Deutsche Bartmeisterschaft in Pforzheim: Pforzheimer Armin Knapp holt ersten Platz.

Seibel
Pforzheim
Haarig: Deutsche Bart-Meisterschaft im CCP
  • dpa

Pforzheim. Ein Bart ist nicht gleich ein Bart – das wird bei der „Internationalen offenen Deutschen Bartmeisterschaft“ im CongresCentrum schnell klar. Bartträger sind Individualisten, Charakterköpfe. Hinter jedem Bart steckt eine Idee, eine Figur. Mancher hat sich verkleidet – als Kapitän, mit Schottenrock, als Musketier oder in edler Uniform aus der Kaiserzeit.

[Bildergalerie] Gerhard Knapp sammelt Spenden für Menschen in Not Sobald sie ihren Bart mit viel Mühe und Haarspray in die richtige Form gebracht haben, schlüpfen sie in ihre Rolle. Die stundenlange Vorbereitung hat sich für die Männer, die aus ganz Deutschland und sogar aus der Schweiz angereist sind, gelohnt. [Artikel] PZ-news veröffentlicht die Platzierungen der Bart-DM.[Bildergalerie] Siegerehrung bei der Bart-DM Das Wetter hat den Bartträgern des Wettbewerbs – er wurde von den „Pforzemer Schnäuz“ anlässlich deren 20-jährigen Bestehens ausgerichtet – allerdings einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Am Mittag musste der geplante Umzug samt Guggenmusik vom Leopoldplatz zum CCP wegen Regens leider ausfallen. „Kriegen Sie mal einen Bartträger raus in den Regen“, witzelt Gerhard Knapp, Präsident der „Pforzemer Schnäuz“. Es sei mit einigem Aufwand verbunden, bis die Bärte wettkampftauglich gestylt sind. „Zuerst muss das Barthaar geglättet werden, dann kann es in Form gebracht werden. Grundsätzlich ist die Pflege übers Jahr besonders wichtig“, rät Knapp. [Bildergalerie] Bartmeisterschaften im CCP - 1[Bildergalerie] Bartmeisterschaften im CCP - 2 Sein Bruder, Friseurmeister Armin Knapp, kann sich mit einem echten Hingucker in der Königsdisziplin „Vollbart Freistil“ durchsetzen. Gezwirbelt und gerollt erinnert sein Bart an die Loopings einer Achterbahn. Knapp hat bereits einige Titel gewonnen, ist 2001 Zweiter bei der Weltmeisterschaft geworden. Zweiter wird auch ein Mitglied der „Pforzemer Schnäuz“, Hans-Peter Weis, der amtierender Europameister ist. Fast drei Stunden habe er gebraucht, um seinen Bart zu stylen. „Eigentlich war es ja meine Frau. Sie hilft mir dabei“, verrät er. Mit viel Haarlack hat er den Bart zweigeteilt und die Spitzen am Ende eingedreht. Strähnen in Braun bringen Farbe ins Spiel, den Schnauzbart hat er in die Höhe gezwirbelt. Dritter wird Alfred Martin vom Bartclub Steinau-Gründau.
Bärte finde ich...
sehr männlich
36%
gewöhnungsbedrüftig
16%
kratzig
11%
gruselig
37%
Teilnehmer: 707
Große Aufregung am Tisch nebenan. Schon wieder kann sich ein Vereinskollege der Gäste vom „1. Berliner Bartclub“ einen Pokal sichern. Am Ende werden es sieben sein. Tim Schwerdtner – er belegt den zweiten Platz in der Kategorie „Vollbart mit gestylter Oberlippe“ – trägt schon immer Bart. Er habe sich sehr auf Pforzheim gefreut. „Man kennt sich ja inzwischen in der Szene. Wir sind alle eine große Familie“, erzählt er. Um seinen Bart zurecht zu machen, brauche er ungefähr eine Stunde. „Manchmal sogar länger als meine Frau“, sagt er und lacht.
Apropos Frauen. Die sind natürlich auch dabei. Zum einen, um ihre Männer zu unterstützen. Zum anderen, weil sie Bärte einfach toll finden. „Bärte finde ich sehr männlich“, sagt eine Dame, die sich mit ihrer Kamera an der Bühne postiert hat, um ein gutes Foto von ihrem Gatten zu bekommen.
In der Haut der siebenköpfigen Jury – zum Großteil Friseurmeister, darunter aber auch Kreishandwerksmeister Rolf Nagel und Erster Bürgermeister Roger Heidt – möchte man nicht stecken. Sie müssen aus mehr als 100 Teilnehmern die schönsten Schnauz-, Kinn-, Backen- und Vollbärte in insgesamt 18 Kategorien küren. Die Bewertungskriterien sind genau festgelegt: Sauberkeit, Kreativität, Ausarbeitung, Gesamteindruck. In der neu eingeführten Kategorie „Trendbärte“ holt sich dann noch ein Pforzheimer den Siegerpokal – Bernd Sonnet. Insgesamt gewinnen die Gastgeber übrigens fünf Titel. Der Erste Bürgermeister Roger Heidt verweist in seinem Grußwort darauf, dass er vor 20 Jahren auf der „Internationalen Tourismus Börse“ (ITB) in Berlin gemeinsam mit Gerhard Knapp Werbung für Pforzheim gemacht habe. „Und der Bartclub ist immer noch ein Aushängeschild für Pforzheim“, sagte er.
Spende für „Menschen in Not
Während die Country-Band „Schwarzpulver“ für gute Stimmung sorgt, muss „Schnäuz“-Präsident Gerhard Knapp kurzzeitig um sein geliebtes Barthaar fürchten. Natürlich völlig freiwillig. Er hatte zugesagt, seinen Bart abzuschneiden, wenn die Pforzheimer das so wollen – und das Geld an die PZ-Aktion „Menschen in Not“ zu spenden. Zu diesem Zweck hatte er bereits im vergangenen Sommer zwei Sparschweine organisiert – in Grün für „Bart ab“ und in Rot für „Bart dran“.
Im Beisein von PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht werden am Samstagabend die Schicksals-Schweine geöffnet – rund 1000 Euro sind zusammengekommen. Und Knapp hat Glück – er darf seinen Bart behalten. Eine kleine Strähne opfert er dann aber doch.