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Ein ganzes Team aus Ärzten und Pflegern ist am Helios Klinikum intensiv für den Einsatz der neuen Lungenersatzmaschine geschult worden.  Foto: Meyer 

Immer mehr Grippefälle: Eine kleine Maschine am Helios Klinikum kann Leben retten

Pforzheim. Die rasant steigende Zahl der Grippefälle macht sich auch am Helios Klinikum Pforzheim bemerkbar. Seit Beginn dieses Jahres wurden im Krankenhaus an der Kanzlerstraße bereits mehr als 50 Patienten mit Influenza stationär behandelt. In manchen Fällen kann diese schwere Erkrankung kritisch werden. Dann nämlich, wenn eine Lungeninfektion durch Influenza oder wie derzeit auch durch Coronaviren zu Lungenversagen führt.

Für genau solche Patienten hat das Helios Klinikum sein medizinisches Leistungsspektrum weiter ausgebaut. Nach eineinhalbjähriger Vorbereitungszeit und intensiver Schulung des gesamten Teams ist es nun eine der wenigen Kliniken in Baden-Württemberg, die ein Lungenersatzverfahren für Patienten anbietet, die aufgrund einer schwer verlaufenden Erkrankung ein Lungenversagen entwickeln. Extrakorporale Membranoxygenierung, kurz ECMO, nennt sich dieses Verfahren und lässt sich laut Dr. Felix Schumacher auf einen einfachen Nenner bringen: „Die Maschine übernimmt die Arbeit der Lunge und gibt ihr damit Zeit zu heilen“, sagt der Chefarzt der Intensivmedizin. Denn bei einem akuten Lungenversagen stießen auch hochmoderne Beatmungsgeräte an ihre Grenzen. Diese seien aufgrund des Überdrucks schädlich für die Lunge.

Nur wenn man die Lunge komplett in Ruhe lasse und auch die Beatmung zurückschraube, gebe man ihr Luft zur Erholung. Dazu wird jeweils ein Schlauch unter Ultraschall ins Bein und in den Hals eingeführt und das Blut von der Maschine angesaugt. Indem dem Blut Kohlendioxid entzogen und Sauerstoff eingeleitet wird, übernimmt die Maschine die Arbeit der Lunge und entlastet diese. Bis zu 14 Tage kann dies dauern.

Zehnmal pro Jahr benötige man ein solches Verfahren, sagt Schumacher. Mussten früher Patienten in Spezialzentren verlegt werden, gehört das Helios Klinikum seit Dezember nun auch zum Netzwerk der 40 Kliniken in Deutschland, die mit ECMO Patienten helfen können – erst jüngst einer 50-Jährigen, deren Zustand sich so rasch verschlechterte, dass es binnen Stunden zum Lungenversagen kam.

„Wir haben auch über die Beatmung keine Luft mehr in die entzündete Lunge hineinbekommen“, beschreibt Ute Oltmanns, Chefärztin der Pneumologie, die kritische Situation. Mit der ECMO habe man die 50-Jährige aber so stabilisiert, dass sie zur Herz-OP nach Karlsruhe verlegt werden konnte. „Sie wäre ohne dieses Verfahren nicht mehr am Leben“, sagt Oltmanns, die darauf hinweist, dass eine Influenza und Lungenversagen jede Altersgruppe treffen kann. Allerdings machen die Mediziner auch darauf aufmerksam, dass an die Lungenmaschine nur Patienten angeschlossen werden, die die Prognose haben, gesund zu werden. „Unheilbare Krankheiten kann auch sie nicht heilen“, sagt Schumacher.

Zahl der Grippefälle steigt rasant

Die Zahl der registrierten Grippekranken im Südwesten hat sich im Vergleich zum Vorjahr schon fast verdoppelt. Bis Montag wurden über 11.000 Fälle gemeldet, teilte das Landesgesundheitsamt mit – vor einem Jahr waren es knapp 6200.

In Pforzheim und dem Enzkreis bestätigt sich dieser Trend: Hier waren bis gestern laut Gesundheitsamt 266 Influenza-Fälle bekannt – und damit fast schon so viele wie in der gesamten Grippesaison 2018/2019 (269). Der Höhepunkt der Krankheitswelle sei zudem noch nicht erreicht.

Nicola Arnet

Nicola Arnet

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