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Zwei geparkte Motorräder waren über Pfingsten das einzige sichtbare Zeichen vor dem Clubhaus der „Hells Angels“, die sich ruhig verhielten. privat
13.06.2011

Hells Angels sind in der Nordstadt wenig aufgefallen

Die Nachbarn des Vereinsheims der Hells Angels in der Nordstadt zeigen wenig Angst vor der Rocker-Gruppe. Das Verbot der Rocker-Gruppe wird im Stadtteil aber überwiegend begrüßt - schließlich habe niemand gewusst, was hinter den Clubhausmauern alles getrieben werde.

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Nach dem Verbot der Hells Angels und der Großrazzia der Polizei vom Freitag wirkte das Clubhaus der Rocker-Gruppe an der Ecke Pfälzerstraße/Karolingerstraße über Pfingsten wie ausgestorben. Lediglich drei Motorräder, eines mit Karlsruher- und zwei mit Pforzheimer Kennzeichen, waren zeitweise in der Nähe des Clubhauses geparkt. Ansonsten verlief alles auffallend ruhig im Viertel, wie die Polizei bestätigte.

„Ein mulmiges Gefühl“

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„Ich begrüße das Verbot der Rockergruppe“, sagt Heinrich Drotleff, Hausmeister der Gebäude Sachsenstraße 7 bis 13, die sich etwa 100 Meter Luftlinie vom Clubhaus der Hells Angles entfernt befinden. „Ich hatte schon manchmal ein mulmiges Gefühl, wenn ich um die Ecke ging, zumal der Sohn eines Bekannten in der Nordstadt zusammengeschlagen wurde. Ich weiß zwar nicht, ob eine Gruppe im Umkreis der ,Hells Angels' dafür verantwortlich war, aber die Gewalt macht auch vor der Nordstadt nicht halt. Und wenn sich Rocker-Banden bekriegen, möchte ich nicht als Passant zufällig in der Schusslinie stehen“, sagt er.

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Eine 67-jährige Nachbarin, die an der Pfälzerstraße 37 wohnt, äußerte sich gegenüber der PZ sehr überrascht darüber, was im Clubhaus alles an Waffen und Rauschgift sichergestellt worden war. „Im Clubhaus ging es immer auffallend ruhig zu. Das waren sehr angenehme Nachbarn, von denen man nie etwas gehört hat“, sagte sie. „Nur im Sommer, bei den Motorrad-Ausfahrten, heulteten halt mal die Maschinen auf, aber ich liebe dieses Geräusch“, so die Rentnerin. „Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich bei einer dieser Ausfahrten aus dem Fenster schaute und rief, dass ich mitfahren wolle.“

Postzusteller Dennis Link bestätigt den ruhigen Eindruck, den auch er vom Clubhaus der Hells Angels immer hatte. „Da war es mucksmäuschenstill. Ich habe hier nie jemanden angetroffen“, sagt er. Die Mitglieder der Guppierung hätten sich unauffällig verhalten. „Wenn das Schild über dem Eingang nicht dagewesen wäre, hätte ich nicht mitbekommen, dass hier ein Rocker-Clubhaus ist“, so Link. Dass die Gruppe verboten worden sei, könne er aber nach dem sichergestellten Beweismaterial gut verstehen.

„Waffen, Schlagstöcke und Rauschgift sind ein schlechtes Vorbild für Kinder“, so Link. Deshalb sei es gut, dass jeglicher Art von Gewalt die rote Karte gezeigt werde. Dies sage er, obwohl er nie ein Gefühl fehlender Sicherheit habe, wenn er im Viertel die Post zustelle.

Die medizinische Fachangestellte Charlie Bornhäuser (23), die seit mehreren Jahren ihren Freund in der Nordstadt besucht und oft am Clubhaus der Hells Angels vorbeiläuft, sagt: „Ich bin von den Rockern noch nie angepöbelt worden, obwohl zeitweise bis zu zehn von ihnen vor dem Clubhaus standen“.

Manchmal komme sie auch mit dem Auto und habe in der Nordstadt keinen Parkplatz gefunden. „Da parkte ich meinen Wagen in die einzige noch vorhandene Lücke – genau vor dem Eingang des CLubhauses“, so Bornhäuser. Und die Rocker, die vor dem Clubhaus standen, hätten sie nur freundlich angelächelt.

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