Die Anspannung war groß, die Freude noch größer. Am Mittwochabend rutschte PZ-Sportredakteur Dominique Jahn (44) auf Knien durchs Wohnzimmer und ballte voller Stolz die Siegerfaust. Sein sieben Jahre jüngerer Bruder Thilo stand zum gleichen Zeitpunkt im Smoking auf der Bühne der Hamburger Elbphilharmonie und nahm für seine Sendung „Update“ beim Deutschlandfunk Nova den Deutschen Radiopreis, einer der wichtigsten Auszeichnungen in der Medienbranche, entgegen.
Die Party mit den Stars konnte losgehen. Thilo mittendrin. Klar, gab es am nächsten Tag viel zu erzählen. Dominique griff zum Handy, nach dreimal klingeln war Thilo dran.
Dominique: Hey, Radiomacher, bist schon wieder „on air“?
Thilo: Ich bin gerade vor die Tür gestolpert und mach mich auf den Weg zum Flughafen. Muss ja wieder nach Köln.
Dominique: Grimme-Preis, Deutscher Radiopreis – darf ich dich weiter duzen?
Thilo: Erst wenn ich Bayern München trainiere, wird gesiezt.
Dominique: Erzähl mal – mit der Auszeichnung hast du ja nicht wirklich gerechnet?
Thilo: Bis zur allerletzten Sekunde nicht. Erst als Julia Jäckel (Anm. d. Red.: Laudatorin der Kategorie „Beste Informations- und Nachrichtensendung“) Deutschlandfunk Nova genannt hat, war mir klar: das bin ich. Die Momente davor – Fahrt mit allen Nominierten im Bus zur Elfi (Anm. d. Red.: Elbphilharmonie), Sitzplatz zweite Reihe, Sendungsbeginn, Rede Bundespräsident – liefen alle ab wie im Film. Und dann die letzten Sekunden in denen alle drei Nominierte eingeblendet werden, da hatte ich mehr Puls als nach einem 100-Meter-Sprint.
Dominique: Hättest mich ruhig in der Dankesrede erwähnen können...
Thilo: Dann hätte ich aber auch erzählen müssen, dass ich all deine Ehrenurkunden von den Bundesjugendspielen mit Wachsmalstiften vollgekritzelt habe damals. Und dass mir das immer noch leidtut. Interessiert doch keinen der 1400 Zuschauer in der Elfi.
Dominique: Bist du von der Bühne dann gleich an die Bar?
Thilo: Direkt nachdem wir den Preis bekommen haben, sind wir (Anm. d. Red.: Kollegin Ilka Knigge) zum Photo-Call hinter die Bühne. Die Show lief weiter ohne uns. Das machen alle Preisträger. Da sitzen dann zehn Leute, die Fotos, Videos und Kurz-Interviews für die ARD machen. Ich war so happy, man hätte mir das Portemonnaie aus dem Anzug klauen können, ich hätte selbst dabei noch gejubelt. Ruhiger wurde es dann erst beim wirklich schönen und emotionalen Gute-Nacht-Lied von Grönemeyer „Der Mond ist aufgegangen“ live in der Elbphilharmonie. Da war ich auch noch einmal richtig gerührt. Und dann natürlich auf der After-Show-Party. Die Hamburger Goldkehlchen, die 70 Jungs, die den Gesangs-Flashmob während der Show gemacht haben, haben auch auf der Party gesungen. Das war cool.
Dominique: „Das ist wie Duschen nach dem Sport“ hast du nach dem Gewinn des Grimme-Preises gesagt. Wie fühlt sich jetzt der Radiopreis an? Wie ein Saunagang mit Ganzkörpermassage?
Thilo: Das kannst du gar nicht beschreiben. Bei der Jubiläumsgala, zehn Jahre Radiopreis, auf der Bühne zu stehen, auf der Frank-Walter Steinmeier stand, und Teil dieser tollen Show zu sein, ist unbeschreiblich. Es fühlt sich wirklich toll an, so eine Wertschätzung für die Arbeit zu erfahren. Das wird teuer für dich an Weihnachten!
