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Taghell erleuchtet wurde der Bombenfundort. Zum Glück konnte die 500-Kilo-Marinebombe entschärft werden. Wenig später kehrte wieder Ruhe im Rodgebiet ein.
Entwarnung: 500-Kilo-Bombe in Pforzheim wurde entschärft
Entwarnung: 500-Kilo-Bombe in Pforzheim wurde entschärft.
Bombe entschärft: 4500 Pforzheimer können in Häuser zurück
Bombe entschärft: 4500 Pforzheimer können in Häuser zurück.
Liveticker: 500-Kilo-Bombe verdrängt 2000 Pforzheimer aus Häusern
Liveticker: 500-Kilo-Bombe verdrängt 4500 Pforzheimer aus Häusern.
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In Pforzheim wurde bei Bauarbeiten eine 500 Kilogramm schwere Bombe entdeckt.
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Eine 500-Kilo-Bombe ist in Pforzheim gefunden worden. Ein Teil der Bevölkerung des Rodgebiets muss bis 21 Uhr evakuiert werden.

Marinebombe versetzt ein Stadtviertel in den Ausnahmezustand

Im nächtlichen Scheinwerferlicht steht Sven Rasehorn und hält zwei Zünder in den Händen. Er ist der Mann, der dafür gesorgt hat, dass Pforzheim mit dem Schrecken davongekommen ist. Baggerfahrer Polat Coskun weicht ihm nicht von der Seite. Er hat den 500 Kilo schweren Blindgänger – eine seltene amerikanische Marinebombe – entdeckt.

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Entwarnung in Pforzheim: Bombe entschärft

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Bombenfund in Pforzheim: Rund 4500 Menschen werden evakuiert

Es ist genau 14.48 Uhr, als Coskun bei Arbeiten auf einem Grundstück zwischen Lamey- und Bichlerstraße mit seiner Baggerschaufel in der lehmigen Erde auf einen Widerstand stößt und denkt: „Irgendwas stimmt da nicht.“ Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch keiner der umliegenden Anwohner, dass diese Entdeckung alle Pläne, die sie sich für den Abend zurechtgelegt hatten, über den Haufen werfen würde,

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500-Kilo-Bombe in Pforzheim entdeckt

Bald steht fest: Mit einer Entschärfung des 500-Kilo-Kolosses kann unmöglich bis zum nächsten Tag gewartet werden. Gefährlich schräg und teilweise freigelegt ist das Geschoss mit einem Zünder an jedem Ende. Ein Plan muss her.

Warnung an jeder Haustür

Im Rathaus kommt der Krisenstab um den Ersten Bürgermeister Roger Heidt zusammen. Eine Hotline wird eingerichtet, Informationszettel werden gedruckt. Das Einwohnermeldeamt stellt eine detaillierte Liste der 1500 Haushalte zusammen, die evakuiert werden müssen: insgesamt 4500 Menschen im Umkreis von 500 Metern. Die Anwohner, die in der Nähe gerade im Garten Blumen gießen oder beim Kaffee sitzen, können höchstens an den beiden Polizeibeamten, die am Rande der Baugrube Position bezogen haben, erkennen, dass dort etwas im Gange ist. Später wird eine Nachbarin sagen, es habe schon immer geheißen, dass es in diesem Gebiet noch Blindgänger gebe. „Wir stehen vor einer Herkulesaufgabe“, sagt Heidt bei einer Lagebesprechung auf dem Turnplatz. Die Stadt Pforzheim steht, soweit sich alle Anwesenden erinnern, vor der größten Evakuierungsaktion ihrer Nachkriegsgeschichte.

Es ist 19.15 Uhr, als 126 Feuerwehrleute, 120 Polizisten und 14 Rettungskräfte ausschwärmen, um das Gebiet zu räumen. Um 21 Uhr soll die Bombe entschärft werden. „Eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde gefunden, hier sind Sie gefährdet“, tönt es aus den Lautsprechern auf den Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr durch die Straßen: „Verlassen Sie sofort ihre Häuser. Gehen Sie hinter die Absperrung, dort sind Sie sicher. Nehmen Sie Kinder und Hilfsbedürftige mit. Wir informieren Sie, wenn die Gefahr vorüber ist.“ An jeder Haustür wird geklingelt. Keiner darf im Gefahrengebiet bleiben. „Wir müssen packen“, sagt eine Frau hektisch, trägt ihre Tochter auf dem Arm. Wohin sie gehen? „Erst mal hinter die Absperrung.“ Gegenüber steht Familie Pfrommer vor ihrem Haus an der Friedenstraße. „Wir wollten gerade grillen. Jetzt gehen wir eben essen.“ Sie nehmen es gelassen. Mit Kleider, Wertsachen, Laptop und Lernsachen in den Taschen haben die Studenten Carolin Sindlinger und Michael Ober-gfell ihre Wohngemeinschaft an der Bleichstraße verlassen. „Es ist schon ein komisches Gefühl, aus dem Haus zu müssen und nicht zu wissen, wann man wiederkommen kann“, sagt Sindlinger.

Wenige Meter weiter sitzt eine Frau auf dem Gehsteig. Tränen rinnen über ihre Wangen. „Mein Mann ist da drin“, ruft sie und deutet hinter die Absperrung. Im Bedarfsfall stehe auch eine psychosoziale Betreuung bereit, erläutert Feuerwehrkommandant Sebastian Fischer, der sich wie Oberbürgermeister Gert Hager vor Ort einen Eindruck von den Arbeiten verschafft. „Das Krisenmanagement der Stadt funktioniert“, sagt Fischer. Auch Ordnungsamtsleiter Wolfgang Raff lobt das „Super-Teamwork“ im Stab. Die Bürger seien einsichtig und vernünftig. Zur Not hätte sie die Polizei unter Zwang aus dem Gebiet bringen müssen.

Als es dämmert, steht fest: Vor Anbruch der Nacht kann mit der Entschärfung nicht begonnen werden. 18 pflegebedürftige oder kranke Menschen müssen vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus oder ins DRK-Gebäude an der Carl-Hölzle-Straße gebracht werden. Es ist nach 22 Uhr, als ein Hubschrauber über dem ausgestorbenen Gebiet kreist, um per Wärmebildkamera sicherzustellen, dass sich dort niemand mehr aufhält.

Nach 18 Minuten ist alles vorbei

Von 22.19 bis 22.37 Uhr dauert der knifflige Einsatz des Kampfmittelbeseitigers. Dann gibt er Entwarnung – erstaunlich gelassen. Alles habe wunderbar geklappt, sagt der 34-Jährige. „Der Heckzünder ging raus wie Butter.“ Der Kopfzünder dagegen sei etwas festgerostet gewesen: „Aber den haben wir auch in den Griff bekommen.“ 1,20 Meter lang, 35 bis 40 Zentimeter Durchmesser: Es war Rasehorns allererste Marinebombe, die er entschärfen musste. Warum ein Sprengkörper, der eigentlich auf See verwendet wurde, einst auf Pforzheim niederging? „Vielleicht wollten die Alliierten ihre Bestände loswerden“, meint Rasehorn.