr Röser spontan zum Geburtstag schenkt.