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Harmonisches und vergnügliches Miteinander: Andrea Vetter mit den Tagespflegekindern Rosa, Elisa, Theo und Jona.  Foto: Clauss 

Kindertagespflege: Immer mehr Eltern in Pforzheim nutzen das Angebot

Pforzheim. Nach längerer Pause ist jüngst die Kindertagespflege wieder in den Fokus des Gemeinderats gerückt, als es um eine Entscheidung zur Finanzierungssicherheit ging. Seitdem ist sie für Tageseltern und Familien noch attraktiver. „Die Kindertagespflege ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil in der Kinderbetreuungslandschaft Pforzheims, der sich zu einem eigenen, qualitätsbewussten Teil der Kinderbetreuung entwickelt hat“, so Sozialbürgermeister Frank Fillbrunn. Aktuell werden rund 200 Pforzheimer Kinder auf diese Art betreut. Und die Nachfrage wächst weiter.

Was ist das Besondere an der Kindertagespflege?

Die Betreuung kann sowohl im Haushalt der Tagespflegeperson als auch bei den Eltern des Kindes erfolgen. „Die Eltern schätzen die Möglichkeit, stundengenaue Zeiten vereinbaren zu können“, erläutert Cornelia Wolff, die diese Abteilung des Jugend- und Sozialamts leitet. Auch die Betreuung im familienähnlichen Umfeld überzeuge. In Pforzheim können Eltern von Kindern unter drei Jahren zusätzlich das Angebot von Tagespflege in anderen Räumen (TaPiR) nutzen, in dem zwei Personen maximal neun Kinder in angemieteten Räumen betreuen – auch solche mit zusätzlichem Förderbedarf. Neben der Betreuung in einer Kita haben Eltern die Möglichkeit, ihr Kind bis zum 14. Geburtstag von einer Tagespflegeperson betreuen zu lassen. Für Kinder über drei Jahren findet sie in der Regel bis zum Kitaeintritt, als Ergänzung zur Betreuung in einer Kita oder ergänzend zu Schule oder Hortbetreuung statt.

Wie wird man Tagesmutter oder Tagesvater?

Man muss eine Qualifizierung absolvieren und Unterlagen vorlegen, etwa Führungszeugnis und Nachweis über einen Erste-Hilfe-Kurs. Potenzielle Räumlichkeiten würden per Hausbesuch geprüft, erklärt Angelika Hermann, Koordinatorin beim Jugend- und Sozialamt. „Die Qualität des Angebots, die Sicherheit der Kinder, das gute Miteinander von Tagespflegeperson, betreutem Kind und dessen Familie sind das Wichtigste, damit die Betreuung für alle passt“, ergänzt Kollegin Melanie Deutsch. Die Qualifizierung von Tageseltern wurde in Baden-Württemberg von 160 auf 300 Unterrichtseinheiten erweitert, was das Jugend- und Sozialamt begrüße. In Pforzheim ist die Begleitung von Tagespflegepersonen an den Kinderschutzbund übertragen und erfolgt dank Förderung kostenfrei. Der neu konzipierte Qualifizierungskurs beginnt am Mittwoch, 2. März. Anmeldungen sind noch möglich. Er findet abends beziehungsweise samstags statt. Nach den ersten 50 Einheiten ist ein Einstieg in die Tätigkeit möglich.

Wie läuft das genau?

Die Vermittlung erfolgt durchs Tagespflegebüro beim Kinderschutzbund. Die Betreuung von Kindern im eigenen Haushalt ermöglicht neben guter Vereinbarkeit von eigener Familie und Beruf die individuelle Betreuung. Als selbstständig tätige Tagespflegeperson bestimmt man Betreuungszeiten, Tagesablauf und die Zusammenarbeit mit den Eltern. Es können maximal fünf Kinder gleichzeitig betreut werden. Man schließt mit Eltern einen Betreuungsvertrag und erhält vom Jugendamt die sogenannte laufende Geldleistung. Die Eltern bezahlen den festgesetzten Kostenbeitrag, analog zum Kitabeitrag. In Pforzheim betreuen bereits 50 Qualifizierte in ihrem Haushalt Kinder.

Was berichten Tagespflegepersonen?

Andrea Vetter betreut seit 18 Jahren Tagespflegekinder. Ihr Konzept entwickelte sie selbst, nahm sich den Bildungsplan als Grundlage. „Wenn ich dann das Vertrauen des Kindes in der Eingewöhnung gewinnen kann, ist das immer ein schöner Augenblick“, sagt sie: „So bin ich gerne eine liebevolle Wegbegleiterin und auch immer ein wenig wehmütig, wenn ich wieder ein Kind in den Kindergarten ‚entlassen‘ muss.“ Sarah Preuß genießt neben der Flexibilität die Zeit mit den Kindern in der Natur: „Zu sehen, wie die Kinder groß werden und auch dazu beizutragen, ist ein schönes Gefühl.“ Sandra Dakhlaoui, ausgebildete Erzieherin, entschied sich nach der Geburt zweier Töchter nicht für eine Rückkehr in die Kita, sondern für eine Tätigkeit als Tagespflegeperson. „So kann ich wieder mit Kindern arbeiten, aber im Vergleich zur Arbeit in der Kita betreue ich weniger Kinder gleichzeitig. Dadurch habe ich viel mehr Zeit, auf jedes einzelne Kind einzugehen.“ Auch die Betreuung ihrer eigenen Kinder sei dadurch leichter zu organisieren. Interessierte aus Pforzheim melden sich telefonisch unter (0 72 31) 5 89 76 14 beim Kinderschutzbund.