Pforzheim. Widerstand gegen die zwischen 1933 und 1945 in Deutschland herrschende nationalsozialistische Diktatur zu leisten, war mit einem großen Risiko verbunden und erforderte viel Mut. Wer sich den Wünschen des Regimes nicht anpasste oder sich entgegenstellte, der zahlte dafür unter Umständen einen hohen Preis. Dennoch hat es der Pforzheimer Arthur Ditschkowski gewagt. Als Zeuge Jehovas bekämpfte er die Diktatur zwar nicht aktiv, trat aber konsequent für seinen Glauben ein. „Da gab es kein Taktieren, kein Zurückweichen“, so Professorin Angela Borgstedt bei ihrem Vortrag anlässlich des bundesweiten Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in der Volkshochschule.
Die habilitierte Historikerin ist Geschäftsführerin der Forschungsstelle Widerstand gegen den Nationalsozialismus im deutschen Südwesten am Historischen Institut der Uni Mannheim und hat sich für ein Buch mit zahlreichen Widerstandsbiografien beschäftigt – unter anderem mit der von Ditschkowski. Dessen Glaubenswelt sei ihr zwar fremd, sagte Borgstedt, aber sein konsequentes Eintreten für seinen Glauben habe sie beeindruckt. Weil sie den Nazis als pazifistische und internationalistische Vereinigung suspekt waren, wurden die Zeugen Jehovas schnell verboten. Fortan versammelten sie sich nur noch heimlich, privat und in kleinen Gruppen. Auch in Pforzheim, wo Ditschkowski zusammen mit seiner Frau seit Anfang der 1930er-Jahre lebte und als Heilpraktiker ein „Parapack“-Institut betrieb. Bei den Zeugen Jehovas habe er zwar keine Leitungsfunktion innegehabt, erklärte Borgstedt, aber wichtige Aufgaben übernommen.
Kurierfahrten als Dienstreise
So stellte er etwa seine Praxis als Versammlungsraum zur Verfügung, um religiöses Leben in der Illegalität zu ermöglichen. Mit seinem Auto übernahm Ditschkowski Kurierfahrten, die er als Dienstreisen tarnte. Nachdem er bereits 1937 das erste Mal verhaftet worden war, verweigerte er 1943 den Kriegsdienst und wurde dafür zum Tod verurteilt. Warum das Urteil in eine Haftstrafe umgewandelt wurde, sei unklar, sagte Borgstedt. Fest stehe nur, dass er später an die Ostfront kam und dort, schwer verwundet, dem Tod nur knapp entrann. Seine Frau fand beim Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 den Tod, seine berufliche Existenz war vernichtet. Den Lebensmut für einen Neuanfang habe ihm wohl der Glaube gegeben, vermutete Borgstedt. Sie betonte, das Erinnern an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus sei nach wie vor wichtig.

