Große Freude bei Christine Fischer, Claudia Wexel, Waldemar Meser (vorne), Frank Werthwein, Gabriele Schächinger, Peter Boch, Marthe Soncourt (vorne), Christof Weisenbacher, Peter Wagner und Daniela Janssen (von links). Foto: Roller
Pforzheim
Jetzt offiziell: Pforzheimer Radler-Initiative Kidical Mass ist familienfreundlich
  • Nico Roller

Pforzheim. Die Kidical Mass erhält den Familienfreundlichkeitspreis der Stadt Pforzheim. Die Auszeichnung, eine Art Wanderpokal, wurde am Samstag vom Vorgänger-Preisträger Wartbergbad-Förderverein in Pforzheims großem Freibad im Beisein von Preisinitiator Waldemar Meser und OB Peter Boch übergeben. Dieser legte ein Bekenntnis zu Wartbergbad und mehr Radverkehr ab.

Als die Kinder mit ihren Eltern vor dem Wartbergbad ankommen, wartet dort bereits Peter Boch auf sie. Der Oberbürgermeister will ihnen eine Auszeichnung überreichen: Der Familienfreundlichkeitspreis der Stadt geht an die Kidical Mass, die regelmäßig mit großen Fahrradtouren auf die Bedeutung sicherer Radwege für Kinder und Jugendliche aufmerksam macht. Das hat sie auch am Samstag getan – und im Anschluss an die Preisverleihung noch ein paar schöne Stunden im Wartbergbad verbracht, ermöglicht vom Wartbergbad-Förderverein, von Pforzheim Mitgestalten, vom Jugendgemeinde- und Gesamtschülerrat, Kinderschutzbund, Allgemeinen Deutschen Fahrradclub, Verkehrsclub Deutschland und Stadtjugendring.

Dass der von Waldemar Meser gestiftete und als Wanderpokal konzipierte Preis am Wartbergbad verliehen wird, liegt daran, dass ihn der dortige Förderverein 2020 erhalten hatte. „Ich finde es wunderbar, dass sie sich für das Bad so hervorragend einsetzen“, sagt Boch zu den Vertretern des Vereins und betont, er stehe „zu 100 Prozent“ hinter Förderverein und Wartbergbad. Auch für die Kidical Mass gibt es Lob vom Oberbürgermeister: Sie zeige, wie wichtig es sei, eine bessere Radwegeinfrastruktur zu schaffen. Auch ihm sei an Verbesserungen gelegen, sagte Boch und kündigte an: Wo es möglich sei, wolle er schnell in die Umsetzung kommen. Die Kidical Mass nimmt ihn beim Wort. Dort freut man sich sehr über den Familienfreundlichkeitspreis und versteht ihn als Ansporn, weiterzumachen, nicht leiser zu werden. „Die Auszeichnung zeigt, dass wir wahrgenommen werden in der Stadt“, sagt Marthe Soncourt, die eine von mehreren Engagierten ist.

Einen Vorsitzenden hat die Kidical Mass nämlich nicht, die 2019 aus der Critical Mass entstanden ist. Beide gehören eng zusammen und setzen sich für mehr sichere Radwege ein. Diese sind laut Soncourt in Pforzheim nämlich aktuell noch Mangelware. Baulich getrennte Alltagsradwege gebe es nicht, auch nicht zum Wartbergfreibad, das gerade bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt ist. Auch hier wünscht sich die Kidical Mass eine Verbesserung und lässt das Argument der steilen, angeblich nur schwer überwindbaren Steigungen nicht gelten: „Die Kinder schaffen das, die haben Biss“, sagt Soncourt: „Kinder, die in Pforzheim aufgewachsen sind, kennen die Hügel.“ Doch viele von ihnen hätten Angst, allein mit dem Rad zu fahren. Und viele Eltern hätten ein schlechtes Gefühl. „Kinder sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer“, sagt Kirstin Heissenberger, die noch auf einen ganz anderen Aspekt verweist: auf die Nachhaltigkeit. Ein Thema, bei dem man schon bei den Kleinen anfangen müsse. „Wenn es für Kinder von Anfang an normal ist, mit dem Rad zu fahren, dann setzen sie das auch als Jugendliche und Erwachsene fort.“

Christine Fischer sagt, sicher Radfahren zu können, bedeute für Kinder und Jugendliche ein großes Stück Freiheit, denn es sei für sie die schnellste und kostengünstigste Art sich fortzubewegen. Mit dem Fahrrad seien sie weder auf öffentliche Verkehrsmittel noch auf ihre Eltern angewiesen. So ließen sich auch die Elterntaxis vor den Schulen deutlich reduzieren, was wiederum die Verkehrssicherheit insgesamt erhöhe. Fischer und ihre Mistreiter geben nicht auf: Die nächste Kidical Mass ist für den 24. September geplant.