Pforzheim. Sie zählt zu den Traumstraßen der Erde: Die „Panamericana“ reicht von Alaska bis Feuerland. Radextremsportler Jonas Deichmann (31) aus Grunbach hat die 23.000 Kilometer lange Route unlängst in Nord-Süd-Richtung – und in Rekordzeit – durchfahren. In der Aula der Fritz-Erler-Schule berichtete er in Bild und Ton von seinem jüngsten Abenteuer.
„Nein durchgängig alleine ist man da nicht“, antwortet Deichmann einem interessierten Zuschauer. „Es gibt auch andere, die die Strecke mit dem Rad zurücklegen, auch Deutsche. Aber die lassen sich in der Regel zwei bis drei Jahre Zeit dafür“. Er selbst hat sich für die Strecke ein Zeitziel von 100 Tagen gegeben – und sie schließlich ohne Unterstützung Dritter in nur 97 Tagen bewältigt. Das ist sein inzwischen vierter Weltrekord (die PZ berichtete).
Den massiven Gegenwind beschreibt Deichmann als seinen schlimmsten Widersacher auf dieser Rekordfahrt: „Schon am zweiten Tag saß ich 17 Stunden im Sattel“. Die Zeit, die er seinem Körper auf dem Rad abringt, zählt er zu den beeinflussbaren Größen. Wind und Wetter sind die Unwägbarkeiten seines Trips. Nasse Klamotten wieder anziehen zu müssen, sei das Schlimmste. „In Zentralamerika hatte ich jeden Tag Regen. Und in Peru konstant Südwind. Wind in einer Stärke, die bei Seglern für eine Sturmwarnung reichen würde.“ Seine bereits im Rahmen der Eurasia Challenge 2017 bewährte Erfolgstaktik – „Kleine Ziele setzen, motivieren und (mit Schokolade) belohnen“ – vermittelt er inzwischen auch als Leistungs- und Mentalcoach bei Unternehmensseminaren.
Die Fritz-Erler-Schule hat er selbst besucht, die meisten Lehrer und ehemaligen Lehrer im Publikum kennen Deichmann noch persönlich. Vermutlich geht er hier auf die Besonderheiten der Strecke einen Tick ausführlicher ein, als auf die fraglos alles entscheidende Eigenmotivation. „In Mexiko hat mir das Fahren am meisten Spaß gemacht. Mitglieder der örtlichen Fahrradvereine haben mich erwartet und begleitet“. Dennoch sei er gerade hier aus Sicherheitsgründen nachts nicht gefahren und habe (ausnahmsweise) in Hotels geschlafen. „In Kolumbien habe ich im Tagesdurchschnitt 250 Kilometer geschafft – obwohl es die, auf dem Papier, schwierigste Teilstrecke war“.
Die 200.000 Höhenmeter nennt er „willkommene Abwechslung“, statt bloße Anstrengung. „Bergauf sieht man in den Anden gerade auf dem Rad sehr viel“, lässt er die knapp 60 Zuhörer im Atrium wissen, da sei ihm nicht langweilig geworden. „Stur geradeaus“, nennt er die Höchstschwierigkeit, „in gleichbleibend langweiliger Landschaft“. Und die Ernährung, das die gesamte Reise begleitende „größte Problem“. 10.000 Kalorien braucht er am Tag: Snickers, Kekse, hin und wieder Empanadas, die er meist im Sattel verzehrt.
Knapp über 50 Reifenpannen hat Deichmann in den 97 Tagen bewältigt. Die eigene Verbesserung seines Rekords, auch in Süd-Nord-Richtung, schließt Joans Deichmann aus: „Eine Strecke, die ich schon kenne, nochmals zu fahren, nur um die 100 Tage noch weiter zu unterschreiten, wäre für mich kein Ziel“.

