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Vorfreude auf die neue Produktion: Sabrina Böhm, Salome Tendies,Freddy Schlecht, Percy Past, Christel Gerstenäcker, Barbara Herb, Peter Graf-Gerstenäcker, Julia Hermann und Bettina Lell (von links).  Foto: Frommer 

Lustige Hommage an die gebeutelte Kulturbranche im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Die Revue „Seelenrelevant“ – eine muntere musikalische Utopie – feiert am Freitag, 17. September, ab 19 Uhr Premiere im Kulturhaus Osterfeld. Den Text der jüngsten Bühnenproduktion des Amateurtheatervereins (ATV) hat Bettina Lell während des Lockdowns geschrieben. „Wir spielen, was geschehen würde, wenn wir bis ins Jahr 2081 nicht mehr auftreten dürften; wir beschreiben, wie verwaiste Bühnen verfallen, vergessene Theater abgerissen werden“, erläutert sie.

Diese trotzige Antwort auf das inflationär eingesetzte Etikett „Systemrelevanz“ rücke die gesellschaftliche Bedeutung von Musik und Chorgesang, von Schauspiel und Tanz in den Fokus. Es sei aber kein trübes Ding, sondern eine eher lustige Hommage an die mangels Lobby in der Pandemie gnadenlos unterbewerteten Kulturbranche. „Der Titel des Stücks ist genau richtig“, betont Salome Tendies, musikalische Leiterin der ATV-Produktion. Es sei vollkommen absurd, dass man das Singen während des Lockdowns als schlichtweg gefährlichste Tätigkeit geächtet habe.

Gesang, Musik, Schauspiel und Tanz probte das Ensemble unter der Regie von Barbara Herb zunächst nach Sparten getrennt. Viel zu lange, so Tendies, habe jeder Chorist sogar „nur isoliert in seinen Rechner gesungen“.

Die Schwierigkeiten beim Neustart beschreibt die junge Sängerin Julia Hermann: „Um die vor Covid-19 gewohnte Qualität des gemeinsamen Singens wieder zu erreichen, brauchte es mehrere Proben“. Und die erfahrene ATV-Darstellerin Christel Gerstenäcker („Alma“) sagt: „Erst beim Zusammenführen von Chor, Choreografie und Schauspiel wurde uns bewusst, was im Stück alles steckt – und was uns lange gefehlt hat“.

Alle Chöre der ChorAkademie werden auf der Bühne agieren, und die 36 im Stück auftretenden Kinder und Jugendlichen haben eine wichtige Rolle bei den 60 Jahren der Zeitreise. Choreografin Sabrina Böhm unterstreicht die Bedeutung des Stücks für sie: „Chorgesang und Tanz sind ganz wichtige Zufluchtsorte für viele schüchterne Kinder, die erst außerhalb der Schule aufblühen, in einer Gesellschaft in der sie akzeptiert werden“. Für Interessierte gibt es noch Restkarten, denn bis zu 300 Besucher erlauben die gegenwärtigen Inzidenzen im großen Saal des Osterfelds.

Weitere Aufführungen am Sonntag, 19. September, um 16 und um 20 Uhr.