Pforzheim. Bei Niclas Arres läuft es derzeit wie am Schnürchen: Nachdem der frischgebackene Autosattler mit seinem Gesellenstück nicht nur Sieger der Handwerkskammer Karlsruhe geworden war, sondern auch den Landesleistungswettbewerb gewonnen hatte, ist der 20-Jährige seit dem vergangenen Wochenende auch stolzer Bundessieger.
„Es war eine sehr knappe Entscheidung“, erzählt der junge Handwerker, der im elterlichen Betrieb gelernt hat. Es sei bei der Bewertung um Nachkommastellen gegangen. Und doch konnte Arres sich beim Wettbewerb in Bremen am Ende gegen die fünf Mitstreiter durchsetzen. „Anfangs war ich echt unsicher, ob das klappt“, gesteht der 20-Jährige. Man bekomme ja auch mit, was die Konkurrenz so mache. Es sei interessant gewesen, zu sehen, wie die anderen arbeiteten. Dabei sei es ein angenehmes Miteinander gewesen.
„Wir haben sogar Material und Werkzeug ausgetauscht“, erzählt Arres. Ungewohnt sei es ja ohnehin für alle gewesen: eine fremde Werkstatt, eine andere Nähmaschine. Da musste man auch mal improvisieren. Insgesamt drei praktische Aufgaben warteten auf die Teilnehmer. Innerhalb von 13 Stunden galt es an zwei Tagen, einen Motorradbank-Rohling mit Kunstleder zu beziehen, eine Scheibe in ein Verdeckteil einzunähen sowie verschiedene Handstiche auf einer Platte zu demonstrieren.
Die nächste Überraschung wartete am Sonntagabend am Pforzheimer Hauptbahnhof. Dort empfingen den Gewinner 25 Verwandte und Freunde, großteils vom hiesigen Porscheclub. Auch damit hatte er nicht gerechnet. Er hatte sich nur kurz gewundert, weshalb ihn die Eltern nicht in Vaihingen abholen konnten.
Und wie geht es nun weiter? Ob er irgendwann den in vierter Generation geführten Familienbetrieb an der Sophienstraße in der Oststadt von Vater Oliver, der im Übrigen in den 1980er-Jahren selbst zweiter Bundessieger wurde, übernimmt, steht noch in den Sternen. „Das ist eine schwierige Entscheidung“, gesteht er. Jetzt steht erst einmal noch die offizielle Siegerehrung in Wiesbaden an.


