Alicia Schumacher (vorne MItte) vom Wichernhaus koordiniert das Projekt MediMobil. Doris Kruse, Teresa Neugebauer, Birgit Kilcullen, Elke Sulzer, Daniel von Langsdorff, Matthias Schild, Mirjam Dietrich, Gaby Schulz und Peter Metz (von links) , Krankenschwestern, Ärzte und einfach so Interessierte, freuen sich auf die Fahrten mit dem MediMobil.
Röhr
Pforzheim
Hilfe für Wohnungslose in Pforzheim: MediMobil braucht Ärzte, Dolmetscher und Ehrenamtliche

Pforzheim. Kaffee ausschenken, zuhören oder einfach da sein: Für das neue MediMobil werden nicht nur Ärzte und Pflegekräfte gebraucht. Das Team will Menschen unterstützen, die mit Schmerzen oder Sorgen oft lange allein bleiben. Vor dem Start werden nun weitere Ehrenamtliche gesucht.

Das Auto steht bereit, der Start des MediMobils rückt näher. Nun werden noch Ehrenamtliche gesucht. Ausdrücklich auch Menschen ohne medizinischen Beruf. Das MediMobil soll kein Ersatz für den Hausarzt sein. Es ist keine rollende Praxis für Menschen, die gerade keinen Termin bekommen oder keinen Hausarzt finden. Das betont das Team schon vor dem Start deutlich.

Gedacht ist das Angebot für Menschen am Rand der Gesellschaft: für Wohnungslose, Menschen ohne Krankenversicherungskarte, Menschen in prekären Lebenslagen. Für jene, die mit Schmerzen, Wunden oder Sorgen oft viel zu lange allein bleiben.

„Da besteht ein echtes Manko“, sagt Gabi Schulz vom Leitungsteam der Suppenküche und der Vesperkirche.

„Bei den Gästen geht es nicht nur um eine warme Mahlzeit. Manchmal erzählt jemand nebenbei von Schmerzen, von Medikamenten, die nicht genommen werden, von Beschwerden, die längst abgeklärt werden müssten. Da ist manchmal mehr Bedarf als nur das Essen.“

Genau hier soll das MediMobil ansetzen: hinschauen, zuhören, einschätzen, kleinere Hilfen leisten, Mut machen – und wenn nötig an Ärzte, Beratungsstellen oder andere Hilfsangebote weitervermitteln.

Damit das gelingt, braucht das Team nicht nur Menschen, sondern auch Material. Erste Spenden von Apotheken und Arztpraxen gibt es bereits, weitere Ausstattung wird aber dringend gesucht. Wer Material spenden möchte, sollte sich vorab beim Wichernhaus melden, damit geklärt werden kann, was tatsächlich benötigt wird.

Noch ist das Team im Aufbau. Beim jüngsten Treffen der Ehrenamtlichen – fünf Pflegekräfte, drei Ärzte und eine weitere Interessierte – ging es um ganz praktische Fragen: Wer fährt mit? Was darf das Team leisten? Welche Ausstattung wird gebraucht?

Klar ist schon jetzt: Für jeden Einsatz braucht es medizinische Fachleute, idealerweise Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte. Sie werden weiterhin gesucht. Denn Pflegekräfte dürfen nicht alles. Rezepte etwa können nur Ärzte ausstellen.

„Auch bei Wunden oder ernsteren Beschwerden muss vor Ort entschieden werden, was möglich ist und wann weitervermittelt werden muss“,

sagt Arzt Daniel von Langsdorff.

Genauso wichtig sind aber Menschen ohne medizinischen Hintergrund.

„Wir freuen uns über jeden, der Kaffee ausschenkt, der in Verbindung mit den Menschen geht, der zuhört, der einfach da ist“,

heißt es aus dem Team.

Gebraucht werden Menschen, die ansprechbar sind, keine Berührungsängste haben, Gespräche führen, Stühle aufstellen oder beim Kontakt zu Hilfsangeboten unterstützen.

Auch Dolmetscherinnen und Dolmetscher sind willkommen. Denn das Team rechnet damit, dass Sprache eine Rolle spielen wird, gerade bei Menschen, die ohnehin Hemmungen haben, Hilfe zu suchen.

Ein wichtiger Punkt für mögliche Helfer: Niemand soll sich überfordern oder dauerhaft verpflichten müssen. Geplant ist ein Einsatz pro Woche, mittwochs von 14 bis 16 Uhr. Ob einmal pro Woche, einmal im Monat, einmal im Quartal oder nur gelegentlich: Das Team will einen Pool an Ehrenamtlichen aufbauen, aus dem die Einsätze besetzt werden können.

Vor dem Start will sich das Pforzheimer Team noch mit dem Team des MediMobils in Reutlingen austauschen. In Pforzheim soll zunächst an einem festen Standort begonnen werden, bevor weitere Orte angesteuert werden.

Startschuss durch Fools Garden

Möglich wurde das MediMobil durch die Band Fools Garden. Sie hatte mit einem Erlös des Festivals „33 Jahre Fools Garden“ von 45.000 Euro den finanziellen Startschuss gegeben. 

„Das MediMobil ist für uns ein Herzensanliegen und wir hoffen, dass viele Ehrenamtliche den Menschen am Rande unserer Gesellschaft helfen werden",

sagt Fools-Garden-Frontmann Peter Freudenthaler. 

Abgerechnet wurde die Spende über den PZ-Hilfsverein „Menschen in Not“. Träger des MediMobils ist das Wichernhaus, koordiniert wird das Projekt dort von Mitarbeiterin Alicia Schumacher. Wer sich vorstellen kann, beim MediMobil mitzuhelfen – medizinisch, sozial, praktisch oder einfach menschlich –, kann sich bei Alicia Schumacher melden: Telefon (07231) 20448-12, E-Mail: a.schumacher@wichernhaus-pforzheim.de.