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© Symbolbild dpa
02.12.2015

„Ich bin Gott“ - Pforzheimer muss nach Bluttat in die Psychiatrie

Pforzheim/Karlsruhe. Es ist ein Tondokument, das fassungslos macht. Abgespielt wird es im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Karlsruhe unter Ausschluss der Öffentlichkeit. In der Urteilsbegründung der Kammer geht Leonhard Schmidt, der Vorsitzende Richter, noch einmal darauf ein. Es ist der verzweifelte Anruf einer Frau, die die Notrufnummer 110 gewählt hat – am 17. Mai dieses Jahres. Ihr Nachbar in dem Mehrfamilienhaus an der Berliner Straße hat soeben, es ist kurz vor 3 Uhr, die Glasfront ihrer Wohnungstür eingetreten und die Tür geöffnet.

Unvermittelt greift Claudio G. (Name geändert) ihr an den Hals, würgt sie – fast bis zur Bewusstlosigkeit. Dann verschwindet der Täter in die Küche. Corinna H. röchelt „Hilfe!“ in den Hörer – da kommt der 23-Jährige zurück. Das Opfer lässt den Hörer fallen. Zehn Sekunden lang gellen entsetzliche Schreie durch die Wohnung. Und über zwei Minuten lang: „Gott. Ich bin Gott!“ Das ist Claudio G.s Stimme, der mit einem Messer 104-mal zusticht. „Messer weg!“, schreit ein Polizist, die Pistole im Anschlag, als er drei Minuten nach dem Notruf am Tatort eintrifft. Der Täter, blutverschmiert, sticht sich zweimal in den Hals, wird überwältigt und notversorgt. Für Corinna H. kommt jede Rettung zu spät.

Ein eindeutiger Fall von Schuldunfähigkeit, hat der psychiatrische Sachverständige schon schriftlich diagnostiziert. Die Hauptverhandlung untermauert den Eindruck. Ob der Täter sich zur Tat geäußert, vielleicht Reue gezeigt hat – das bleibt Verschlusssache, weil auf Antrag seines Verteidigers Michael Schilpp (Pforzheim) die Öffentlichkeit nur zur Verlesung der Anklageschrift und zum Urteil zugelassen ist. Gemäß einem Paragrafen des Gerichtsverfassungsgesetzes ist das möglich, wenn die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus droht.

So kommt es – was nicht anders zu erwarten war. Mehr lesen Sie am Donnerstag in der „Pforzheimer Zeitung“.