Pforzheim. Fast täglich erreichen Daniela Kneis, Pressesprecherin beim DRK-Kreisverband Pforzheim-Enzkreis, Anfragen zum Thema Rettungsdienst in Pandemiezeiten. Als Praktikantin ist sie deshalb eine Tagschicht mitgefahren und schildert ihre Eindrücke:
„Es ist Freitag, 6.20 Uhr. In der Pforzheimer DRK-Hauptrettungswache an der Kieselbronner Straße übergeben uns die Kollegen der Nachtschicht ihre Alarm-Meldeempfänger und die Schlüssel für den Rettungswagen. Nach einem Austausch gehe ich mit Notfallsanitäterin Hanna Grönheim und Rettungssanitäter Björn Ziegler in die Fahrzeughalle. Mit Desinfektionstüchern wischen wir alle Fächer unseres Fahrzeugs sowie die von drei Reservefahrzeugen aus.
Kurz nach 8 Uhr piepst der Melder und zeigt das Stichwort „Trauma Extremitäten“ an. Wir fahren los in den östlichen Enzkreis. Eine Frau, die schon seit Wochen Rücken- und seit mehreren Tagen Schmerzen im Bein hat, ist mit den Nerven am Ende. So begründet sie ihren Notruf. Trotz Angabe von höchsten Schmerzen läuft sie selbst zum Rettungswagen und lässt sich nach Pforzheim ins Krankenhaus bringen. Während der Fahrt mache ich einen Corona-Schnelltest bei der geimpften Patientin. Er fällt negativ aus. „Ein Fall für die ganz akute Notfallrettung war sie nicht“, sagt Grönheim. Wir desinfizieren die Trage und sind um 9.30 Uhr zurück an der Wache.
Eine knappe halbe Stunde später der nächste Alarm. Stichwort „akute Atemnot“. Mit Blaulicht und Martinshorn fahren wir in die Nordstadt. In einem Mehrfamilienhaus begrüßt uns eine 84-jährige Dame in gebrochenem Deutsch. Geimpft sei sie nicht. Die Notfallsanitäterin zieht sich zusätzliche Schutzkleidung an. Ich halte mich mit Ziegler, der einen Schnelltest vorbereitet, im Hintergrund. Grönheim misst Fieber. Der Test zeigt mittlerweile ein negatives Ergebnis an. Akute Atemnot ist bei der Patientin nicht feststellbar. Dafür aber eiskalte, schlecht durchblutete Beine und ein schlechter Allgemeinzustand. Schnell wird klar, woran das liegt: Statt einmal am Tag hatte die Patientin die verordneten Medikamente nur ein einziges Mal genommen. Abgeklärt werden muss ihr Gesundheitszustand trotzdem. Mit einem „Dankeschön“ und dem Versprechen, sich impfen zu lassen, verabschiedet sie sich von uns in der Notaufnahme. Diese ist mittlerweile voll belegt. Um 11 Uhr sind wir nach den Desinfektionsaufgaben wieder einsatzklar.
Um 12.23 ertönt der Melder erneut. „Anaphylaxie“ steht auf dem Display – eine allergische Reaktion. Wir fahren in ein Pforzheimer Altenheim. Einer Pflegerin war aufgefallen, dass die Zunge eines Bewohners plötzlich stark angeschwollen ist und er nur noch undeutlich sprechen konnte. Für den Notarzt ist jedoch ein Schlaganfall naheliegender. Zur Krankheitsgeschichte des Mannes kann uns die Auszubildende, die allein mit uns im Zimmer ist, nichts sagen. Die Stationsleitung sei aufgrund eines Coronafalls auf dem Wohnbereich im Stress. Grönheim lässt nicht locker, begleitet den Azubi zum Büro der Vorgesetzten und bittet um deren Anwesenheit. Unterdessen bereiten Ziegler und ich die Infusion und einen Schnelltest vor. Der Patient muss ins Krankenhaus.
Dort angelangt schaut uns die Aufnahmeschwester mit großen Augen an, als wir verkünden, dass der Mann erst wieder mit Vorlage eines negativen PCR-Tests im Heim aufgenommen wird. Die Notaufnahme ist brechend voll, mittlerweile stehen drei belegte Betten auf dem Flur. Hinter uns kommt der nächste Krankentransport an. „Was bringt ihr?“, fragt eine der Aufnahmeschwestern. „Wir bringen euch Liebe“, entgegnen die Kollegen lächelnd. Und das steckt für eine kurze Zeit an. Es ist 13.52 Uhr. Wir übergeben den Rettungswagen an die Kollegen der Spätschicht. Feierabend.“

