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Gelungene Kooperation: Nachwuchsfotograf Karl Scholten mit der Leiterin des Kulturhauses Osterfeld, Maria Ochs (rechts), und Pfarrerin Nicola Friedrich.
Gelungene Kooperation: Nachwuchsfotograf Karl Scholten mit der Leiterin des Kulturhauses Osterfeld, Maria Ochs (rechts), und Pfarrerin Nicola Friedrich.
24.07.2016

Karl Scholten hat mit 16 bereits eine eigene Fotoausstellung im Hof des Kulturhauses Osterfeld

Pforzheim. Er gibt sich bescheiden, große Worte liegen ihm nicht. Dabei ist ihm das gelungen, wovon viele Künstler träumen: Karl Scholten aus Pforzheim hat seine eigene Fotoausstellung – mit gerade 16 Jahren. Im Rahmen des Projekts „Kulturcontainer“ zeigt das Kulturhaus Osterfeld im Innenhof die Bilder des Nachwuchsfotografen.

Insgesamt 17 Schwarzweißfotografien hängen dort in einem blauen Container. Zu sehen sind vor allem Alltagsszenen, Menschen beim Kochen, beim Essen und bei gemeinsamen Unternehmungen. Die Bilder hat Karl Scholten bei seinen Treffen mit Flüchtlingen gemacht. „Im vorigen Jahr haben mein Bruder, einige Freunde und ich begonnen, uns einmal pro Woche mit Flüchtlingen aus der Steubenstraße zum Kegeln zu treffen“, erzählt Karl. „Wir haben uns gut unterhalten und kennengelernt.“ Nach einiger Zeit wurde das Kegeln aber immer mehr zur Nebensache. Die Gruppe hat angefangen, zusammen landestypische Gerichte zu kochen, ist Angeln gegangen und auf den Bauernhof gefahren. „Da habe ich spontan ein paar Fotos gemacht“, erinnert sich der 16-Jährige.

Nach einer Weile habe sich daraus die Idee entwickelt, eine Fotoserie über das Miteinander von Einheimischen und Flüchtlingen zu gestalten. Ein halbes Jahr lang hat Karl die Aktivitäten mit seiner Spiegelreflexkamera festgehalten. Über 5000 Aufnahmen hat er gemacht. Dem 16-Jährigen ist es wichtig, dass seine Bilder ausdrucksstark sind und eine Handlung zeigen. „Ich bin kein Technik-Freak, sondern fotografiere nach Gefühl“, sagt Karl, der erst vor zwei Jahren angefangen hat, sich intensiv mit der Fotografie auseinanderzusetzen. „Am Anfang habe ich vor allem Natur und Landschaft fotografiert“, erinnert er sich. Im zurückliegenden Jahr hat er den Deutschen Jugendfotopreis gewonnen. Wenn der Gymnasiast in gut zwei Jahren sein Abitur in der Tasche hat, würde er am liebsten Dokumentarfilm studieren. Mit den Flüchtlingen aus der Steubenstraße wird sich Karl auch weiterhin treffen. „Das macht unheimlich viel Spaß“, erzählt er und grinst.

Für viele von ihnen ist Karl zu einem Freund geworden. Kein Wunder, dass einige zur Eröffnung der Ausstellung gekommen sind und gratulieren. „Es freut mich, dass sich die Jugendlichen so gut verstehen“, sagt Nicola Friedrich. Sie ist Pfarrerin der Pforzheimer Matthäusgemeinde und hat die Kegelbahn im Gemeindehaus für die Treffen mit den Flüchtlingen zur Verfügung gestellt. Sie war es auch, die den Kontakt zum Kulturhaus hergestellt hat. Dort war Maria Ochs begeistert. „Die Fotos sind so schön und charmant, dass wir beschlossen haben, dass man sie einem größeren Publikum zeigen muss“, erzählt die Leiterin des Kulturhauses. „Wenn man die Bilder ansieht, hat man das Gefühl, man sei dabei gewesen, man kann das Essen auf den Fotos fast riechen“, sagt Ochs lächelnd. Noch bis 3. September ist die Ausstellung im Innenhof des Kulturhauses zu sehen. Interessant dürfte sie vor allem für die Besucher des Open Air-Kinos sein.