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Die Autobahnpolizei – im Bild Roland Bäuerle (links) und Jörg Blickle – soll präventiv kontrollieren, ob Brummi-Fahrer vor ihrer Weiterfahrt nüchtern sind.  Foto: Ketterl 
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Der Bosnier Safet ist „sauber“: 0,0 Promille misst der Autobahnpolizist Jörg Blickle.  Foto: Ketterl 

Kontrolle gegen den Trend: Immer mehr Lkw-Fahrer mit Alkohol im Blut

Pforzheim/Enzkreis. „Zero, zero“, sagt Jörg Blickle und blickt zufrieden auf das Display seines Testgeräts, „nullkommanull“. Safet, Bosnier, Brummi-Fahrer eines slowenischen Transportunternehmens, hat blasen müssen, langsam und lang – wie alle Trucker, die an diesem Sonntagabend von sechs Beamten des Autobahnpolizeireviers Pforzheim vorsorglich kontrolliert werden –, bevor sie ab 22 Uhr ihren Stellplatz an den Rastplätzen verlassen dürfen. Kein Alkohol in Atemluft und Blut, kein Hinderungsgrund, um in einer halben Stunde die Maschine seines Lastwagens anzuwerfen und weiterzufahren auf der A8 Richtung Stuttgart.

Wären alle Trucker, vorwiegend aus Osteuropa, so „sauber“ wie Safet, der Bosnier, der Russe Nikolai, der Pole Oleg, all die Brummifahrer aus Slowenien, der Slowakei, der Türkei oder Rumänien, bliebe diese Geschichte ungeschrieben, wären Kontrollen wie diese überflüssig. Sind sie aber nicht. Revierleiter Roland Bäuerle erinnert sich noch lebhaft an die erste dieser vom Innenministerium des Landes angeordnete Kontrolle in seinem Sprengel (es gibt auch EU- oder bundesweite Überwachungswochen). Die Premiere war am 9. Dezember vergangenen Jahres: Zwei seiner Kollegen klopfen an die Tür einer wie üblich mit Stoffbahnen verhangenen Tür. Der rumänische Fahrer folgt der höflich vorgetragenen Bitte, bläst ins Röhrchen – ein Milligramm pro Liter, umgerechnet zwei Promille. Schlüssel weg, Papiere weg. Und dann wird es ungemütlich.

Der Mann protestiert. Wird laut, wird frech. Als er das Wort „Nazi“ in den Mund nimmt, ist es mit der Geduld der Beamten vorbei. Sie nehmen ihn mit aufs Revier – und der Vorfall ist noch nicht beendet. Flaviu D. (Name geändert) will mit dem Generalkonsulat in München sprechen. Bäuerle lässt die Verbindung herstellen. Für den Brummi-Fahrer geht der Schuss nach hinten los: Aus dem Konsulat bekommt er zu hören, er habe, wenn er in Deutschland sei, den Anweisungen der deutschen Polizei Folge zu leisten. Einen knappen Tag später als geplant – Flaviu D.s Körper hat den Wodka und das Bier abgebaut – bekommt er Schlüssel und Papiere wieder und darf weiterfahren.

„Wir wissen schon, warum wir das machen“, sagt Bäuerle. Dilettantisch angeschweißte Zusatztanks, abgenutzte Bremsscheiben, die selbst erfahrene Beamte erstarren lassen, Fahrer, die sich während ihres Ritts ein Video reinziehen oder telefonieren: Alles schon erlebt. Regelmäßig.

Doch ein Problem stellen zunehmend angetrunkene oder betrunkene Fahrer, vorwiegend Osteuropäer dar – sei es in Lastwagen der Unternehmen ihres Heimatlands oder für westeuropäische Speditionen. Oder die Fahrer von vorwiegend polnischen Kleintransportern, auf die die Laster-Fracht umgeladen wird, um Maut zu sparen und Tempolimits zu umgehen. Die Familie ist weit, die Strecken lang, die Arbeit hart, der Lohn gering. „Unlängst hatten wir einen, der fuhr für vier Euro Stundenlohn“, sagt Bäuerle. Verständnis ist das eine, Sicherheit das andere.

Fazit in dieser Nacht entlang der A8: 168 kontrollierte Lastwagen-Fahrer. Acht davon sind leicht alkoholisiert. Ein Pole hat 0,76 Promille.

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