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Im Gespräch: Sven Andrä von Klingel, Philipp Bauknecht von medialesson und Markus Meser vom Digital Hub (stehend, von links.) fachsimpeln mit den Teilnehmern des Hackathons. Foto: Roller

Künstliche Intelligenz trifft auf die Modebranche beim Hackathon in Pforzheim

Pforzheim. Popcorn-Duft zieht durch den fünften Stock des Klingel-Lagerhauses im Brötzinger Tal. Durch die Fenster fällt die orangefarbene Abendsonne und lässt die Menschen lange Schatten auf den Boden werfen. Die Stimmung beim Hackathon ist locker. An Stehtischen werden angeregte Gespräche geführt, an Laptops und anderen Geräten wird konzentriert gearbeitet.

Organisiert vom Digital Hub, soll die zweitägige Denkfabrik neue Ideen hervorbringen. An Samstag und Sonntag beschäftigen sich die rund 50 Teilnehmer alleine, zu zweit oder in kleinen Gruppen damit, wie künstliche Intelligenz im Modegeschäft helfen kann. 36 Stunden haben sie dafür Zeit, keine Minute länger. Dann müssen sie ihre Ergebnisse bei einem sogenannten Pitch den anderen präsentieren. Die Firma Klingel stellt ihnen echte Datensätze zur Verfügung und gewährt Einblicke in tatsächlich existierende Prozesse. Es geht darum, Netzwerke zu bilden, sich auszutauschen, bei Teamarbeit das eigene Blickfeld zu erweitern.

Spannend für den Handel

„Es ist immer wieder erstaunlich, was in 36 Stunden alles möglich ist“, sagt Philipp Bauknecht und spricht von „einem ganz besonderen Setting, das zu ganz besonderen Ergebnissen führt“. Der Zeitdruck sorge dafür, dass eine Konzentration auf das Wesentliche stattfinde. Der Gründer von „medialesson“ verweist auf einige Hackathons, die es bereits in Pforzheim gegeben hat. Immer sei dabei das Ziel gewesen, ein interessantes Thema mit einem lokalen Partner zu verknüpfen.

Dieses Mal ist das Thema „Fashion meets AI“ und der lokale Partner heißt Klingel. „Für uns ist das Ganze sehr spannend“, sagt Sven Andrä, der in der Klingel-Geschäftsleitung für Digitalisierung zuständig ist. Mit dem Hackathon will das Pforzheimer Traditionsunternehmen auch deutlich machen, dass es technologisch längst ganz vorne mitspielt. Neben Klingel und medialesson sind auch Meyle + Müller, Omikron, die Hochschule und Microsoft als Partner dabei. „Das ist eine vollkommen offene Veranstaltung“, erklärt Bauknecht. Mitmachen könne jeder. Unter den Teilnehmern finden sich nicht nur Softwareentwickler, sondern auch Designer, Produktmanager und Einzelhandelsprofis.

„Der Hackathon ist kein Treffen von Nerds“, betont Philipp Dörflinger von der Agentur Campaigners Network, die das Marketing für die Veranstaltung übernimmt. Er und Markus Meser vom Digital Hub sehen den Hackathon als Beleg dafür, dass das Projekt Smart City ein wichtiger Standortfaktor für alle Unternehmen in der Region ist. „Hier entstehen zukunftsweisende Ideen.“

Großer Aufwand nötig

Hinter der zweitägigen Veranstaltung steckt viel Aufwand: Ein LTE-Netz wurde aufgebaut, eine Wohlfühl-Atmosphäre geschaffen, Möbel wurden aus Paletten erstellt und Wände durchbohrt, um Stromkabel zu verlegen. Rund um die Uhr ist für Verpflegung gesorgt, auch mit „entwicklerfreundlichen Getränken“ wie Cola, Energy-Drinks und Kaffee. Viele Teilnehmer bleiben über Nacht, manche nutzen die aufgestellten Schlafgelegenheiten, aber die meisten arbeiten durch. Einer ist Fabio Jock von apollon. Der Designer entwickelt in einer Gruppe zusammen mit acht Kollegen aus den verschiedensten Bereichen einen Chatbot, mit dem auch ältere Menschen per WhatsApp Bestellungen aufgeben können.

Der 20-Jährige findet es gut, beim Hackathon neue Menschen kennenzulernen, die in derselben Branche tätig sind. „Das Spannende ist, dass man fremde Leute trifft, die man vorher noch nie gesehen hat“, sagt auch Martin Schmid. Der Geschäftsführer der Equitania-Software GmbH bildet ein Team mit Linus Hoja von apollon. Obwohl Hoja deutlich jünger ist, arbeiten sie gleichberechtigt zusammen.

Zusammen entwickeln sie eine Anwendung, die es schafft, mit Hilfe einer normalen Computer-Kamera Kleidungsstücke auf denjenigen zu projizieren, der vor dem Bildschirm steht. Quasi eine virtuelle Anprobe am Computer. Eine, die laut Hoja auch praxistauglich ist: „Das könnte man sofort in den Webshop einbauen.“