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Die Evangelische Kirche öffnet Flüchtlingen die Tür: Corinna Wahr (Bauabteilung), Verwaltungs-Chef Frank Burghardt, Dekanin Christiane Quincke und Architekt Stephan Däsler (von links).  Foto: Meyer 

Kirche vermietet an Flüchtlinge: Mieteinnahmen für die einen, Wohnraum für die anderen

Pforzheim. Noch gehen die Handwerker ihren Gewerken nach; es riecht nach Farbe, die Toiletten sind noch nicht funktionstüchtig, im Treppenhaus steht noch ein Gerüst. Und doch werden in ein paar Tagen die ersten zwei von insgesamt sieben Wohnungen bezugsfertig sein – da sind sich Architekt Stephan Däsler (Büro db3/Stuttgart) und der Leiter der Evangelischen Kirchenverwaltung, Frank Burghardt, sicher.

Die Kirche wird als Vermieter auftreten – für insgesamt 36 Menschen aus dem Mittleren Osten, allesamt Familien. Auf 750 Quadratmetern werden sie an der Altstädterstraße 17 leben.

Das ehemalige, 1965 erbaute Gemeindehaus neben dem Kindergarten und der ältesten Pforzheimer Kirche ist umgebaut worden – für rund 1,7 Millionen Euro. 25 Prozent, also rund 480 000 Euro, sind Fördergelder des Landes. Dieser, über die L-Bank laufende Zuschuss wurde im Rahmen des Landesprogramms „Wohnraum für Flüchtlinge“ gewährt, war eine Reaktion auf den Flüchtlingszustrom 2015 und lief 2017 aus – abgelöst durch das weiter gefasste Programm „Wohnungsbau BW“ für Sozialmietwohnraum. Die Entscheidung des Stadtkirchenrats und der Synode musste seinerzeit schnell fallen, denn die Antragsteller bei der L-Bank standen Schlange. Man kam gerade noch zum Zuge – und dann sollte es weiter schnell gehen: Binnen neun Monaten nach der Fördermittelzusage musste mit dem Umbau begonnen werden. Und der hält sich finanziell tatsächlich im vorgegebenen Rahmen – was auch die Synodalen freuen dürfte, die am Donnerstag das fast fertige Ergebnis betrachten konnten.

Der geförderte Wohnraum muss mindestens zehn Jahre ab Bezugsfertigkeit für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stehen - oder, falls kein Bedarf mehr besteht,als sozialer Mietwohnraum genutzt werden. Der klammen Kirche hängt die Immobilie nicht mehr wie ein Klotz am Bein, sondern beschert ihr Mieteinnahmen – und sie werde ihrer sozialen Verantwortung gerecht, so Dekanin Christiane Quincke: „Das dient auch dem sozialen Frieden in der Stadt.“

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