Dominique: Teuer war’s für dich. Der TV-Kommentator hat dich als deutschen George Clooney bezeichnet? Was hast du ihm gezahlt?
Thilo: Habe ihm einen Nespresso vor der Show ausgegeben. Vielleicht hat es damit zu tun. Die Frage ist jetzt, mit wem mache ich Kaffee-Werbung?
Dominique: Wenn die Hörer wüssten, dass du mit Socken deine Sendungen moderierst...
Thilo: Zum Glück ist Geruchsradio noch nicht erfunden. Wenn deine Zeitungsleser wüssten, wie viel Deo du benutzt...
Dominique: Bist auf der After-Show-Party auch ohne Schuhe rumgesprungen?
Thilo: Meine Lackschuhe sehen schon gut mitgenommen aus. Vermutlich auch, weil ich rumgesprungen bin vor Freude. Deswegen haben sich Lena, Nico Santos, der Bundespräsident auf der Party auch nicht an mich herangetraut. Es gab aber wirklich sehr viele Gratulanten. Von meinem ersten Chef beim SWR bis zum Hörfunkrat.
Dominique: Wie lange ging’s? Hast die Elbphilharmonie abgeschlossen?
Thilo: Die Party ging bis 3 Uhr. Ich habe um 1 Uhr die Flatter gemacht, habe noch einen Spaziergang zum Hotel mit meinen ganzen Emotionen gebraucht. Bis ich dann nach 20 Minuten gemerkt habe, das ist hier gar nicht mein Hotel, zu dem ich gelaufen bin. Also nochmal 20 Minuten oben drauf.
Dominique: Am ersten Schultag in Huchenfeld hast du dich ja auch verlaufen – auf dem Weg von der Schule nach Hause. Kennst du doch. Wie hat der Preis die Nacht verbracht? Bei dir im Bett?
Thilo: Ich habe ihn in der Elbphilharmonie vergessen. Kein Witz. Ich war so happy und platt, dass ich ihn auf einem Tisch habe stehen lassen. Erst am nächsten Morgen schrieb mir Ralph aus unserem Team: „Hey, ich habe dann mal den Preis gestern mitgenommen.“
Dominique: Der Grimme-Preis steht im Gäste-Bad. Wo stellst du den Radiopreis hin. In den Kühlschrank?
Thilo: Ja, neben die PREISelbeeren. Nein, ich nehme ihn mit in die Redaktion. Das ist ja auch eine Teamleistung gewesen. Wenn alle jeden Tag auf den Preis schauen, motiviert das vielleicht noch mal extra, abends die beste Sendung der Welt zu machen.
Dominique: Mal ehrlich, der badische Meistertitel im Hochsprung für den TV Huchenfeld war auch nicht so schlecht?
Thilo: Weißt du was, das war sogar besser. Da wusste ich nach jedem Sprung, die Latte liegt noch, jetzt kann ich mich freuen. Ich hatte das selber in der Hand. Die Ungewissheit – hat man gewonnen, oder nicht –, die macht einen platt.
Dominique: Was steht am Wochenende an?
Thilo: Ich schaue die Sendung jetzt erstmal mit Mama zehnmal an, die ist zu Besuch. Und dann bekommt die Redaktion eine ordentliche Ladung Kuchen von mir. Die haben die Veranstaltung alle zusammen Public-Viewing-mäßig geschaut. Und sehr laut gejubelt.
Dominique: Zu deiner Bambiverleihung in vier Jahren nimmst mich dann aber mit...
Thilo: Klar. Ich weiß auch, wo wir uns beide Smokings für 180 Euro leihen können. Aber vielleicht treffen wir uns erst mal auf dem Oechsle Fest in Pforzheim und trinken einen auf den Preis. Schön, dass es dich gibt Bruder!
Dominique: Du bist der Größte! Sag Mutter nen Gruß. Bis dann.


"Bestes Nachrichten- und Informationsformat": Pforzheimer Thilo Jahn gewinnt den Deutschen Radiopreis




