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Gerhard Reister auf dem Waag-Steg, der die „Insel“ mit dem ehemaligen Gelände der Landesgartenschau verbindet.  Foto: Frei 

Kommunalpolitiker, Pädagoge und Freund der Musik: Gerhard Reister feiert 80. Geburtstag

Pforzheim-Eutingen. Danach gefragt, an welchem Lieblingsplatz in Eutingen das PZ-Gespräch zu seinem 80. Geburtstag stattfinden könnte, muss Gerhard Reister nicht überlegen: auf der „Insel“ beim Waag-Steg, lässt der erste Ortsvorsteher von Pforzheims größten Stadtteil wissen. An diesem Sonntag feiert Reister seinen runden Ehrentag.

Geboren am 18. August 1939 in Franztal/Semlin, das heute zu Belgrad gehört, musste die Familie (Eltern und drei Kinder) im Oktober 1944 vor dem Einmarsch der russischen Armee aus seiner jugoslawischen Heimat und dem fast rein deutschen Dorf fliehen. In Schärding am Inn, an der österreichisch-deutschen Grenze, fanden die Reisters ihre erste Bleibe. Der Vater, ein Blechnermeister, sah im Nachbarland größere Chancen in seinem Beruf. Dem Landkreis Pforzheim zugeteilt, entschied er sich für Eutingen, da dies verkehrsgünstig an der Bahn gelegen war.

Gerhard Reister ging zur Volksschule in Ort und wechselte dann ans damalige Kepler-Gymnasium (heute Hebel). Da er schon mit 16 Jahren als Leiter des Posaunenchors gerne mit Jugendlichen zusammenarbeitete, „das hatte mit Spaß gemacht“, war schon früh der Wunsch gefasst, Lehrer zu werden. In Ispringen unterrichtete er 39 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung (1994). Und nicht nur das. Obwohl er weiterhin in Eutingen lebte – 1967 heiratete er, das Ehepaar bekam zwei Kinder und hat fünf Urenkel – engagierte sich Reister in Ispringen als Leiter des Schulchors, des evangelischen Kirchenchors und der Gesangsabteilung des Turnvereins. Der begeisterte Gitarre-Spieler und Sänger („ich liebe Chormusik“) ist auch heute noch diesem Metier verbunden. Einmal im Monat organisiert er mit Willibald Ertl ein „offenes Singen“ im Ispringer Haus „Regenbogen“ und er spielt in der Gruppe „Jahreszeiten“.

Familienvater, Pädagoge, Musikliebhaber und zudem Kommunalpolitiker – 1968 war Gerhard Reister für die CDU in den Eutinger Gemeinderat gewählt worden. Als der Kampf der größten Kommune im Alt-Kreis Pforzheim für die Selbstständigkeit am Ende doch vergebens war, übernahm er sozusagen als Nachfolger des letzten Bürgermeisters Wilhelm Zorn zusätzliche Verantwortung als Ortsvorsteher. Bis er 1994 meinte, „jetzt ist genug, denn alle großen Aufgaben sind erledigt.“ Mit gutem Gewissen habe er sein Amt abgegeben. „Es war mir gegönnt, vieles mit beeinflussen zu können“, bemerkt er im Rückblick.

In der „Ära Reister“ wurde unter anderem die Eutinger Ortsmitte saniert, Turnplatz und Turnhalle neu gestaltet, die Schwimmhalle eröffnet, der heute nicht mehr bestehende Fußballclub konnte sich erweitern, es entstanden Tennisplätze, die Kanalisation wurde ausgebaut, Neubaugebiete erschlossen, im historischen Schafhaus das Bäuerliche Museum eröffnet, das alte E-Werk zu einem Bürgertreffpunkt nebst Vereinsräumen umgestaltet und im Rahmen der Landesgartenschau (LGS) 1992 ein Flusskraftwerk und die neue Enzbrücke (B10) gebaut.

Die LGS, „sie war auch ein Glücksfall für Eutingen“, wurde zum Auslöser, dass auf der „Insel“ die Krautgärten angekauft wurden, um ein Naherholungsgebiet mit Kinderspielplatz, Bolzplatz und einem Dorfbach („darauf bin ich besonders stolz“) zu schaffen. Spaziergänger und Radfahrer können über den Waag-Steg die Enz überqueren.

Noch bis zum Jahr 2003 wirkte Reister im Ortschaftsrat mit. Den Heimatverein hat er mit auf der Taufe gehoben. Im Jahr 2005 wurde ihm die Eutinger Bürger-Ehrenmedaille verliehen. Seinen Ruhestand geniest er im Kreise seiner Familie und Freunden, mit Musik und Gesang, vielem Lesen und Spazierengehen. Dies vor allem auf der „Insel“, entlang des Dorfbachs und zum Waag-Steg.