Pforzheim. Die Aktion „Anti-Graffiti-Mobil“ ist zurück: In Pforzheim werden straffällig gewordene Jugendliche zur Entfernung von Graffiti verdonnert.
Wie die Stadt Pforzheim mitteilt, sei bereits 2023 das ursprüngliche Anti-Graffiti-Mobil in städtische Hände übergeben und mit der Anti-Graffiti-Meldestelle neu aufgelegt worden. Nun lässt die Stadt Pforzheim gemeinsam mit dem ehemaligen Polizeihaupt Kommissar Volker Weingardt, dem Jugend- und Sozialamt, der Polizei, der Staatsanwaltschaft und dem Bezirksverein für soziale Rechtspflege die ursprüngliche Aktion wieder aufleben: Graffitientfernung durch straffällig gewordene Jugendliche.
„Ich freue mich sehr, dass wir die Aktion wieder aufgreifen können. Getreu dem Motto ‚Erziehung statt Strafe‘ werden die Jugendlichen aktiv bei der Entfernung von Graffitis in der Stadt eingesetzt“, betont Oberbürgermeister Peter Boch, der die Überführung des Anti-Graffiti-Mobils in städtische Hände damals vorangetrieben hat. „Volker Weingardt wird die Aktionen künftig wieder koordinieren und vor Ort betreuen. Mit ihm konnten wir jemanden gewinnen, der bereits in der Vergangenheit viel Herzblut in diese Aktion gesteckt hat.“
Neben den Initiativen läuft der Normalbetrieb der Anti-Graffiti-Meldestelle weiter. Bürger können sich weiterhin an die Stadt wenden und Schmierereien an öffentlichen und privaten Fassaden melden.


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Die Aktionen mit den Jugendlichen wurden bereits in den Sommerferien wieder aufgenommen und finden ab sofort regelmäßig in den Oster-, Pfingst-, Sommer- und Herbstferien statt. Bei Bedarf auch an Samstagen. Grundsätzlich sollen die Jugendlichen dabei Disziplin lernen und gleichzeitig ihre ohnehin abzuleistenden Sozialstunden mit sinnvoller Arbeit für die Stadtgesellschaft verbringen. Koordiniert werden die Einsätze künftig in Zusammenarbeit mit dem Bezirksverein, dem Jugend- und Sozialamt, den Technischen Diensten und Volker Weingardt. Bei Bedarf unterstützt auch der Kommunale Ordnungsdienst.
In diesem Jahr wurden bereits zwei Arbeitseinsätze für insgesamt 26 Jugendliche durchgeführt. Die Heranwachsenden leisteten dabei insgesamt rund 350 Sozialstunden ab.
„Wir konnten bei diesen beiden Aktionen bereits über 800 Quadratmeter an Schmierereien entfernen und damit rund 500 Quadratmeter reinen Bundsandstein reinigen“, so Malermeister Tobias Herrmann von den Technischen Diensten. „Da wir oft auch Schmierereien unter Brücken an Enz oder Nagold entfernen, möchte ich auch erwähnen, dass wir ein Reinigungsmittel verwenden, das auf Maisstärke basiert und damit sehr umweltverträglich ist. Es ist also unschädlich, wenn es in die Flüsse oder in die Kanalisation gelangt.“
Die Aktionen dauern in der Regel von 8 bis 16 Uhr.


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Bei der aktuellen Gruppe handelt es sich um 23 straffällig gewordene Jugendliche, die insgesamt rund 261 Arbeitsstunden in den Herbstferien abzuleisten haben. Der Arbeitseinsatz erstreckt sich über einen Zeitraum vom 26. bis einschließlich 30. Oktober. „In dieser Zeit werden die Jugendlichen an verschiedenen Stellen in der Stadt hauptsächlich großflächige Schmierereien entfernen“, so Volker Weingardt.
„Sie sollen dadurch lernen, dass es nicht in Ordnung ist, fremdes Eigentum zu beschädigen. Unabhängig davon, warum sie Sozialstunden ableisten müssen.“
Auch aus der Bürgerschaft komme viel Lob für die Jugendlichen und die gesamte Aktion, betont Weingardt. Gerade auch, weil dabei nicht nur erzieherische Maßnahmen statt Strafe im Vordergrund stünden, sondern auch etwas für die Gesellschaft getan werde.
„Das Jugendstrafrecht zielte schon immer auf Erziehung statt Strafe ab“, erklärt Weingardt weiter.
Der pensionierte Polizeihauptkommissar berichtet außerdem davon, dass er während der Arbeit mit den Jugendlichen oft ins Gespräch komme und deren Vertrauen gewinne. Dadurch konnte er bereits einer Vielzahl von Jugendlichen einen anschließenden Praktikumsplatz oder eine Arbeitsstelle vermitteln. „Dass sich die Jugendlichen öffnen und über ihre Probleme sprechen, ist ein erfreulicher Nebeneffekt unserer Arbeit“, so Weingardt.


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Projekt ist eine Herzensangelegenheit
Bevor das Anti-Graffiti-Mobil von den Technischen Diensten übernommen wurde, gab es immer wieder großangelegte Reinigungsaktionen in Kooperation mit dem Haus des Jugendrechts, dem Bürgerverein Nordstadt, der Malerinnung und den Technischen Diensten. Während der Pandemie konnten die Aktionen nicht mehr durchgeführt werden und das Anti-Graffiti-Mobil ging schließlich im Jahr 2023 in städtische Hände über, wo es in anderer Form fortgeführt wurde. „Es war mir damals eine Herzensangelegenheit dieses Projekt, das bundesweit in aller Munde war und bis heute noch ein Vorzeigeprojekt ist, nicht aussterben zu lassen“, betont OB Peter Boch. „Dass wir nun wieder Aktionen mit Jugendlichen anbieten können, bestätigt unsere Entscheidung für das gesamte Projekt.“


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