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Symbolbild: Fotolia 

Iraker schlägt Tochter: Gutachterin sieht keine akute Lebensgefahr

Pforzheim. Der zweite Prozesstag wegen gefährlicher Körperverletzung und Missbrauchs Schutzbefohlener vor der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe bestätigte, was der Arzt des Helios Klinikums, der die damals Elfjährige nach den Schlägen durch ihren Vater behandelte, bereits ausgesagt hatte: Die Verletzungen des Mädchens waren nicht lebensbedrohlich. Dennoch warf der bedenkliche Gesundheitszustand des Kindes kurz nach der Tat einige Fragen auf – und der Vorsitzende Richter Andreas Heidrich wandte sich mit deutlichen Worten an die Familie des Angeklagten 32-Jährigen.

Noch bevor der Vorsitzende Richter Andreas Heidrich am zweiten Prozesstag wegen gefährlicher Körperverletzung und Missbrauchs Schutzbefohlener den ersten Zeugen aufruft, richtet er das Wort an die erneut im Saal anwesende Familie des 32-jährigen angeklagten Irakers, der seine damals elfjährige Tochter geschlagen haben soll: Nach dem Prozessauftakt habe diese versucht, Einfluss auf die Kammer zu nehmen. „Wenn das noch einmal passiert, werde ich nicht zögern, meine Möglichkeiten auszuschöpfen“, ließ Heidrich den Dolmetscher an die Familie gewandt übersetzen.

Nachdem vergangene Woche bereits die Aussagen von Vater, Tochter sowie Nachbarn und Augenzeugen gehört wurden, berichteten an diesem Montag unter anderem Polizisten vom Einsatz an jenem 10.Juni an der Emma-Jaeger-Straße vor der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe. So erklärte ein Beamter, dass Mädchen habe ausgesagt, dass sie und die Mutter vom Vater geschlagen worden seien – das stimmt mit den Angaben überein, die das Opfer bei der Vernehmung gegenüber einem Richter gemacht hatte, der ebenfalls angehört wurde. Inwieweit die Videoaufzeichnung der Vernehmung und die Aussagen der Beamten bei der Urteilsfindung gewertet werden können, ist jedoch fraglich – denn die inzwischen Zwölfjährige habe als Tochter des Angeklagten Anspruch von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht gemacht, wie Heidrich im Laufe der Verhandlung erklärte.

Gegen Ende des zweiten Prozesstags kam Gerichtsmedizinerin Kathrin Yen zu Wort. Diese bestätigte in ihrem Gutachten die Einschätzung des Chefarzts der Kinder- und Jugendabteilung des Helios-Klinikums, wonach lediglich eine „abstrakte“ Lebensgefahr für das Mädchen bestanden habe. Was für die Medizinerin zweifelsfrei feststeht: Dem Mädchen wurde ein harter Schlag mit der Faust aufs rechte Auge versetzt – der hätte theoretisch zu einer tödlichen Hirnblutung führen können, der klinische Befund wies jedoch lediglich einen nicht lebensbedrohlichen Augenhöhlenbodenbruch auf. Auch habe sie keine frischen Hämatome oder Brüche, die bei Schlägen oder Tritten gegen den Brustkorb hätten auftreten müssen, bei dem Kind feststellen können.

Mehr über den zweiten Verhandlungstag lesen Sie am Dienstag, 6. November, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.