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Die Artistinnen beherrschen die Disziplin der Kontorsion und können ihre Körper in unmögliche Positionen verdrehen.  Foto: Fux 

Körperbeherrschung vom Feinsten: Chinesische Artisten verzaubern Publikum im Congresscentrum

Pforzheim. Das Feuerwerk der Artistik, Körperbeherrschung vom Feinsten, Tradition und Geschichte aus dem Reich der Mitte, das der Chinesische Nationalcircus bietet, wird ermöglicht durch eine gelebte Einheit von Körper, Geist und Seele. Hinzu kommen ein unglaublicher Teamgeist und die Sicherheit sich auf den anderen verlassen zu können. Beides ist von Nöten, wenn in schwindelerregenden Höhen Saltos geschlagen, Menschen nach oben katapultiert werden, Balance gefragt ist und menschliche Körper aufeinander aufbauen und zu einer Einheit verschmelzen. Man sollte Worte wie faszinierend, atemberaubend, fantastisch oder auch traumhaft nicht inflationär verwenden, aber für die Show, die der Chinesische Nationalcircus am Mittwochabend im Pforzheimer CongressCentrum – leider teilweise vor leeren Besucherstühlen ablieferte - treffen sie voll und ganz zu.

Eingebettet ist das Zusammenspiel aus atemberaubender Akrobatik und poetischem Tanz in eine Geschichte, bei der die Mitglieder einer renommierten chinesischen Circus Akademie aufgrund eines Bergrutsches nicht wie üblich zu ihren Familien reisen können und das Neujahrsfest, vergleichbar mit Weihnachten, zusammen in der Schule verbringen müssen und so gemeinsam zu Höchstleitungen auflaufen.

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Chinesischer Nationalcircus zu Gast in Pforzheim

Bei manchen Circus-Nummern wird erst auf den zweiten Blick klar, was Hand und Fuß ist. Einige Frauen scheinen biegbar und ohne Knochen – wie Schlangen – zu sein. Denn die Artisten verdrehen ihre Körper in Positionen, die für die meisten Menschen unerreichbar bleiben. Ein Metier, das eben nur Kontorsion-Künstler beherrschen. Denn die Chinesen sind Meister in ihren Parade-Disziplinen, darunter auch Äquilibristik, Artisten die ihre Körper auf dem Seil oder auf Gegenständen balancieren und ihn im Gleichgewicht halten. Zur Augenweide werden Vorführungen mit dem Schleuderbrett, die Teller-Jonglage, höchste Zirkuskunst auf dem russischen Baren und Kung-Fu-Darbietungen, artistisches und akrobatisches Handwerk, das die Chinesen wie kaum eine andere Nation beherrschen. Zu all dem körperlichen Geschick kommen farbenprächtige Gewänder, bunte Drachen, denen Männer mit raschen Bewegungen zum Leben verhelfen und wunderschöne, märchenhafte Bühnenbilder und bezaubernde Choreografien.

Rund 30 Meisterakrobaten der „Hunan Acrobatic Troupe of China zeigen unter der Regie von Raoul Schoregge und einer Choreografie von Sun Qing Qing in „Happy Chinese New Year“ ein besonderes Best of Programm aller legendären Höhepunkte der Chinesischen Akrobatik. Da verwunderte es nicht, dass dem Pforzheimer Publikum immer wieder der Atem stockt, wenn beispielsweise auf einem mehrere Meter hohen Turm aus Stühlen, der bis zur Decke reicht, ein Artist mit Leichtigkeit einen Handstand macht und ein Zuschauerkind strahlt, als es über allen Artisten thront, ein anderes verzaubert die Karten-Magie einer Künstlerin. Das Publikum kommt aus staunenden Aaaah-und Ooooooh-Rufen nicht mehr heraus und spendet am Ende minutenlangen Applaus.