Einsatz Abschiebehaftanstalt JVA
Beamte machen sich am frühen Abend an der Erbprinzenstraße bereit für den Einsatz in der Abschiebehaftanstalt. Meyer
Meyer
Einsatz Abschiebehaftanstalt JVA
Ein interner Konflikt in der Anstalt an der Rohrstraße ruft die Polizei auf den Plan.
Meyer
Einsatz Abschiebehaftanstalt JVA
Schwere Geschütze fahren vermummte Einsatzkräfte nach dem Alarm auf.
Meyer
Pforzheim
Interner Konflikt sorgt für helle Aufregung um Abschiebehaftanstalt

Pforzheim. „Renitente Insassen“ rufen Großaufgebot von teils vermummten Polizeikräften auf den Plan. Erst nach vier bangen Stunden gibt es Entwarnung.

Das Geschrei mehrerer Männer dringt aus der Abschiebehaftanstalt in der Oststadt. Insassen klopfen heftig gegen die Fenster. Sie kreuzen die Arme, offenbar um zu zeigen: Wir sind hier eingesperrt. Einer ruft: „Liberté!“ Rettungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes rücken an. Es ist Donnerstagabend, 22 Uhr. Da läuft bereits über Stunden ein Großeinsatz vor Ort.

Dieser hatte sich schon am frühen Abend mit einer Serie heulender Sirenen angekündigt. „Fast alle verfügbaren Einsatzkräfte des Polizeipräsidiums Pforzheim sind vor Ort“, bestätigt ein Polizeisprecher kurz darauf. Auslöser ist ein Alarm aus der Abschiebehaftanstalt. Bedienstete haben gegen 18.15 Uhr „renitente Insassen“ gemeldet. Die Lage scheint ernst. Ein Beamter vor der Anstalt nennt sie „statisch, aber gefährlich“. Die Formulierung deutet auf eine Art Gefangenenaufstand hin.

Insassen verbal aggressiv

Erst nach Abschluss des Einsatzes nach 22 Uhr werden weitere Details bekannt: So sollen vor dem abgesetzten Alarm mehrere Personen gegenüber Mitarbeitern der Abschiebehafteinrichtung verbal aggressiv gewesen sein. Die Ursache sei noch nicht abschließend geklärt. So steht es in der Abschlussmitteilung des Pforzheimer Polizeipräsidiums.

Schon zuvor hatte es gegenüber Medienvertretern vor Ort geheißen: Es handelt sich weder um eine Bedrohungslage noch eine Geiselnahme. Es habe einen internen Konflikt gegeben, so teilt es Polizeisprecherin Anna Schwalbe mit. Weder seien Bedienstete bedroht worden, noch seien die Insassen bewaffnet. 20 sind laut Polizei beteiligt. Ihnen stehen 30 Einsatzkräfte gegenüber.

Die hiesigen Beamten müssen offenbar schon durch externe Einsatzkräfte unterstützt werden.
Del Nunzio

Aber von vorne: Eigentlich organisiert die Polizei just an diesem Tag ihren Whatsapp-Marathon. Dieser wird sofort beendet. Der Fokus gilt nun ganz der brisanten Lage. Neun Einsatzwagen sind gegen 18.30 Uhr zu sehen. Schwerbewaffnete und großteils vermummte Kräfte machen sich bereit, darunter auswärtige Experten. Der Bereich um die Kreuzung von Erbprinzenstraße und Rohrstraße wird im Umkreis von 30 Metern gesperrt. Autofahrer und Passanten müssen auf die Anshelmstraße oder Lindenstraße ausweichen. Anwohner dürfen nicht in ihre Wohnungen. Das alles bei strömendem Regen.

Das Gros der Polizisten ist da bereits in der Anstalt. In einer ersten, kurz nach 19.15 Uhr versandten Pressemitteilung wählt die Polizei eben jene Formulierung, die auf eine Art Revolte hindeuten könnte: „renitente Insassen“. Es bestehe „keine konkrete Gefahr für unbeteiligte Dritte außerhalb des betreffenden Gebäudes sowie innerhalb“.

Zu sehen ist kurz am Fenster ein mutmaßlicher Insasse, der dann den Vorhang zuzieht.
Erb

Absperrung kurz aufgehoben

Derweil wird das Aufsehen vor Ort größer. Gegen 19.45 Uhr wird die Absperrung kurz aufgehoben, Anlieger dürfen zu ihren Wohnungen. Doch dann ist erneut alles dicht. Gegen 20.30 Uhr meldet das Präsidium, die betreffenden Insassen befänden sich in einem „separierten räumlichen Bereich“. Eine halbe Stunde später ist kurz eine Person am Fenster zu sehen, mutmaßlich ein Insasse, der den Vorhang zuzieht. Einen Hinweis auf etwaige Verletzte gibt es da nach wie vor nicht. Dennoch fährt ein Rettungswagen vor.

Gegen 22 Uhr dringen dann Schreie aus der Anstalt. So sei dies bereits am Mittag gewesen, berichtet eine Anwohnerin. Es habe einen Notarzteinsatz gegeben. Kurze Zeit später dann die Entwarnung. Die Insassen hätten sich schließlich kooperativ gezeigt und seien im Anschluss widerstandslos auf ihre Zimmer gebracht worden, so die Polizei. Die Ermittlungen dauern an.

VG WORT Zählmarke