nach oben
Ein schöner Ort zum Entspannen - das Emma-Jaeger-Bad mit Außenbereich. Ins Gerede ist das Bad gekommen, weil sich CDU-Stadtrat Klaus Gutscher für junge Iraker eingesetzt hatte, die hier Hausverbot bekamen. Was Gutscher nicht gewusst haben will: Es soll zuvor zu sexuellen Übergriffen gekommen sein.
Ein schöner Ort zum Entspannen - das Emma-Jaeger-Bad mit Außenbereich. Ins Gerede ist das Bad gekommen, weil sich CDU-Stadtrat Klaus Gutscher für junge Iraker eingesetzt hatte, die hier Hausverbot bekamen. Was Gutscher nicht gewusst haben will: Es soll zuvor zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. © PZ-Archiv
27.04.2012

Gutschers Iraker-Brief löst breite Empörung aus

Er wollte eine Lanze für junge Iraker brechen, zur Integration beitragen, mit Hausverbot belegte Jugendliche wieder ins Hallenbad zurückbringen. Das ging schief. CDU-Stadtrat Klaus Gutscher hört „zum ersten Mal“ von Sex-Übergriffen im Emma-Jaeger-Bad. Jetzt prüft der Staatsanwaltschaft die Vorwürfe gegen irakische Jugendliche.

Klaus Gutscher ist keiner, der einer politischen Auseinandersetzung aus dem Weg geht. Gegenwind ist dem 70 Jahre alten CDU-Stadtrat und stellvertretenden Sportkreisvorsitzenden nicht fremd. Im Gegenteil – manchmal scheint es ihm Spaß zu machen. Seit die „Pforzheimer Zeitung“ ins Internet gestellt und gedruckt hat, was der Hintergrund für den Rausschmiss aus dem Emma-Jaeger-Bad und das Hausverbot der fünf irakischen Jugendlichen war, steht Gutschers Telefon nicht mehr still und läuft sein elektronisches Postfach voll.

Gutscher hatte sich, offensichtlich in Unkenntnis der wahren Ursachen, hinter die Iraker gestellt und Bäderamts-Chef Erich Forstner um eine Rücknahme der Hausverbote gebeten. Forstner habe ihn, sagt Gutscher, am Rande einer Sitzung um eine Unterredung in Sachen Iraker gebeten. Dass es dabei um sexuelle Belästigung ging, habe Forstner mit keinem Wort erwähnt. Gutscher lief ins offene Messer. „Sie widern mich unfassbar an“, schleuderte ihm ein Mitglied der Jungen Union entgegen. Er solle als Stadtrat seinen Platz räumen, fordern Leser im Forum von PZ-news.de und in Leserbriefen. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Gutscher im Gespräch mit der PZ.

Warum hat er sich hinter die Jugendlichen gestellt, ihre Entschuldigung – für was auch immer – akzeptiert? Er sei von „Fangerles“ ausgegangen und vielleicht unflätigem Auftreten im Solebecken. Aber das? Er habe einen der einigermaßen Deutsch sprechenden Jugendlichen gefragt, ob sie Mädels angegrapscht hätten. „Nur meine eigene Freundin“, habe der Jugendliche gesagt.

Wenn es zu sexuellen Belästigungen (Griff in die Bikini-Hose, Anbaggern von Frauen und Mädchen, sexuelle Beleidigungen) gekommen sei – dann hätte man nicht einfach ein Hausverbot erteilen, sondern „die Polizei holen müssen“, sagt Gutscher, „das ist eine Straftat.“ Von den sexuellen Übergriffen habe er am Freitag zum ersten Mal gelesen, so der Stadtrat.

Die Lektüre liegt auch bei Bernhard Ebinger. Ebinger ist stellvertretender Pressestaatsanwalt, und er sagt: „Wir werden das jetzt natürlich nachfragen und auf Strafbarkeit prüfen.“ Sollte eines der betroffenen Mädchen unter 14 Jahren gewesen sein, wäre das sexueller Missbrauch. Liege eine sexuelle Nötigung vor, müsse die Staatsanwaltschaft von sich aus Ermittlungen aufnehmen, bei sexueller Belästigung greift der Staat erst ein, wenn die Betroffene Strafanzeige stellt.

Anzeigen, das ergab eine Rückfrage bei der Polizei, sind bisher noch nicht erstattet worden. Wenn die Anklagebehörde zu dem Schluss kommt, dass etwas Habhaftes dran ist, dürfte das ein Fall für das Haus des Jugendrechts werden – für Ebinger, Jugendstaatsanwalt, ein zweites dienstliches Zuhause. Hier versuchen Polizisten, Juristen und Sozialarbeiter gemeinsam, Auswüchsen von auffälligen Kindern und Jugendlichen entgegenzutreten.

In der kommenden Woche will Gutscher zusammen mit Parteifreund Jörg Augenstein, ebenfalls Sportkreis-Vize, junge Iraker mit zum Reinschnuppern bei den Fußballern von Germania Brötzingen nehmen.

Leserkommentare (0)