Pforzheim-Eutingen. Pforzheim-Eutingen. Insgesamt 400 Kilogramm des fast ausgestorbenen Wildkarpfens hat der Angelsportverein mit Unterstützung des Regierungspräsidiums Karlsruhe zwischen Pforzheim und Niefern in die Enz eingesetzt. Der Besatz erfolgte im Aufstau-Bereich in Niefern bis hoch zur B10-Brücke an beruhigten Stellen, sogenannten Gumpen. Dies deshalb, damit sich die Wildkarpfen verteilen konnten. Die hochrückigen Karpfen, auch Spiegelkarpfen genannt, sind Züchtungen mit mehr Masse und werden hauptsächlich in Teichen herangezogen.
Sie gelten als die ursprünglichste Karpfenart, erklärt Rolf Kümmel, erster Vorstand des Angelsportverein Eutingen.
„Karpfen, auch die Wildkarpfen, sind bei unserem Klima mit stetig steigenden Wassertemperaturen genügsam und stellen keine großen Ansprüche an ihre Lebensräume“, so Kümmel weiter.
Karpfen stehen auf Roter Liste
Die Wildkarpfen seien von der Körperform her nahe bei ihren Artverwandten, den Döbeln, mit mehr Stromlinienform angesiedelt und fühlten sich in Fließgewässern zu Hause. In den vergangenen Jahrzehnten sei der Wildkarpfen jedoch fast nur noch im Donaueinzugsgebiet und vereinzelt auch im Rhein zu finden. Mit großem Interesse haben die Vereinsmitglieder deshalb den Transport erwartet, um dem Wildkarpfen in der Enz einen neuen Lebensraum zu geben. Denn Wildkarpfen gelten immer noch als stark gefährdet und stehen in Baden-Württemberg auf der Roten Liste und werden für das Oberrheingebiet in der Kategorie zwei als stark gefährdete Art geführt. Auf Anregung des Angelvereins Linkenheim startete die Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe im Jahr 2018 deshalb ein Aufzucht-Programm. Da Wildkarpfen als Besatzfische auf dem freien Markt nur in begrenztem Umfang vorhanden sind und das Besatzmaterial von heimischen Wildkarpfen stammen soll, musste zuvor ein Laichfischbestand bereitgestellt werden, der es wiederum möglich macht, Besatzfische zum Aussetzen durch gezielte Vermehrung zu züchten.

Fische kommen aus Bayern
Mit Unterstützung der Angler gelang es, eine Fischzucht in Bayern zu finden, die seit Jahren große Erfahrungen in der Aufzucht von Karpfen hat und diese Aufgabe übernommen deshalb übernahm. In naturbelassenen Habitaten der Rheinauen werden jährlich Wildkarpfen entnommen und in die Aufzucht-Station nach Bayern gebracht.
Für die Aufzucht war es wichtig, dass nur Wildkarpfen gefangen wurden und keine Zuchtkarpfen. Erkennen lassen sich die Wildkarpfen an ihren langgestreckten, eher schlanken Körpern.
Die Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg hat zudem über Jahre Genproben der gefangenen Wildkarpfen entnommen. So hatte man die Bestätigung, dass es sich tatsächlich um die Urform handelt und keine Zuchtkarpfen eingekreuzt waren. Zurück in die Gewässer mit Rheinanbindung, zu denen auch die Enz zusammen mit dem Neckar gehört, dürfen die Jungfische erst, wenn sie nach zwei Jahren eine Größe von etwa 30 Zentimetern erreicht haben. Sie gelten dann als „kormoransicher“ und haben somit eine wesentlich größere Chance auf eine erfolgreiche Auswilderung.
Tiere vermehren sich
„Elektrobefischungen in schon mit Wildkarpfen besetzten Gewässern haben bestätigt, dass sich die ausgesetzten Wildkarpfen zwischenzeitlich wieder ausreichend natürlich reproduzieren“, erklärt Stephan Hüsgen von der Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe. „Die Vermehrung hat nach kleinen Anfangsschwierigkeiten so gut geklappt, dass wir an weiteren Gewässern junge Wildkarpfen aussetzen konnten“, so Hüsgen weiter.
Die Jungfische tummeln sich jetzt auch im Neckar bei Ladenburg, Heidelberg und Neckargemünd und auch in der Enz bei Eutingen und Niefern. „Wir schätzen die Zusammenarbeit mit den Angelvereinen sehr“, sagt Hüsgen. „Sie wissen am besten, welche Gewässer bevorzugt als Lebensraum genutzt werden. Ohne ihr tatkräftiges Anpacken wären solche Aktionen nicht möglich“.

