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13.12.2010

Inhaftiertes Brüderpaar der Hells Angels soll zweifachen Mord geplant haben

PFORZHEIM. Mit dem größten SEK-Einsatz des Landes Baden-Württemberg hat die Polizei am frühen Montagmorgen auf mutmaßliche Doppelmord-Pläne und einen versuchten Mord von Mitgliedern der Rockergruppe Hells Angels reagiert. Über die genauen Hintergründe können Staatsanwaltschaft und Polizei noch keine Auskunft geben, aber der drohende Bandenkrieg in Pforzheim könnte in einem persönlichen Zwist von Mitgliedern verschiedener Banden seinen Ursprung genommen haben. Drei Hells Angels sind derzeit in Haft. Zwei 25 und 35 Jahre alte Brüder stehen in Verdacht, am 27. November bei einer Massenschlägerei auf dem Güterbahnhof Schüsse auf Mitglieder der Türsteher-Vereinigung United Tribuns abgefeuert zu haben - in tödlicher Absicht. Und das Brüderpaar soll auch Mordpläne gegen zwei führende Mitglieder der United Tribuns geschmiedet haben.

Bildergalerie: Das Vereinsheim der Hells Angels an der Karolingerstraße in Pforzheim wurde von der Polizei durchsucht - 1

Bildergalerie: Die Waffen der Hells Angels

Ein weiterer, 22-jähriger Hells Angel sitzt derzeit ebenfalls wegen diverser Vergehen in Haft. Bei einem der Brüder waren nach der Massenschlägerei Schmauchspuren an der Hand festgestellt worden. Und: Die um 6 Uhr von über 900 Polizeibeamten, darunter rund 400 Beamte von Spezialeinsatzkommandos, mehrere Mobile Einsatzkommandos und Beweissicherungs- und Festnahme-Einheiten der Bereitschaftspolizei, sowie acht Staatsanwälten durchgeführte Hausdurchsuchung brachte in der Wohnung eines Bruders eine scharfe Waffe zu Tage. Die könnte die Tatwaffe vom 27. November sein. Eine weitere Schusswaffe, die ebenfalls als Tatwaffe in Frage käme, wurde in der von Hells Angels frequentierten Gaststätte "Plan B" gefunden.

Bildergalerie: Das Vereinsheim der Hells Angels an der Karolingerstraße in Pforzheim wurde von der Polizei durchsucht -2

Bildergalerie: Pressekonferenz zur Hells-Angels-Razzia

Insgesamt wurden bei der Razzia neun scharfe Schusswaffen, darunter eine abgesägte Schrotflinte, beschlagnahmt. Dazu gesellen sich noch Samuraischwerter, Macheten, Hieb- und Stichwaffen, Munition, Molotowcocktails und Anabolika. Jede Menge Handys, Computerfestplatten und andere digitalen Speichermedien haben die Polizisten mitgenommen. Gesammelt wurde das potenzielle Beweismaterial in 28 Objekten, die mit Mitgliedern der Hells Angels in Verbindung stehen. Darunter waren das Vereinsheim an der Karolingerstraße, die Gaststätte "Plan B", FKK-Clubs in Pforzheim und Bruchsal sowie Privatwohnungen.

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Davon lagen 16 Objekte im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Pforzheim, neun weitere Objekte in Baden-Württemberg (drei im Raum Karlsruhe, zwei im Raum Rastatt/Baden Baden, zwei im Raum Ravensburg, eines im Landkreis Calw und eines im Raum Offenburg), sowie in Rheinland-Pfalz (Raum Ludwigshafen) und in Bayern (Raum Lindau). Es wurden insgesamt 18 Personen des HAMC Chapter Borderland, darunter der Präsident und der Vize-Präsident zunächst festgenommen. Zwei Hells Angels erlitten bei den Festnahmen leichte Verletzungen. Polizeibeamte oder Unbeteiligte wurden nicht verletzt.

Im Zuge der Ermittlungen nach der Massenschlägerei - ein Hells Angels erlitt lebensgefährliche Stichverletzungen - wurde bekannt, dass die Hells Angels des in Pforzheim ansässigen Chapters Borderland einen konkreten Racheakt planen und führende Köpfe der United Tribuns töten wollen. Ziel der Durchsuchungen war es, weitere Beweismittel, insbesondere Waffen und Dokumente zu finden, mit denen sich der bestehende Verdacht gegen die Beschuldigten erhärten lässt.

Die Staatsanwaltschaft Pforzheim prüft im Hinblick auf die Auseinandersetzung vom 27. November und den bei der heutigen Aktion aufgefundenen Gegenständen unter anderem folgende Tatbestände: Versuchter Mord in Mittäterschaft, Verabredung zum Mord, schwerer Landfriedensbruch, Verstöße gegen das Waffengesetz, gefährliche Körperverletzungen und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Gegen jenes jetzt inhaftierte Brüderpaar der Hells Angels hat die Staatsanwaltschaft beim zuständigen Amtsgericht Haftbefehl wegen versuchten Mordes beantragt.



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